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Heidelberger Professoren stützen Rektor gegen den baden-württembergischen Wissenschaftsminister

21.04.1999 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Die Sprecher
der Professorengruppe Ruperto Carola
Prof. Dr. iur. Reinhard Mußgnug
Prof. Dr. med. Hans-Günther Sonntag
Prof. Dr. phil. Eike Wolgast

Der baden-württembergische Minister für Wissenschaft und Kunst VON TROTHA hat dem Rektor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Prof. JÜRGEN SIEBKE vorgeworfen, er übe an dem in der vergangenen Woche bekanntgegebenen Regierungsentwurf zur Novellierung des Landesuniversitätsgesetzes "unqualifizierte und unfaire" Kritik. Dieser Vorwurf gibt den beiden Professorengruppen RUPERTO CAROLA und SEMPER APERTUS, die ausweislich der Wahlen zum Senat und zum Großen Senat die große Mehrheit der Heidelberger Professoren vertreten, Anlaß, Rektor SIEBKE ihr uneingeschränktes Vertrauen auszusprechen. Die beiden Gruppen teilen uneingeschränkt die schwerwiegenden Bedenken, die Rektor SIEBKE gegen den
Novellierungs-Entwurf erhoben hat.

Auch wir stehen, wie Rektor SIEBKE, mit Nachdruck ein für Reformen, wie sie die Universität Heidelberg gerade in der jüngsten Vergangenheit mit beträchtlichen, weithin anerkannten Erfolgen verwirklicht hat. Aber wir bestehen auf Reformen, die der Universitätsautonomie und der Freiheit der Wissenschaft keinen Abbruch tun. Aus diesem Grunde bereiten uns die Novellierungspläne Minister VON TROTHAS ernste Sorge.

Wie Rektor SIEBKE so sehen auch wir in der Absicht des Ministers, die Universität bei der Wahl ihres Rektors an den Willen eines zu einem erheblichen Teil mit universitätsfremden Mitgliedern besetzten Hochschulrates zu binden, einen gravierenden Eingriff in das durch Art. 20 Abs. 2 der Landesverfassung gewährleistete Selbstverwaltungsrecht der Universitäten. Wie Rektor SIEBKE so verwahren auch wir uns gegen die Absicht des Ministers, den Fakultäten das Recht zur freien Wahl ihrer Dekane zu entziehen. Grund zur Besorgnis bereitet auch uns die Absicht des Ministers, der Universität einen Hochschulrat überzuordnen, dessen Mitglieder er zum Teil ohne das Einvernehmen mit der Universität selbst bestimmen möchte. Dieser Hochschulrat ist in der von dem Novellierungs-Entwurf vorgesehenen Gestalt und Zusammensetzung auch nach unserer Überzeugung eine Fehlkonstruktion. Mit ihm gerät die Universität unter die Fremdbestimmung der Politik, die mit der Freiheit der Wissenschaft und der Garantie der Hochschul-Autonomie unvereinbar ist. Die Universität wird wissenschaftsfernen Einflußnahmen unterworfen. Ihr werden die demokratischen Rechte beschnitten, auf die sie nicht verzichten kann, wenn sie ihren Aufgaben in Lehre und Forschung sachgemäß nachkommen soll.

Uns befremdet Minister von TROTHAS Versuch, der Auseinandersetzung mit den Sachargumenten der betroffenen Universitäten durch obrigkeitliche Unmutsbekundungen und die leicht zu widerlegende Behauptung auszuweichen, der Heidelberger Rektor stehe mit seinem Widerspruch gegen die Novelle allein. Wir appellieren an Minister von TROTHA, unsere reiflich überlegten Bedenken unvoreingenommen zu prüfen. Statt die freimütige Diskussion über die von ihm geplanten folgenschweren Veränderungen der baden-württembergischen Universitäten durch persönliche Angriffe abzublocken, sollte er sie aufnehmen, damit eine Reform zustande kommt, die den Universitäten unseres Landes nutzt, anstatt ihnen zu schaden.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. iur. R. Mussgnug, Friedrich-Ebert-Anlage 6-10, 69117 Heidelberg
Office: Tel. (06221) 547466, Fax (06221) 547654
privat: Tel. (06221) 436222, Fax (06221) 408309
e-mail: Reinhard.Mussgnug@urz.uni-heidelberg.de
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