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Molekulare Medizin auf dem Weg zur klinischen Anwendung

24.03.1999 - (idw) Universität Ulm

Molekulare Medizin auf dem Weg zur klinischen Anwendung
Die Internationale Gesellschaft für Gastroenterologische Karzinogenese veranstaltet ihren zweiten Kongreß in Ulm

Eine Prävention und Therapie von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes, die sich stärker als bislang möglich am individuellen, genetisch beeinflußten Risiko eines Patienten orientiert - so läßt sich das Ziel jener Wissenschaftler beschreiben, die sich vom 25.-27. März zum zweiten Kongreß der International Society for Gastroenterological Carcinogenesis treffen. Veranstaltet wird die Tagung von der Abteilung Allgemeine Chirurgie der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit der internationalen Gesellschaft und dem Tumorzentrum Ulm. Präsident ist Prof. Dr. Hans Günter Beger.

Tumoren des Verdauungssystems stehen in allen westlichen Industrienationen an der Spitze der Krebsstatistik. In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 46.500 Männer und 53.000 Frauen an einem solchen Tumor. Dies bedeutet: Jede dritte neu diagnostizierte Krebsgeschwulst befindet sich in einem Organ des Magen-Darm-Traktes. Bösartige Tumoren von Dick- und Mastdarm sind am häufigsten: etwa 23.000 Männer und 28.800 Frauen sind betroffen. Hinzu kommen 20.000 Fälle von Magenkrebs, 10.000 Pankreaskarzinome, 6.000 Gallentumoren, 5.000 Leberzellkrebse und 3.600 Speiseröhrenkrebse.

Was läuft im Erbgut von Zellen ab, die in diesen Organen zu Tumoren heranwachsen? Welche Rolle spielen dabei die ererbte genetische Disposition und das Immunsystem, welchen Einfluß haben chronische Entzündungen, Infektionen mit Bakterien oder Viren, Ernährung sowie Alkohol und Nikotin? Darüber diskutieren in Ulm rund 300 Wissenschaftler aus 17 Ländern. Das Ziel sind bessere Methoden zur Verhütung, Diagnose und Therapie. Dabei werden das individuelle Risiko berücksichtigt und Wege zu wirkungsvolleren und auch ökonomischeren Strategien gesucht.

Molekularbiologische Untersuchungen erleichtern die Identifizierung von Krebsvorstufen. Dies verbessert die Früherkennung und damit die Heilungsaussichten. Bestimmte Tumorformen, etwa Darmkrebs, treten in manchen Familien gehäuft auf. Mit Hilfe einfacher Bluttests können in den betroffenen Familien Träger erhöhter Risiken identifiziert werden. Das Verständnis wächst, wie Infektionen (z.B. mit Hepatitis-Viren oder dem Bakterium Helicobacter pylori) und chronische Entzündungen die Krebsentstehung beeinflussen. Dies hat Konsequenzen für die Prophylaxe und Behandlung dieser Erkrankungen. Ein Beispiel: Bei einer Infektion mit Helicobacter pylori wehrt sich der Organismus u.a. mit der Produktion von Stickoxid. Zusammen mit anderen freien Radikalen kann das Stickoxid die Erbsubstanz in den Schleimhautzellen des Magens schädigen und so die Krebsentstehung anstoßen oder fördern.

Deutlich wird auch, daß individuelle genetische Veranlagungen darüber entscheiden, wie empfindlich ein Mensch auf karzinogene Faktoren reagiert. Diese Veranlagung betreffen beispielsweise die Reparaturkapazität für Schäden am Erbgut oder die Fähigkeit des Stoffwechsels, Schadstoffe zu aktivieren oder abzubauen. Diese unterschiedliche Empfindlichkeit erklärt, warum einige Menschen bis in ihr hohes Alter rauchen und trinken und dabei gesund bleiben, während andere an Krebs erkranken.


Durch molekularbiologische Tests kann auch besser als bislang abgeschätzt werden, ob ein individueller Tumor auf eine Chemotherapie reagieren wird. Immunologische Tests machen es, etwa bei chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, möglich, die Schlagkraft der körpereigenen Abwehr und damit das Risiko einer Krebserkrankung besser abzuschätzen. Die Tagung in Ulm wird von mehreren nationalen und internationalen Forschungsorganisationen, wissenschaftlichen Gesellschaften und Institutionen unterstützt.

Barbara Ritzert, Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
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