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Mit Siegener System wird in Singapur abkassiert

29.03.1999 - (idw) Universität Siegen

Vom Institut für Nachrichtenübermittlung der Universität Siegen ist ein wichtiger Baustein für ein "Electronic Road Pricing"-System entwickelt worden, das jetzt erstmals in Singapur zum Einsatz kommt.

Wenn Touristen aus Siegen in Singapur vom Flughafen in die Stadt fahren, werden sie unweigerlich Bekanntschaft mit Technik aus ihrer Heimat machen: Die Universität Siegen lieferte einen wesentlichen, besonders sensiblen Teil des automatischen Zahlungssystems für die Straßenbenutzung, kurz ERP (Electronic Road Pricing). Alle Hauptverkehrsstraßen und Kernzonen sowie alle Fahrzeuge - und das sind fast 800.000 - wurden mit Komponenten für die drahtlose Straßenbenutzungsgebührenerfassung ausgestattet. Jedesmal, wenn ein Fahrzeug eine Zahlstelle passiert, die man an Antennenbrücken erkennt, die über die Straße führen, wird von einer Chipkarte Geld abgebucht.
Der Auftrag für das "Road Pricing System Singapur" ging gemeinsam an Philips, Singapur, und Mitsubishi Heavy Industries, Japan. Ein Unterauftrag ging an die Firma KryptoKom in Aachen, einem Spezialisten für Computer- und Netzwerksicherheit. KryptoKom lieferte die Hardware für ein Sicherheitsmodul, das auch in Deutschland in vielen elektronischen Zahlungssystemen verwendet wird und daher international anerkannt ist. Von KryptoKom erhielt dann das Institut für Nachrichtenübermittlung der Universität Siegen unter Professor Dr. Christoph Ruland den Auftrag für die Entwicklung der Software, die in diesem Sicherheitsmodul abläuft, sowie das zugehörige Mangementsystem. Für die Durchführung der Härtetests wurde für mehrere Wochen ein Autobahnabschnitt in Singapur gesperrt, auf dem dann über eine Million Abbuchungen mit PKW, LKW, Motorrädern, Doppeldeckerbussen etc. durchgeführt wurden, um alle Situationen zu testen. Geforderte Fehlerrate: 0. Die Hauptschwierigkeit lag für die Siegener Beteiligten darin, daß alle kryptographischen Operationen, die dafür sorgen, daß keine Abbuchung gefälscht werden kann, in weniger als 800 Mikrosekunden, also weniger als einer Tausendstelsekunde, durchgeführt werden mußten. Erst nach vielen Optimierungen wurde das Ziel erreicht. Seit Herbst 1998 ist das System in vollem Betrieb. Heute sind Singapurs Einwohner von dem System, das sie in der Planungs- und Aufbauphase ablehnten, begeistert: Es ist viel komfortabler als das alte System, bei dem man Schlange stehen mußte, um immer wieder Tickets zu kaufen, vorzuzeigen etc. Zur Zeit ist geplant, alle Parkplätze in Singapur - mehr als 3.000 - in das elektronische, drahtlose Abbuchungssystem miteinzubeziehen, so daß man keine Parkuhren, Parkautomaten - und keine Politessen mehr benötigt. Kameras neben den Antennen, über die die Abbuchungen erfolgen, halten die Nummern von Fahrzeugen fest, deren Zahlungsvorgang nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte. Das Projekt in Singapur ist für die Siegener zwar beendet, aber längst nicht die Zusammenarbeit mit Mitsubishi. Professor Ruland: "Zur Zeit laufen Planungen und Ausschreibungen für ähnliche Road Pricing Systeme in Japan, Seoul, Hongkong und Taiwan, für die eine Beteiligung unseres Instituts in Frage kommt. Leider hat die Asienkrise allerdings auch Auswirkungen auf diese Projekte, die zeitlich verschoben worden sind. Diese Pause bietet aber auch die Chance, eine neue Technik zu entwickeln. Dadurch behalten diese Projekte auch von der wissenschaftlichen Seite her ihren Reiz."

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