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Profilbildung und Differenzierung - Die Fachhochschulen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

14.05.1999 - (idw) Wissenschaftsrat

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Dr. Winfried Schulze, hat anläßlich der Jahrestagung der Mitgliedsgruppe der Fachhochschulen in der Hochschulrektorenkonferenz am 14. Mai 1999 in Bad Wiessee einen Vortrag zum Thema "Profilbildung und Differenzierung - Die Hochschulen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert" mit folgenden Kernaussagen gehalten.

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu den Fachhochschulen in den 90er Jahren sind auf fruchtbaren Boden gestoßen. Die dort formulierten Leitlinien zum Aufbau neuer fachlicher Schwerpunkte in den traditionellen Fachgebieten, zur fachlichen Erweiterung an den Rändern des bisherigen Fächerspektrums und zur Verstärkung des Engagements für integrierte Auslandsstudiengänge haben nahezu flächendeckend zu neuen attraktiven Studienangeboten geführt. - Welche hochschulpolitischen Herausforderungen aber liegen nun vor den Fachhochschulen?

Die Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) mit ihrer Öffnung zur Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen unterstreicht die Bedeutung einer Entwicklung, die für deutsche Hochschulen bereits vorher eingesetzt hat: nämlich die Abschlüsse international kompatibel zu gestalten. Würde sich die Entwicklung neuer Studienabschlüsse allerdings lediglich auf den Austausch von Etiketten beschränken, wäre eine große Chance verpaßt und eine dringende Gestaltungsaufgabe zur Studienreform versäumt. Die Öffnung des HRG ist das sichtbare Signal dafür, daß sich das Hochschulsystem insgesamt von den beiden Hochschularten zugeschriebenen Standardaufgaben weg und zu einem System hin bewegt, in dem der Status der einzelnen Hochschule durch spezifische Angebots- und Leistungsprofile im Wettbewerb mit anderen Hochschulen bestimmt wird. Wenn die Fachhochschule ihrem Anspruch gerecht wird, eine University of Applied Sciences zu sein oder zu werden, muß sie sich mit den international weitgehend anerkannten Abschlüssen und den neuen Gestaltungsmöglichkeiten im Lichte veränderter Qualifikationsanforderungen des Beschäftigungssystems auseinanderzusetzen.

Zu einer realistischen Zukunftsperspektive gehört die Einsicht, daß ebenso wie im Universitätsbereich auch im Bereich der Fachhochschulen eine deutliche Differenzierung nach Profil und Leistung eintreten wird. Damit verbindet sich auch die Erwartung, daß sich mehr Fachhochschulen für duale Studienangebote öffnen und damit die Reichweite des Hochschulbereichs ausgeweitet und seine Vielfalt vergrößert wird. Es ist durchaus eine Bereicherung, wenn dort, wo wirklich leistungsfähige Schwerpunkte im Bereich von Forschung und Entwicklung bestehen oder aufgebaut werden können, daran anknüpfende Master-Programme angeboten werden können. Der Realitätssinn gebietet es, daß sich nicht in jeder Fachhochschule und in jedem Fachbereich solche Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung bilden lassen.

Abschließend machte Schulze darauf aufmerksam, daß gegenwärtig rund 1.200 Stellen und vergleichbare Arbeitsverträge an Fachhochschulen über das Hochschulsonderprogramm (HSP) III finanziert werden, die mit dessen Auslaufen Ende des nächsten Jahres gefährdet sind. Er richtete deshalb an die Politik den dringenden Appell, unabhängig von der Frage einer grundsätzlichen Fortsetzung des Programms sich dieser Problematik im Fachhochschulbereich mit besonderer Dringlichkeit anzunehmen. Ein Wegfall dieser Personal- und damit Ausbildungskapazität wäre ein herber Rückschlag. "Die Fachhochschulen können dann nicht mehr die Leistungen erbringen, die ihnen", so Schulze, "bei entsprechenden Rahmenbedingungen möglich sind."

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Hinweise:
Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung sowie des Hochschulbaus.

Bestellungen des Vortragsmanuskripts per E-mail sowie Belegexemplare von Artikeln darüber erbeten an: Dr. Dietmar Goll (goll@wrat.de)
Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates, Brohler Straße 11, 50968 Köln
Telefon: 0221/3776 - 269, Telefax: 0221/38 84 40
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