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Neue Wirkstoffe in polaren Bakterien vermutet

04.05.1999 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung sind auf der Suche nach Meerwasser- und Meereisbakterien, die bioaktive Wirkstoffe produzieren. In den nächsten zwei Jahren soll die Isolierung und Kultur mehrerer vermutlich "kreativer" Bakteriengruppen aus den Polarmeeren intensiviert werden

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) sind auf der Suche nach Meerwasser- und Meereisbakterien, die bioaktive Wirkstoffe produzieren. In den nächsten zwei Jahren soll die Isolierung und Kultur mehrerer vermutlich "kreativer" Bakteriengruppen aus den Polarmeeren intensiviert werden. In Zusammenarbeit mit den Universitäten Göttingen und Tübingen sollen die Kulturen auf ihre pharmakologische Wirkung getestet und die chemische Struktur der Naturstoffe ermittelt werden.

"Aufgrund vieler immer noch schlecht therapierbarer Infektionskrankheiten und zunehmender Resistenzen bedarf es neuer antibiotischer und antiviraler Wirkstoffe oder Antitumorreagenzien," erläutert Dr. Tjhing-Lok Tan das Projekt. "Das Meer ist dabei zum neuen Hoffnungsträger geworden." Lediglich ein Prozent der dort vorkommenden Bakterien, so schätzt man, ist bekannt. An Extremstandorten sind es sogar noch deutlich weniger. Durch Anreicherung in bakteriendichten Membranfilterkammern ist es den AWI-Wissenschaftlern gelungen, Bakterien extrem nährstoffarmer Meeresgebiete zu isolieren und im Labor zu züchten. Auch in Meereisbakterien, die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und hohe Salzgehalte tolerieren, suchen die Wissenschaftler nach nützlichen Naturstoffen. "Hohe Individuendichten und starker Konkurrenzdruck lassen spezifische Schutz- und Abwehrstoffe vermuten" erläutert Dr. Elisabeth Helmke vom AWI. "Da es sich bei einer Vielzahl der Isolate um bisher unbekannte Bakterientypen handelt, hoffen wir, unter diesen auch Produzenten neuer Wirkstoffe zu finden."

Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBF) fördert das Projekt mit mehr als einer halben Million DM. Am 6. und 7. Mai 1999 werden die AWI-Wissenschaftler auf einem Statusseminar über die Projekte zum Schwerpunktthema "Marine Naturstoffe" im Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg, Frankfurt über den Fortschritt ihrer Arbeiten berichten. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung über eine neue und bisher nicht kultivierbare Bakteriengruppe ist bereits erschienen (Tan, T.L., J.H. Rüger, 1999: Enrichment, isolation and Biolog metabolic fingerprints of oligotrophic bacteria from the Antarctic Ocean. Archiv für Hydrobiologie, "Special Issues Advances in Limnology", Vol. 54, pp. 255-272).


Ein Foto zur Pressemitteilung finden Sie auf unseren Webseiten unter:
http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM1-d.html
Legende:
Das Foto zeigt in der Mitte ein retortenförmiges Bakterium (ca. 7,5 Mikrometer), an dessen Zelloberfläche deutlich eine kraterförmige Struktur zu erkennen ist. Diese Organismen gehören vermutlich in die Gruppe der knospenbildenden Bakterien der Gattung Planctomyces. Aufgrund einer Ampicillinresistenz haben diese Eubakterien keine Peptidoglycane in ihren Zellwänden. (Interferenz-Phasenkontrast-Aufnahme; Maßstab: 10 Millimeter entsprechen 2,5 Mikrometer)
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