Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 20. Oktober 2019 

Der Patient liegt auf dem Bildschirm

29.03.1999 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

UW/H Prof. Dr. Grönemeyer über Chancen und Risiken der Telemedizin

Medizin im Jahr 3000? Der Notarzt leitet das EKG des Infarktpatienten per Datenleitung in das nächstgelegene Krankenhaus, wo der Herzspezialist die Weiterbehandlung des Erkrankten auf der Intensivstation vorbereitet. Bei der komplizierten Herz-Operation schneidet der Arzt in Deutschland die Brust des Patienten auf, während der Spezialist in New York auf dem Monitor zuschauen und beratend helfen kann. Ein anderes Beispiel: Unter dem Mikroskop sind menschliche Zellstrukturen zu beobachten, die keiner kennt. Ein Anruf bei einem Experten, der sich über den Computer zuschaltet und der Befund ist klar. Was wie Science-fiction klingt, ist längst technisch machbar: Die Telemedizin ermöglicht vor allem kurze Wege und kann Menschenleben retten.

Seminare, Kongresse und Vorlesungen stehen via Telekommunikation mit ISDN, Satellit oder Internet für einen großen Hörerkreis zur Verfügung. "Für die Weiterbildung von Medizinstudenten, Ärzten aller Fachrichtungen in den Krankenhäusern oder als niedergelassener Arzt wird die Telemedizin die Methode der Zukunft sein", sagt Prof. Grönemeyer von der Universität Witten/Herdecke, Spezialist für die sog. Bildgebenden Verfahren und Mikro-Therapie, voraus. Aber wie vieles birgt die Telemedizin nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Eine falsche Information im Internet ist sekundenschnell weltweit verbreitet, unzureichende Qualitätskontrollen und kommerzielle Interessen begünstigen Scheinexperten. "Da müssen Kontrollinstanzen geschaffen werden, sonst sind wir vor irgendwelchen Quacksalbern nicht sicher", fordert Prof. Grönemeyer in der jetzt erschienenen Dokumentation über den 9. Deutschen Ärztekongreß EUROMED in Leipzig im März 1998, dessen Präsident er war.
Für den erfolgreichen Einsatz der Telemedizin muß sie von allen Beteiligten angenommen werden: Vom Arzt, der seinen beruflichen Alltag damit entscheidend verändert, von den Krankenkassen und natürlich von den Menschen, die als Patienten betroffen sind. Alle haben ein Recht darauf, daß Verfügbarkeit, Qualität und Korrektheit der Methode sichergestellt wird. Befunde, Bilder, Briefe, spezifisches Fachwissen, die sekundenschnell einem Expertenkreis zur Verfügung stehen, bieten heute Möglichkeiten einer optimalen Patientenversorgung. Aber diese Patientendaten dürfen natürlich nicht für jeden zugänglich sein, sondern müssen geschützt werden.

Grönemeyer weiter: Wenn Menschen über Online-Dienste miteinander kommunizieren, sehen sie sich nicht und reden nicht miteinander. Dieser anonyme Kontakt kann Ängste schüren und Ablehnung hervorrufen. Bei allen Vorteilen der Telemedizin darf nicht der Verlust einer Arzt-Patient-Beziehung entstehen, die für jeden Heilungsprozeß mitentscheidend ist. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der hausärztlichen Betreuung zu. Der Hausarzt muß die neuesten Informationen über den Krankheitsverlauf seiner Patienten kennen und im Netzwerk die Verbindungen zwischen Krankenhaus und Fachärzten nutzen können.

Richtig genutzt, kann Telemedizin ganz massiv Kosten sparen helfen: Durch das Zusammentragen aller medizinischen Leistungen in einer Kartei, die vom Patienten zusammen mit dem Hausarzt kontrolliert würde, könnten Mehrfachuntersuchungen und Mehrfachverwaltungen vermieden werden. Die Kontrolle durch den Patienten wäre gewährleistet, wenn dieser durch eine persönliche Chip-Card, die als Schlüssel für seine medizinischen Daten dienen würde, den personenbezogenen Dateninformationsfluß steuern könnte.

Wenn in Deutschland ein optimiertes Gesundheitswesen angeboten werden soll, müssen die Chancen von High-Tech-Medizin genutzt und die Risiken ausgeschaltet werden. Die neuen Technologien der medizinischen Versorgung tragen nicht nur zur optimalen Betreuung von Patienten bei, sondern gestalten den Gesundheitsstandort Deutschland interessanter gegenüber dem Ausland und es werden gleichzeitig zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Grönemeyer, Tel.: 0234/ 9780200, Telefax: 0234/ 9780105 oder www.microtherapy.de

Die Kongreßdokumentation ist zu beziehen im Sekretariat von Prof. Grönemeyer über Frau Hollmann

uniprotokolle > Nachrichten > Der Patient liegt auf dem Bildschirm

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/48272/">Der Patient liegt auf dem Bildschirm </a>