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Lernen in der Wissensgesellschaft

05.08.2002 - (idw) ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln

Berufliche Weiterbildung gilt als einer der entscheidenden Modernisierungsfaktoren. Immer mehr Unternehmen sehen sich veranlasst, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und zur Bewältigung der im Prozess der Globalisierung notwendigen komplexen Reorganisationsmaßnahmen mehr als zuvor auf das Wissen der Beschäftigten zu setzen. Der Reader "Lernen in der Wissensgesellschaft" legt Ergebnisse der Bildungsforschung vor.

"Lebenslanges Lernen" heißt die Forderung in der öffentlichen Debatte, in der jedoch umstritten ist, wer die Bedingungen dafür zu schaffen hat und wer die Kosten trägt. Allenfalls die größeren Unternehmen sind de facto in der Lage, derart weitreichende Neuregelungen der betrieblichen Weiterbildung zu etablieren; kleine und mittlere Betriebe sind dagegen auf Kooperationsverbünde angewiesen. In diesem Kontext und bei zunehmender Privatisierung des Bildungsbereichs gewinnen Modelle der Selbststeuerung von Lernprozessen und der Eigenverantwortung für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit an Boden. Berufliche Weiterbildung ist nicht länger nur Reparaturinstanz für verpasste oder ungenügende Erstausbildung, Anpassung an neue Techniken oder Aufstiegsmedium, sondern Voraussetzung zugleich für wirtschaftliches Wachstum und soziale Gerechtigkeit.

In seiner Einführung plädiert Gerd Peter (sfs) dafür, dass neue Lernkonzepte nicht nur durch Globalisierung erzwungene Modernisierungsprozesse nachvollziehen sollen, sondern dass sie um Aspekte der Demokratisierung, Gestaltung und Teilhabe sowie der Persönlichkeitsbildung und Reflexivität ergänzt werden müssen.

Walter R. Heinz (ISO) blickt zurück auf die Untersuchungen über die Ursachen und Folgen sozialer Chancenunkgleichheit und über Wege zu deren Aufhebung durch Bildung und Arbeit, wie sie im ISO Köln seit seiner Gründung vor 30 Jahren kontinuierlich durchführt werden: Dies gilt für die Längsschnittstudie `Chancenzuweisung durch AusbildungA ebenso wie für Forschungen über den Übergang von der Ausbildung in den Beruf, über Umschulung und Weiterbildungsabstinenz oder über Betriebspolitik als Lernprozess. Bildungsforschung wird auch in Zukunft ein wichtiges Standbein der ISO-Forschung sein: die vierte Stufe der Längsschnittstudie beginnt gerade ebenso wie international vergleichende Analysen über die Selbst-Bilanzierung nicht-formalisierter beruflicher Kompetenzen.

In seinem Beitrag "Selbstmanagement versus Beruflichkeit?" beschäftigt sich Wilfried Kruse (sfs) mit dem Verhältnis zur eigenen Beruflichkeit als Teil der Persönlichkeit und als Basis für (Arbeits-) Markterfolg und gesellschaftliche Positionierung. Mit dieser subjektorientierten Perspektive kommt die biographische Phase des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt erneut in den Blick: in Auseinandersetzung mit den Optionen für sinnvolle Tätigkeiten und Erwerbschancen, wie sie auf dem Arbeitsmarkt verteilt werden, wird in dieser Periode der Umgang mit dem eigenen Arbeitsvermögen gelernt.

Erste Schritte bei der Erforschung, Entwicklung und Erprobung organisationsübergreifender Lernnetzwerke und ihrer Arbeitsformen beschreibt Jürgen Howaldt (sfs). Solche regionalen Kooperationsverbünde stellen eine Organisationsform dar, mit deren Hilfe der vom Wirtschaftssystem ausgehende wachsende Innovations- und Modernisierungsdruck bewältigt werden kann. Dies gilt vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen, deren Ressourcen in der Regel nicht ausreichen, die wachsenden Innovationsanforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen.

Im Rahmen einer empirischen Studie über Managementprozesse und Unternehmenskultur im Organisationswandel globaler Konzerne beschäftigt sich Ingrid Matthäi (iso) mit der Qualifizierung von Führungskräften, durch die die Unternehmen versuchen, sich ein `passgenauesA Management zu schaffen, das die ökonomischen Konzernziele in einem dynamisch sich verändernden Umfeld mit hohen Ungewissheitszonen und Risikofaktoren umzusetzen vermag.

Ein in der Bildungsdebatte stiefmütterlich behandelter Bereich ist der der Schulung und Weiterbildung der Schwerbehindertenvertreter in den Betrieben, obwohl ihre gesetzliche Funktion und ihre tatsächlichen Aufgaben hohe Anforderungen an sie stellen. Achim Huber (iso) stellt die Wege und Hindernisse einer `ModernisierungA der Schwerbehindertenvertretungen vor und geht dabei der Frage nach, welche Bedeutung hierbei Weiterbildung hatte und haben kann.

Axel Bolder (ISO) schließlich stellt die `Selbst-VerständlichkeitenA der aktuellen Bildungsdebatte in Frage, also Begriffe wie `WissensgesellschaftA, `lebenslanges LernenA, `KompetenzentwicklungA und last but not least `ChancengleichheitA, die durch die Ergebnisse der PISA-Studie wieder zum Thema geworden ist. Bolder argumentiert, dass in der Bildungspolitik neuer Wein in alte Schläuche gegossen werde, sich aber seit der Phase der Bildungsreform substantiell nur wenig geändert habe.

Der Band basiert auf der dritten gemeinsamen Tagung des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso), Saarbrücken, des Instituts zur Erforschung sozialer Chancen (ISO), Köln, und des Landesinstituts Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs), die im September 2001 in Köln stattfand.

Walter R. Heinz, Hermann Kotthoff und Gerd Peter (Hg.): Lernen in der Wissensgesellschaft, Dortmunder Beiträge zur Sozial- und Gesellschaftspolitik 37, Münster: LIT Verlag, 2002, ISBN 3-8258-6018-3, 105 S., Euro 17.90

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