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Schönheit basiert auf biologischen Wurzeln

15.04.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Tagung über "Evolutionstheorie und Geisteswissenschaften" am 23./24. April in Jena

Jena (15.04.99) "Der Mensch ist das Resultat der biologischen Evolution, und er ist an seine biologische Bedingtheit gebunden", sagt Prof. Dr. Klaus Richter. Der Biologe von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist davon überzeugt, daß dieser Grundsatz auch für die Geisteswissenschaften gilt und dort stärker beachtet werden sollte. Um dies darzustellen und gemeinsame Ansätze zu diskutieren, veranstaltet er mit den Akademien der Wissenschaften in Erfurt, Mainz und Leipzig die öffentliche Tagung "Evolutionstheorie und Geisteswissenschaften". Am 23. und 24. April werden Biologen, Philosophen, Theologen, Soziologen, Sprach- und Literaturwissenschaftler im Hörsaal 5 im Jenaer Uni-Campus (Carl-Zeiß-Str. 3) in acht Vorträgen ihre Sicht auf die gemeinsamen Wurzeln offenlegen.

Die Verhaltensweisen des Menschen sind durch seine Entwicklung bedingt. Das Stammhirn enthält die biologischen Steuerungen für alle Triebe, wie Hunger oder Vermehrung. Das Tier ist daran gebunden, während im menschlichen Gehirn das limbische System die Stammhirntriebe kontrollieren kann. Der Mensch muß z. B. nicht sofort essen, wenn er Hunger hat. Er ist unter den Organismen der "erste Nein-Sager", zitiert Richter Max Scheeler. Trotz des freien Willens sind wir aber an unsere biologischen Wurzeln gebunden.

"Die Basis unserer ästhetischen Wahrnehmung ist - ebenso wie die unserer Erkenntnis oder Sprache, unseres Sexualverhaltens oder der Sozialstrukturen - aus evolutiven Wurzeln zu verstehen", beschreibt Klaus Richter am Beispiel der "Herkunft des Schönen", wie er auch sein jüngst erschienenes Buch über die biologischen Wurzeln der Ästhetik genannt hat. Unser Schönheitsempfinden, so seine Kernaussage, "ist abhängig von den sinnes- und neurophysiologischen Möglichkeiten, die ebenfalls ein Resultat stammesgeschichtlicher Anpassung sind. Arttypische kognitive Strukturen kommen in Betracht, die der Wahrnehmung des Schönen zugrunde liegen und die zusammen mit emotionalen Vorgängen das Schönheitsempfinden bestimmen".

Bereits diese Aussagen verdeutlichen, daß es während der Tagung zu Diskussionen kommen wird - was gewollt ist. Man will eine Brücke zwischen den 'zwei Welten der Wissenschaften' schlagen und Geistes- mit Naturwissenschaftlern zu einem konstruktiven Dialog zusammenführen.


Friedrich-Schiller-Universität
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