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Demotivierende Unternehmenskultur als Ursache für Ärztemangel in Krankenhäusern

07.08.2002 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Centrum für Krankenhausmanagement empfiehlt Orientierung an Managementmethoden aus der Wirtschaft

Münster/Gütersloh, 7. August 2002. Der wachsende Ärztemangel in Deutschland ist auch auf die oftmals unzureichende Unternehmenskultur in den Krankenhäusern zurückzuführen. Auf diesen unmittelbaren Zusammenhang weist das Centrum für Krankenhausmanagement (CKM) hin, das von der Bertelsmann Stiftung und der Universität Münster getragen wird. Mangelhafte Organisation, strenge Hierarchien, eine kaum zu bewältigende Arbeitsdichte, schlechte Verdienstmöglichkeiten sowie ständige Differenzen innerhalb und zwischen den Berufsgruppen im Krankenhaus seien die Hauptursache für die nachlassende Attraktivität des Arztberufes, sagte der Geschäftsführer des CKM, Prof. Wilfried von Eiff, nach einem Exper­tenworkshop zum Thema "Unternehmenskultur im Krankenhaus". Deutsche Kliniken hätten in den vergangenen Jahren kaum eine Möglichkeit ausgelassen um gerade junge Ärzte zu demotivieren, so die Meinung der Expertenrunde.

Von Eiff verwies darauf, dass der Wettbewerb um qualifizierte Ärzte in Deutschland erst be­gonnen habe. Bereits im Jahr 2001 hätten 2000 Arztstellen nicht besetzt werden können. Zwi­schen 1994 und 2000 sei die Zahl der Approbationen um 22 Prozent zurückgegangen. Bis zum Jahr 2010 würden allein rund 22.000 Hausärzte ihren Beruf aufgeben. Bedingt durch die desolaten Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern seien schon heute rund 40 Prozent der Medizinstudenten sicher, nach dem Examen nicht in einer Klinik arbeiten zu wollen, sagte von Eiff. Bevorzugt würden Aufgaben in der Industrie, im medizinischen Dienst oder im Krankenhaus-Management. Viele junge Ärzte wanderten ins Ausland ab; vor allem nach Schweden, England, Australien oder USA.

In dieser Situation werde der Faktor "Unternehmenskultur" immer wichtiger. Anreiz- und Vergütungssysteme mit fixen und variablen Leistungsbestandteilen könnten das Krankenhaus als Arbeitgeber wieder deutlich attraktiver machen, erklärt der Geschäftsführer des CKM. Auch neue bedarfsgerechte Organisations-, Führungs-, Controlling- und Steuerungsin­strumente könnten neue Mitarbeiter anziehen und bisherige Arbeitnehmer an das Kranken­haus binden.

Eine partnerschaftliche Unternehmenskultur verbessere auch die medizinische Qualität in den Krankenhäusern. Entscheidend für das Wohlbefinden der Patienten sei nicht nur das Behand­lungsergebnis, ebenso wichtig sei die so genannte Sozialqualität. Dazu gehöre vor allem die kollegiale und harmonische Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen. Für Patienten und Angehörige sei dies der wichtigste Maßstab zur Beurteilung der Qualität im Krankenhaus, so von Eiff, der sich bei seinen Aussagen auf eine vom CKM durchgeführte Studie stützt. "Deut­schen Krankenhäusern steht ein "War for Talents", ein Wettbewerb um qualifizierte Ärzte bevor, der für die ökonomische Überlebensfähigkeit in diesem hart umkämpften Gesundheitsmarkt letztlich zum so genannten "Zünglein an der Waage" wird", resümiert
Professor von Eiff.

Rückfragen an: Prof. Wilfried von Eiff, Telefon: 0 251 / 83-31440
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