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Ökonomievereinigung tagt in Bayreuth: "Problem der Arbeitslosigkeit lösbar"

25.03.1999 - (idw) Universität Bayreuth

Ökonomenvereinigung tagt in Bayreuth:
WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER: PROBLEM DER
ARBEITSLOSIGKEIT IST "SEHR WOHL LÖSBAR"
Lösung: Geringere Lohnzuwächse und flexiblerer Arbeitsmarkt

Bayreuth (UBT). Das Problem der seit Jahren in Deutschland "unvertretbar hohen Arbeitslosigkeit" ist nach Auffassung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der bedeutendsten Vereinigung von Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum, dem Verein für Socialpolitik, "sehr wohl lösbar". Es drohe nicht die Arbeit schlechthin auszugehen, sagte dessen Vorsitzende, der Dortmunder Ökonom Professor Dr. Hartmut Berg heute bei der Jahrestagung des Ausschusses an der Universität Bayreuth, sondern es mangle an bezahlbarer Arbeit und rentablen Arbeitsplätzen. Die 73 Ausschußmitglieder, vornehmlich Hochschullehrer, seien sich einig, daß zu deren Schaffung unter anderem eine Lohnpolitik betrieben werden müsse, die sich bis zum erreichen eines hohen Beschäftigungsstandes mit Lohnzuwächsen zufrieden gibt, die hinter dem Produktivitätsfortschritt zurückbleiben. Dadurch würden Investitionsvorhaben attraktiv, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Die gegenwärtige Arbeitslosigkeit sei jedoch nicht nur eine Folge zu hoher Löhne und Lohnzusatzkosten, sagte Professor Berg, sondern auch auf einen zu stark regulierten Arbeitsmarkt zurückzuführen. "Wir müssen den Arbeitsmarkt zu dem machen, was er sein sollte: ein Markt", betonte der Ökonomieprofessor. Flächentarifverträge böten nur unzureichende Möglichkeiten, um die sehr unterschiedlichen Kosten-, Erlös- und Wettbewerbssituation der Unternehmen einer Branche zu berücksichtigen. Die Lohnstruktur sei zu wenig differenziert, um Unterschiede in der Qualifikation der Beschäftigten Rechnung zu tragen. Vielfach sei auch die Differenz zwischen den Bezügen bei Arbeitslosigkeit und den bei einer Beschäftigung erzielbaren Einkommen zu gering, um die Arbeitsplatzsuche anzureizen.

Kritisch äußerte sich der Wissenschaftler auch zu den Instrumentarien kurzfristiger Beschäftigungsprogramme. Deren Wirkungen würden schnell verpuffen. Auch sei die auf Stärkung der Nachfrage abzielende Politik des ehemaligen Finanzministers Lafontaine nicht auf Zustimmung der Ökonomen-Vereinigung gestoßen.

Die im Jahr 1973 als Verein für Socialpolitik gegründete Gesellschaft für Wirtschaft und Sozialwissenschaften ist mit gegenwärtig etwa 1.900 Mitgliedern die bedeutendste Vereinigung von Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum. Thema der Bayreuther Jahresversammlung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses (23. bis 25. März) sind die Probleme des Arbeitsmarktes und der Beschäftigung.
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