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TU Dresden gewinnt internationales Großprojekt "Satellitengestützte Verkehrsbeobachtung" der ESA

08.04.1999 - (idw) Technische Universität Dresden

Hannover Messe (19. bis 24. April 1999)
"Traffic Eye" funkt aktuelle Verkehrsnachrichten aus dem All

"Der Verkehr auf der A20 in Richtung Flughafen beginnt sich zu stauen, da sich auf Höhe der Ausfahrt Schiedain vor fünf Minuten ein Unfall ereignete..." Schnell und präzise können die Rotterdamer Bürger bereits ab dem Frühjahr 2000 den aktuellen Stau auf den Straßen umfahren, denn die aktuellen Verkehrsinformationen werden nach dem Floating Car Data (FCD)-Verfahren weltweit erstmals mittels direkter Satellitenkommunikation übertragen. Diesen Pilotversuch im Großraum Rotterdam führen die Technische Universität Dresden und ein holländisches Verkehrstelematikunternehmen (ARS, Den Haag) gemeinsam durch - gefördert von der Europäischen Weltraumbehörde "European Space Agency" (ESA).
Professor Klaus Janschek vom Institut für Automatisierungstechnik an der TU Dresden und seine Arbeitsgruppe präsentieren auf der Hannover Messe vom 19. bis 24. April 1999 (Halle 18, 1. Obergeschoß, Stand J16) die Weltraumtechnik, die die Erdenbürger über den aktuellen Autoverkehr informieren soll.

"Rund 50 Fahrzeuge werden für dieses internationale Projekt im Großraum Rotterdam mit speziellen mobilen Satellitenübertragungseinrichtungen - den Terminals - ausgerüstet", erklärt Professor Klaus Janschek. Die über diese kooperativen Fahrzeuge gewonnene und von einem Satelliten gesammelte Stichprobeninformation aus dem aktuellen Verkehrsgeschehen wird in einer Verkehrsleitzentrale zur Prognose des großflächigen Verkehrszustandes herangezogen. Diese Prognosen können dann über die Satellitenverbindung den Fahrzeugen wieder direkt als Verkehrsinformationsdienste zugeführt werden.
"Bisher wurden solche FCD Systeme in verschiedenen Pilotprojekten nur mit terrestrischer Datensammlung über das terrestrische Mobilfunknetz (GSM) getestet", so Janschek. "In dem aktuellen Projekt sollen die Möglichkeiten und Grenzen satellitengestützter Methoden getestet werden." Zur Datensammlung wird ein existierender geostationärer Telekom-Satellit (Italsat, Flughöhe 36.000 Kilometer) herangezogen. Die große Entfernung bedingt relativ große Sendeleistung und Baugrößen der Fahrzeugausrüstung. Damit sind dem kommerziellen Einsatz in Massenmärkten natürliche Grenzen gesetzt. Dieses Pilotsystem erlaubt jedoch wichtige Rückschlüsse auf die prinzipielle technische Machbarkeit derartiger Konzepte.
Der Zuschlag für das Projekt erfolgte letztlich durch die umfangreichen Vorarbeiten, die an der TUD in den letzten zwei Jahren im Rahmen des TUD-Satellitenkollegs "LEO (Low Earth Orbit) Satellitennetzwerke" (Sprecher: Prof. Janschek, Fakultät Elektrotechnik) durchgeführt wurden, ist sich Janschek sicher. In diesem interfakultären Forschungsverbund der Fakultäten Elektrotechnik, Maschinenwesen, Forst-/Geo-/Hydrowissenschaften, Verkehrswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften wurde über eine Förderung des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie über Eigenmittel der TU Dresden ein innovatives Verkehrsbeobachtungskonzept entwickelt, das die Synergie von satellitengestützten Telekommunikations- und Erdbeobachtungsressourcen durch Datenfusion nutzt. Das Konzept der TU Dresden basiert auf niederfliegenden Satelliten (Flughöhe 1.000 Kilometer) und ermöglicht wegen der geringeren Flughöhe die Nutzung von zusätzlicher Bildinformation und miniaturisierter Fahrzeugausrüstung (Leistung, Baugröße). Damit wären die wichtigsten Voraussetzungen für den Einsatz in einem kommerziellen Massenmarkt geschaffen und tendenziell zuverlässigere Verkehrsinformationen möglich.

Professor Klaus Janschek: "Das gewonnene ESA-Projekt stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg für die Demonstration des Konzeptes der Universität mit einem an der TU Dresden gebauten sächsischen Mikrosatelliten ("Traffic Eye") dar, weil in diesem ESA-Projekt die Telekommunikationskomponente des TUD-Konzeptes bereits voll funktional demonstriert werden kann." Die Forscher der TU Dresden werden über eine Internetverbindung einen direkten Zugang zu den gewonnenen Verkehrsdaten aus Rotterdam erhalten und damit wesentliche Aspekte des eigenen Konzeptes verifizieren können.

Die gegenwärtigen Bemühungen der Dresdner Forscher konzentrieren sich nunmehr auf die Akquisition von zusätzlichen Projektmitteln zur Demonstration der übrigen Komponenten des TU Dresden-Konzeptes: Zugang zu zeitsynchroner Bildinformation über Bilder von ESA Erdbeobachtungsatelliten und Test der Computerprogramme zur Datenfusion (FCD + Bild) mit den realen Daten aus dem Pilotprojekt. Mit diesen Vorleistungen sieht Professor Klaus Janschek gute Chancen, die benötigten optimierten Satellitentechnologien für den eigenen Universitätssatelliten "Traffic Eye" mit erheblich reduziertem Risiko und deutlicher Förderbereitschaft erfolgreich zu entwickeln.

Informationen: TU Dresden, Institut für Automatisierungstechnik, Professor Klaus Janschek, Telefon (03 51) 4 63-40 25, Fax (03 51) 4 63-70 39, E-mail: janschek@eatns1.et.tu-dresden.de,

oder vom 19. bis 24. April 1999 auf der Hannover Messe, Halle 18,
1. Obergeschoß, Stand J16 (Gemeinschaftsstand "Forschungsland Sachsen", Telefon (05 11) 89-4 76 25, Fax (05 11) 89-4 76 32).

Birte Urban, Telefon (03 51) 4 63-30 37
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