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Landwirtschaftliche Praxis und Gentechnik - Sicherheitsforschung

06.04.1999 - (idw) Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

Mit Raps und Mais will die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) gleich zwei gentechnisch veränderte Kulturpflanzen in den Jahren 1999 bis 2001 auf ihren Versuchsfeldern bei Braunschweig anbauen. Wie stark übertragen sich die neuen Gene auf Pflanzen in benachbarten Felder und wirkt sich dies auf die landwirtschaftliche Praxis aus? Können die Kulturpflanzen aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Unkrautbekämpfungsmittel selbst zum schlecht bekämpfbaren Unkraut werden?

Mehr als 28 Millionen Hektar gentechnisch veränderter Pflanzen wurden 1998 weltweit angebaut. Im Vergleich: Die gesamte Ackerfläche Deutschlands beträgt 12 Millionen Hektar. Für dieses Jahr wird mit einer weiteren starken Zunahme gerechnet. Staatliche Behörden müssen bei transgenen Pflanzen die Freisetzung genehmigen, in Deutschland ist dies unter anderem die Biologische Bundesanstalt. Für den Handel, zum Verzehr oder als Industriepflanze muß die EU gefragt werden, dabei wird die Biologische Bundesanstalt um ihre Meinung gebeten. Aber die Bundesanstalt betreibt auch intensiv Forschung über die biologische Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen.

Die Versuche beginnen in diesem Jahr mit dem Anbau von herbizidresistentem Raps auf den Versuchsfeldern in Wendhausen östlich von Braunschweig. Zwei Hektar sind dafür vorgesehen. Dabei werden Rapslinien mit einer Widerstandsfähigkeit gegen zwei verschiedene Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide) angebaut, deren Pollen auch die Blüten der daneben angebauten, gentechnisch nicht veränderten Sorten befruchtet. Wie hoch wird der Anteil der Samen mit Herbizidresistenzgenen in den benachbarten Feldern und wie läßt er sich bekämpfen, wenn die Samen nicht geerntet werden, sondern ausfallen konnten? Sie keimen dann auf dem Acker und werden in der darauf angebauten Kulturpflanze zum Unkraut. Doppelt herbizidresistenter Raps könnte dabei zum Problem werden.

Bei Mais geht es neben der Herbizidresistenz außerdem um eine gentechnisch eingebaute Widerstandsfähigkeit gegen Insekten. Mit den Freilandversuchen wird aber erst im nächsten Jahr begonnen. Auch hierbei wird um das Feld mit dem transgenen Mais ein Streifen von gentechnisch nicht veränderten Maispflanzen gesät.

Das Auskreuzen von einzelnen Genen, so nennt der Fachmann deren Übertragung in benachbarte Felder, kann für den biologischen Landbau von großer Bedeutung sein. Durch den Pollen können Gene in als biologisch deklarierte Ernteprodukte kommen, so daß der Verbraucher strenggenommen damit gentechnisch veränderte Nahrung zu sich nimmt. Das ist für den biologischen Landbau unakzeptabel, da sich dies zur Zeit nicht mit seinen Regeln vereinbaren läßt.

Die beiden Versuche gehören zum Großprojekt "BioMonitor" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In diesem Projekt hat die BBA zwei weitere Forschungsanträge bewilligt bekommen. Einer davon läuft ebenfalls in Braunschweig, allerdings in Gewächshäusern, denn im Freiland würde ein derartiger Versuch 36 Jahre dauern. Dabei geht es um zwei Rassen eines schädlichen Virus, das die Wurzelbärtigkeit der Rüben hervorruft und den Ertrag außerordentlich senkt.

Außerdem soll im BBA-Institut in Darmstadt untersucht werden, ob sich ein Schädling verändert, wenn dem Mais gentechnisch ein Abwehrstoff eingebaut wird. Das schädliche Insekt heißt Maiszünsler und tritt nur in Süddeutschland auf. (BBA)

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