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Rheuma der Haut - Neues zur Schuppenflechte

05.08.2002 - (idw) Klinikum der Universität München

Psoriasis vulgaris, die sogenannte Schuppenflechte, ist eine Hauterkrankung, die beispielhaft den aktuellen Fortschrittsschub in der Dermatologie reflektiert. Dies betrifft das wachsende Verständnis für die Einschränkung der gesundheitsabhängigen Lebensqualität durch Hauterkrankungen ebenso wie die Fortschritte im pathogenetischen Verständnis und die daraus resultierenden therapeutischen Entwicklungen.

Mit immerhin 2 % Inzidenz in der westlichen Bevölkerung ist Psoriasis eine häufige Erkrankung, die nach ihrem Ausbruch in der Mehrzahl der Patienten lebenslang bestehen bleibt. Auch wenn sie zumeist nicht lebensbedrohlich ist, zeigen breit angelegte Studien, dass sie die Gesundheits-abhängige Lebensqualität in gleicher Intensität einschränkt wie Krebsleiden, schwere Herzinsuffizienz, Depression, Gelenksentzündungen und andere schwere medizinische Leiden. Dies wiegt umso schwerer, als der Gipfel im Erkrankungsalters bei etwa 20 Jahren liegt und die Patienten dann für den Rest ihres Lebens, also im Durchschnitt 60 weitere Jahre, durch eine psychisch und sozial extrem belastende Erkrankung in ihrem privaten und beruflichen Leben eingeschränkt sind. Entstellende Hautentzündung, wochenlange Krankenhaus- und Kuraufenthalte und oft mehrere Stunden Behandlungsaufwand täglich unterstreichen die Schwere des Krankheitsbildes, das durch die bisherigen Therapieverfahren zwar unterdrückt, aber nicht ausgeheilt werden kann: nach Therapieende kommt es in der Mehrzahl der Patienten zu einem raschen Rückfall und erneuter Behandlungsbedürftigkeit.

In den letzten Jahren häufen sich die Hinweise, dass Psoriasis eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung ist. Häufigster Auslöser sind hierbei Streptokokkeninfektionen der Mandeln (Streptokokken-Angina). Wie bei anderen Autoimmunerkrankungen kommt es auf einer polygenetischen Grundlage zu einer antigenspezifischen Aktivierung von T-Lymphozyten im Zielorgan der Erkrankung, der Haut. Diese T-Zellen produzieren Entzündungsbotenstoffe, die als Folgeerscheinungen das Krankheitsbild der Psoriasis vermitteln. Die Pathomechanismen sind in weiten Bereichen vergleichbar denen von Gelenksentzündungen - Psoriasis kann somit durchaus als Rheuma der Haut angesehen werden.

Mit den T-Zellen wurde ein zentraler Ansatzpunkt für die Entwicklung von Psoriasis-Medikamenten identifiziert und eine neue Ära in der Psoriasistherapie eingeleitet. Als Protagonist einer T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankung ist Psoriasis zur Modellerkrankung für die Entwicklung neuer T-Zell-spezifischer Medikamente geworden, die dann auch bei anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden können. Der Entwicklung dieser neuen Medikament kommt zugute, dass der therapeutische Erfolg bei Psoriasis einfach messbar ist. Anders als bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis, chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen oder der multiplen Sklerose genügt der objektivierte Anblick des Patienten für die Erfassung der Wirksamkeit eines Medikamentes. Große biotechnologisch innovative pharmazeutische Firmen wie Immunex oder Biogen konzentrieren sich daher nun auf die Entwicklung von Medikamenten, die als sogenannte Biologicals die gesteigerte T-Zell-Funktion der Psoriasis auf "natürliche Weise" unterdrücken können. Zu dieser neuen Medikamentengruppe gehören gentechnisch hergestellte Fusionsmoleküle, die zumindest teilweise menschlichen Eiweißbausteinen entsprechen. Sie greifen gezielt in die T-Zell-Aktivierung ein, indem sie Aktivierungssignale unterdrücken und Entzündungsmediatoren neutralisieren. Entsprechend den bisherigen Studienergebnissen können hierdurch oft lange Remissionen erzielt werden.

Auch wenn die Psoriasis durch sie nicht ausgeheilt wird, bieten die neuen Behandlungsverfahren künftig einfach zu applizierende, rasch und anhaltend wirksame Therapiemodalitäten, die das Leben der Psoriasispatienten erheblich verbessern werden.

Ein Teil dieser neuen Ansätze hat bereits die klinischen Prüfungen durchlaufen und befindet sich im Zulassungsverfahren. Mit ihnen wird wahrscheinlich bereits in Kürze eine technologisch hoch innovative neue therapeutische Ära am Beispiel einer schweren dermatologischen Erkrankung eingeleitet. Inwieweit sie zur realen Chance für die Patienten wird, wird nicht zuletzt auch von den Kostenträgern abhängen. Die - wahrscheinlich "teuren" - Medikamente werden volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, indem sie chronisch Kranke langfristig rehabilitieren. Solange dies aber ausschließlich in Form der Medikamentenkosten für die Krankenkassen zu Buche schlägt, wird der Widerstand gegen sie groß sein. Die Lösung dieses Dilemmas erfordert somit möglicherweise einen Wandel in der gesellschaftlichen Auffassung von Kosten und Nutzen der Therapie.

Ihr Ansprechpartner:

Professor Dr. med. Jörg Christoph Prinz
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität
Frauenlobstraße 9- 11
80337 München
Telefon 089 / 5160-6010
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