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"Stasi-Ausstellung" im Juni in Kassel

05.05.1999 - (idw) Universität Kassel

Als erste Hochschule in Deutschland präsentiert die Universität Gesamthochschule Kassel vom 10. bis 27. Juni die Wanderausstellung "Staatssicherheit - Garant der SED-Diktatur" der "Gauck-Behörde. Diese - speziell für die alten Bundesländer konzipierte - Ausstellung vermittelt ein umfassendes Bild über Struktur, Methoden und Wirkungsweise des "Ministeriums für Staatssicherheit".
Begleitet wird die Ausstellung von acht Abendveranstaltungen, die das Thema erweitern und vertiefen, aber auch die speziellen Kenntnisse und Sichtweisen der Besucherinnen und Besucher aus den sog. alten Bundesländern berücksichtigen.

Kassel. Als erste Hochschule in Deutschland präsentiert die Universität Gesamthochschule Kassel vom 10. bis 27. Juni im Kulturhaus "Dock 4" die Wanderausstellung "Staatssicherheit - Garant der SED-Diktatur". Sie wurde vom "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik", bekannter unter dem Namen "Gauck-Behörde", erstellt. Durch Bild- und Tondokumente, Exponate, Originalakten und 100 Foto- und Textwände vermittelt diese - speziell für die alten Bundesländer konzipierte - Ausstellung ein umfassendes Bild über Struktur, Methoden und Wirkungsweise des "Ministeriums für Staatssicherheit". Von der Gründung der "Stasi" 1950 als "Schild und Schwert" der SED bis zur Zerschlagung durch die Bürgerbewegung 1989/90 wird die Geschichte dieses Geheimdienstes geschildert. Zudem ist ein Teil der Ausstellung der Arbeit der Gauck-Behörde, dem Umgang mit den Stasi-Akten nach der Wende sowie deren Nutzung durch Betroffene und die Forschung gewidmet.

Während der Präsentation in Kassel bieten Mitarbeiter der Gauck-Behörde einstündige Führungen durch die Ausstellung an. Dieses Angebot kann von Schulklassen, Besuchergruppen und Einzelpersonen in Anspruch genommen werden.

Eröffnet wird die Ausstellung am 10. Juni um 19.00 Uhr durch den Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Georg Lewandowski, und den Präsidenten der GhK, Prof. Dr. Hans Brinckmann. Dr. Peter Busse, Direktor der Gauck-Behörde, wird den Eröffnungsvortrag halten.

Begleitet wird die Ausstellung von acht Abendveranstaltungen, die das Thema erweitern und vertiefen, aber auch die speziellen Kenntnisse und Sichtweisen der Besucherinnen und Besucher aus den sog. alten Bundesländern berücksichtigen.
Dieses Begleitprogramm wird von den Mitarbeitern des Fachbereiches Gesellschaftswissenschaften der GhK, Prof. Dr. Ulrich Mayer, PD Dr. Gerhard Henke-Bockschatz und Thomas Haubrich vorbereitet und betreut.

Veranstaltungen im Begleitprogramm

Montag, 14. Juni, 19 Uhr
Prof. Dr. Heinrich Fink
"Verwicklungen und Verstrickungen"
Der Theologe und ehemalige Rektor der Berliner Humboldt-Universität - 1991 wegen Stasi-Tätigkeit entlassen - schildert in seinem Vortrag die Verwicklung eines Bürgers der DDR in das Stasi-System und die strafrechtliche Aufarbeitung nach der Wende. Fink ist seit 1998 PDS-Bundestagsabgeordneter.

Dienstag, 15. Juni, 19 Uhr
Dr. Hubertus Knabe
"Die West-Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit und ihre Wirkungen"
Hubertus Knabe behandelt in seinem Vortrag einen bislang wenig beachteten Aspekt der Stasi-Tätigkeit: Inoffizielle Mitarbeiter waren nicht nur in der DDR, sondern auch in westdeutschen Behörden, Verbänden, Parteien und auch Universitäten aktiv. Sie beschafften Informationen, nahmen politischen Einfluß, betrieben Wirtschaftsspionage, überwachten Telefone und die Post.
Knabe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gauck-Behörde.

Donnerstag, 17. Juni, 19 Uhr
Dr. Clemens Vollnhals
"Staatssicherheit und politische Justiz in der Ära Honecker"
Die politische Justiz war für die Staatsführung der DDR im Zusammenwirken mit dem Ministerium für Staatssicherheit ein wichtiges Instrument zur Abschreckung und Niederhaltung von Widerstand, zur Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen. Oftmals wurde direkter Einfluß auf Urteile genommen - bis hin zur Verhängung der Todesstrafe.
Vollnhals ist Stellvertretender Direktor am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden und war bis 1998 Mitarbeiter der Gauck-Behörde.

Sonntag, 20. Juni, 19 Uhr
Eva-Maria Hagen
"Eva und der Wolf" - Eine Lesung mit Liedern
Eva-Maria Hagen, eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der DDR, beginnt 1965 eine langjährige Beziehung mit dem verfemten Liedermacher Wolf Biermann. Ein Jahr nach Biermanns Ausbürgerung 1976 wird auch sie aus der "Staatsbürgerschaft der DDR entlassen" und folgt ihm in den Westen.
Eva-Maria Hagen wird aus ihrem Buch "Eva und der Wolf" lesen, das durch ihren Briefwechsel mit Biermann, Tagebuchaufzeichnungen und Stasi-Spitzelberichte ein "Sittenbild der DDR, lebendig, verrückt privat und ohne alle Phrasendrescherei politisch" entstehen läßt.
Von Eva-Maria Hagen vorgetragene Lieder werden das Programm abrunden.
Eintritt 14 DM, ermäßigt 10 DM
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Vaternahm

Dienstag, 22. Juni, 19 Uhr
Dr. Ehrhart Neubert
"Zwei Wenden - ein Vergleich. Zum Umgang mit der jüngsten Vergangenheit in Südafrika und Deutschland"
Die Form des Umgangs mit der DDR-Geschichte ist auch gegenwärtig noch heftig umstritten: Ist der immer wieder geforderte "Schlußstrich" angebracht oder muß die Aufarbeitung weitergehen, auch um den Opfern gerecht zu werden? Ehrhart Neubert stellt einen Vergleich an mit Südafrika nach dem Fall des Apartheid.
Neubert ist Fachbereichsleiter der Forschungsabteilung der Gauck-Behörde, war Mitarbeiter im "Stolpe-Untersuchungsausschuß" des Brandenburger Landtages und ist Mitautor des "Schwarzbuch des Kommunismus".

Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr
Klaus Bölling
"Die Wahrnehmung der DDR aus westdeutscher Sicht"
Klaus Bölling, ehemaliger Sprecher der Bundesregierung und Anfang der 80er Jahre Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR, wird über die Sicht eines Westdeutschen auf die DDR-Gesellschaft, die Repressionen, aber auch die Nischen im Alltagsleben der Menschen berichten. In seinem Vortrag wird er auch die Frage behandeln, ob und wie die bundesdeutsche Wahrnehmung der DDR durch die Erkenntnisse seit 1989 einer Revision unterzogen werden muß.

Donnerstag, 24. Juni, 19 Uhr
Bernd Eisenfeld
"Möglichkeiten und Grenzen widerständigen Verhaltens in der DDR nach 1961"
Auch über den Aufstand vom 17. Juni 1953 hinaus hat es in der DDR immer oppositionelle politische Gruppen oder Einzelpersonen gegeben. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Versuche von Widerstand nach dem Mauerbau, die letztlich aber immer wieder durch die Allgegenwart des Regimes an ihre Grenzen stießen.
Eisenfeld war in der kirchlichen Friedensbewegung in Halle aktiv. 1975 siedelte er nach West-Berlin über. Seit 1992 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gauck-Behörde.

Sonntag, 27. Juni, 19.30 Uhr
"Komm in den Garten" - Filmvorführung
Der Film erzählt die Geschichte dreier Freunde, die zu Opfern der DDR-Gesellschaft wurden. "In dieser Tragikomödie wird das Scheitern einzelner und einer ganzen Gesellschaft gezeigt, aber trotzdem humorvoll behandelt" (taz, Berlin)
Nach der Vorführung besteht die Möglichkeit zur Diskussion mit dem Regisseur Jochen Wisotzki.
Veranstaltungsort: Filmladen Kassel, Goethestr. 31
Eintritt 11 DM, ermäßigt 10 DM
In Zusammenarbeit mit dem Filmladen Kassel e.V.


Organisatorisches
Ausstellungsort: Turnhalle im Kulturhaus "Dock 4", Untere Karlsstr. 4 in Kassel
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10 - 18 Uhr, Sa. u. So. 11 - 17 Uhr.

Die Eröffnungsveranstaltung, die Vorträge sowie die Lesung finden im Veranstaltungssaal im "Dock 4" statt.
Eintritt zur Ausstellung, Teilnahme an Führungen, Besuch der Vorträge kostenfrei.
Ein Faltblatt mit den ausführlichen Veranstaltungshinweisen ist erschienen.

Informationen zu Ausstellung, Führungen und Begleitprogramm:
Thomas Haubrich, Tel. 0561/804-3641


Hinweis für Pressevertreter:
Am 10. Juni wird um 14.00 Uhr eine Pressekonferenz im Kulturhaus "Dock 4" durch-geführt. Gesprächspartner sind der Direktor der Gauck-Behörde, Dr. Busse, und die Organisatoren des Begleitprogramms. Es besteht zudem die Möglichkeit der Ausstellungsbesichtigung.
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