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Dem Silberschatz von Murom auf der Spur

19.04.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jena. (19.04.99) Dokumente über den größten Schatzfund orientalischer Münzen in Europa haben Wissenschaftler der Universität Jena entdeckt. Im Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients werteten sie 100 Jahre alte Versandlisten aus, aus denen hervorgeht, unter welchen Museen 1868 ein Teil der 15.000 Silbermünzen von Murom an der Oka aufgeteilt wurde; 13.000 Münzen wurden eingeschmolzen.

Darüber berichtete der Jenaer Orientalist Dr. Stefan Heidemann auf der Tagung der Oriental Numismatic Society, die sich am vergangenen Wochenende erstmals in Jena traf. 40 Forscher aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz, aus Griechenland, der Türkei, Ägypten, Usbekistan und aus den USA waren in der Saalestadt zu Gast.

"Aus den Versandlisten wissen wir sogar, daß der russische Zar 556 besonders wertvolle Dirhams aus dem Silberfund an das Orientalische Münzkabinett nach Jena geschenkt hat", berichtet Stefan Heidemann, "aber die wenigsten davon vermögen wir heute noch zuverlässig zuzuordnen." Mit Sicherheit kennen die Wissenschaftler nur noch die Daten von 761 Münzen, also sieben Prozent des Muromer Schatzes, können daraus aber die Bedeutung des Fundes herleiten. Die Münzen stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert, als an der Oka, einem Nebenfluß der Wolga noch finno-ugrische Stämme siedelten. "Murom war einer der wichtigsten Umschlagplätze für Waren und Silber aus Zentralasien nach aus Staraja Ladoga nahe Nowgorod", weiß Heidemann, "als die Ostslawen die Waldzone Rußlands besiedelten, verloren die Finno-Ugruier an Einfluß."

Weitere wichtige Erkenntnisse aus der orientalischen Münzkunde stellte der Tübinger Wissenschaftler Dr. Lutz Ilisch vor. Ilisch wies über persische Münzen des 14. Jahrhunderts eine Verbindung zwischen islamischer Kunst und chinesischer Mythologie nach. Das läßt sich aus der Bildersprache auf diesen Münzen schließen, die beispielsweise die Fabelwesen Mondhase und Sonnenrabe abbilden. Außerdem standen die Beiträge des türkischen Numismatikers Celil Ender im Mittelpunkt des Interesses, der anhand wertvoller historischer Dokumente über Münzprägung und Wirtschaftsgeschichte des Osmanischen Reiches im 15. Jahrhundert arbeitet.

Insgesamt sei die erste Jenaer Tagung der Oriental Numismatic Society sehr ergebnisreich und harmonisch verlaufen, freuen sich die beiden Gastgeber Dr. Stefan Heidemann und Tobias Mayer. Sie hoffen nun, daß auch zukünftig Jahrestreffen ihrer Fachgesellschaft regelmäßig in Jena stattfinden werden.

Die Orientalische Numismatische Gesellschaft wurde 1970 von Michael Broome in England ins Leben gerufen, um das Studium von orientalischen Münzen aller Art von Nordafrika, dem islamischen Spanien bis zum Fernen Osten hin zu fördern. Sie ist ein einzigartiger, weltweiter Zusammenschluß von Sammlern orientalischer Münzen und Wissenschaftlern gleichermaßen. Sie umfaßt ungefähr 500 Mitglieder. Es gibt fünf Regionalsekretäre für Nordamerika, Großbritannien und Irland, Europa, Südasien, Pakistan und dem "Rest der Welt". Die Orientalische Numismatische Gesellschaft basiert erfolgreich auf dem Prinzip der informellen Selbstorganisation, von Mitgliedern, die selbst die Initiative ergreifen und ihre Interessensgenossen kontaktieren.

Ansprechpartner:

Dr. Stefan Heidemann
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
Löbdergraben 24a, D-07743 Jena
Tel./Fax: 03641/944850
e-mail: x7hest@dagobert.rz.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
e-mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de
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