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Noch höhere Wirtschaftserträge

30.03.1999 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Auch 1998 konnte die Fraunhofer-Gesellschaft die Wirtschaftserträge weiter steigern. Der Gesamtaufwand stieg auf knapp 1,4 Mrd DM, davon betrafen fast 1,2 Mrd DM den Leistungsbereich Vertragsforschung.

Die Fraunhofer-Gesellschaft kann trotz schwieriger Bedingungen ihren Wachstumskurs halten", bewertet Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Warnecke, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, die aktuellen Zahlen. Insgesamt stiegen die Aufwendungen der Fraunhofer-Gesellschaft von 1,3 Mrd in 1997 auf 1,4 Mrd DM im Vorjahr. Davon entfielen für den Bau und die Erstausstattung von Instituten etwa zehn Prozent. Für die Verteidigungsforschung wurden knapp fünf Prozent des Haushalts aufgewendet. Besonders stark ist der Leistungsbereich Vertragsforschung gewachsen: Er erhöhte sich um mehr als sechs Prozent auf 1,2 Mrd DM.

"Die positive Bilanz im Leistungsbereich Vertragsforschung ist vor allem auf die erneut gesteigerten Wirtschaftserträge zurückzuführen", betont Prof. Warnecke. 1998 betrug das Volumen der Auftragsforschung für die Wirtschaft mehr als 400 Mio DM. Nach 1996 und 1997 konnte die Fraunhofer-Gesellschaft die Wirtschaftserträge erneut um etwa 15 Prozent steigern. Die Erträge aus der Wirtschaft decken damit die Aufwendungen der Vertragsforschung zu etwa 35 Prozent. Vor fünf Jahren waren es lediglich knapp 25 Prozent.

Das Finanzierungsmodell wurde stetig an die Entwicklungen des Marktes und die politischen Randbedingungen angepaßt. Durch den drastischen Rückgang der öffentlichen Projektförderung muß die alte Faustformel - ein Drittel Grundfinanzierung, ein Drittel Projektförderung, ein Drittel Wirtschaftserträge - verändert werden. Da in öffentlichen Projekten langfristig höchstens 20 Prozent eingeworben werden können, müssen die anderen beiden Säulen auf je 40 Prozent gesteigert werden. Damit ist die Steigerung der Grundfinanzierung ganz eng an den Erfolg bei den Wirtschaftserträgen gekoppelt.

Der Ausfall der Projektförderung läßt sich nicht mit einem moderaten Wachstum der Grundfinanzierung kompensieren. Denn langfristig birgt das die Gefahr, daß nicht mehr genügend Geld für die Vorlaufforschung vorhanden ist. Wenn aber die Fraunhofer-Gesellschaft nicht mehr neue Technologien entwickeln kann, mutiert sie zur verlängerten Werkbank der Industrie. Und dann würde sie schnell ihre Attraktivität für die Wirtschaft verlieren. Deshalb betont Präsident Warnecke die Notwendigkeit einer ausreichenden Grundfinanzierung. Da die Fraunhofer-Gesellschaft ihr laufendes Geschäft stark an der aktuellen Nachfrage orientieren muß, bleibt ihr ohnehin nur ein begrenzter Spielraum, um mittelfristig neue Technologien aufzubauen.

Um die Strategieplanung und den Aufbau neuer Technologiefelder zu optimieren, setzt die Fraunhofer-Gesellschaft professionelle Prognosetechniken wie die Delphi-Studie ein. Nur so kann sie rechtzeitig aktuelle Trends aufnehmen und ihr Technologie-Portfolio an künftige Märkte anpassen. Die dabei entdeckten Defizite in der Kommunikationstechnik und den Life Sciences konnten schnell ausgeglichen werden, da bereits Planungen für ein Institut für Verkehrstechnik und für Telekommunikation wie für eine Abteilung für molekulare Biotechnologie vorlagen.

Vor wenigen Jahren hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit zwei Innovationszentren begonnen, die Lücke am Ende des Innovationsprozesses zu schließen. Nun bereitet sie weitere Aktivitäten zur Entwicklung einsatzfähiger Produkte, Verfahren und Dienstleistungen vor. Die Vermarktung und Pflege der dabei entwickelten Produkte soll in externen Unternehmen geschehen, an denen sich die Fraunhofer-Gesellschaft befristet beteiligt. Letztlich zielen auch diese Planungen auf eine engere Vernetzung mit der Wirtschaft.

Aufgrund ihrer flexiblen Grundstruktur mit verteilten, eng kommunizierenden Instituten kann die Fraunhofer-Gesellschaft schnell auf den Wandel und die sich ändernden Märkte reagieren. In turbulenten Zeiten mit rasch wechselnden Umgebungsbedingungen kommt es vor allem darauf an, die Umsetzung von strategischen Entscheidungen noch stärker zu beschleunigen und höchst flexible Strukturen zu schaffen, die schnell auf- und abgebaut werden können. Am besten sind dafür Netzwerke geeignet.

Kräftigen Rückenwind erhielt die Fraunhofer-Gesellschaft durch die positive Beurteilung der Evaluierungskommission und die Zusage der neuen Forschungsministerin Edelgard Bulmahn, die Grundfinanzierung um fünf Prozent anzuheben. Und schließlich scheint nun auch das uralte Problem einer leistungsgerechten Bezahlung lösbar. Rosige Aussichten zum Jubiläum.

Franz Miller
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