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Wohnungs- und Bürobau mit Stahl

25.03.1999 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Eine Chance für neue Geschäftsfelder in der Stahlindustrie und der Bauwirtschaft - Forschungsprojekt des Instituts Arbeit und Technik für die Studiengesellschaft Stahlanwendung e.V.

Der Wohnungs- und Bürobau mit Stahl hat gute Chancen, aus seiner derzeitigen Marktnische herauszukommen und sich einen beträchtlichen Marktanteil neu zu erobern. Der Werkstoff kann hervorragend für flexibles, kosten- und flächensparendes Bauen eingesetzt werden. Er ermöglicht eine weitgehende Industrialisierung des Bauens und damit massive Produktivitätssteigerungen gegenüber der konventionellen Fertigung auf der Baustelle. Zu diesen Ergebnissen kommt ein Forschungsprojekt "Flexibler Wohnungs- und Bürobau mit Stahl", das vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) im Auftrag der Studiengesellschaft Stahlanwendung e.V. (Düsseldorf) durchgeführt wurde.

Gegen den derzeitigen Problemstau in der Bau- und Wohnungswirtschaft sind neue Konzepte gefragt. Statt der Standardwohnung für die Normalfamilie werden flexible Wohnangebote benötigt, die unterschiedlichen Haushaltstypen, Lebensformen und Altersgruppen gerecht werden. Aber auch die typisch deutsche Bauweise mit ihrem Anspruch der Solidität und Dauerhaftigkeit - und hohen Baukosten von über 2.500 DM/Quadratmeter - ist aus sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht mehr zeitgemäß, meinen die IAT-Wissenschaftler Prof. Dr. Franz Lehner, Fikret Öz und Brigitta Widmaier.

Überkommene Unternehmensstrukturen und Produktionskonzepte sowie die typisch deutsche Bauweise haben dazu geführt, daß die Bauwirtschaft den Wandel hin zu einer modernen Industriestruktur vernachlässigt hat. Die Rationalisierungsmöglichkeiten auf der Baustelle sind jedoch begrenzt und der industrielle Fertigbau ist nach wie vor schwach entwickelt. "Ein neues Verständnis von Stahl als Leitwerkstoff beim Wohnungs- und Bürobau könnte wesentlich dazu beitragen, die Produktivität durch eine kundenorientierte Qualitätsproduktion auf industrieller Basis zu erhöhen", so IAT-Präsident Prof. Dr. Franz Lehner.

Bauen mit Stahl ist in Deutschland noch wenig entwickelt. Während in den USA der Stahlbauanteil im Wohnungsbau bei ca. 5 Prozent, in Japan sogar bei 20 Prozent liegt, beträgt er hier weniger als 1 Prozent. Nach Expertenschätzungen baut die deutsche Industrie um ca. 45 Prozent teurer als die holländischen Nachbarn, wobei lediglich 5 Prozent auf die höheren Normanforderungen zurückzuführen sind. Wie Beispiele aus Kanada zeigen können Stahlkonstruktionen die Kosten bis zu 30 Prozent gegenüber Häusern mit anderen Baumaterialien senken.

Flexibler Wohnungs- und Bürobau mit Stahl in Deutschland wird sich größere Marktanteile in einem harten Wettbewerb mit dem konventionellen Bau und dem Fertigbau (Beton und Holz) erobern müssen. Die IAT-Wissenschaftler warnen deshalb vor einem zu frühen Wettbewerb zwischen unterschiedlichen stahlbasierten Bausystemen. Dadurch entstehe nicht nur vorschnell ein harter Preiswettbewerb, vor allem auch könnten die Innovationspotentiale nicht zureichend ausgeschöpft werden.

Deshalb soll zunächst eine umfassende Systemlösung mit Stahl als Leitwerkstoff entwickelt werden, die für unterschiedliche Bauformen, vom Einfamilienhaus bis zum mehrgeschossigen Hausbau und auch für die Sanierung von Altbauten einsetzbar ist. Ein solches Baukastensystem muß eine weitgehende Standardisierung mit einer hohen Flexibilität verbinden, damit Gestaltungsfreiheit und Möglichkeiten für einen raschen Umbau gesichert werden. Das erfordert einen hohen Grad an industrieller Vorfertigung mit Methoden flexibler Massenproduktion und eine modulare Produktion. Aus der Verknüpfung bereits vorhandener Lösungen und einem geeigneten Schnittstellenkonzept könnte dieses Baukastensystem in relativ kurzer Zeit entwickelt werden. Neue Steckverbindungen im Stahlbau und modulare Baukonzepte bieten gute Grundlagen, viele andere Elemente - auch aus dem Nicht-Stahl-Bereich (etwa Haustechnik) kommen hinzu.

Im Rahmen des IAT-Forschungsprojekts wurden mit einer Vielzahl von Gesprächen und Veranstaltungen die Voraussetzungen geschaffen, um verschiedene Unternehmen, die Beiträge zu einer solchen Systemlösung bringen können, zusammenzuführen. Wie internationale Beispiele zeigen, können die Erfolgsaussichten für flexiblen Wohnungs- und Bürobau durch Kooperation verschiedener Akteure gesteigert werden. Die beteiligten Unternehmen aus der deutschen Stahlindustrie, die die tragenden Konstruktionsteile produzieren, wollen sich zunächst auf einen Basiskatalog einigen, der mit einheitlich definierten Maßen für Standardteile, Schnittstellen, Verbindungselemente sowie Qualitätsstandards für alle Elemente des Systems einen Rahmen zur Sicherung der Kompatibilität darstellt.

Die Kooperation zur Entwicklung dieses Stahlbaukastens soll die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen nachhaltig stärken, erlaubt ihnen aber auch, ihre unterschiedlichen Trägersysteme und Profile und auch andere eigene Lösungen konkurrierend anzubieten, so daß die integrierte Systemlösung letztlich auf dem Markt weiter ausdifferenziert wird.


Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Franz Lehner
Durchwahl: 1707-113
Fikret Öz
Durchwahl: 1707-281
Brigitta Widmaier
Durchwahl: 1707-127
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