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Menschengerechte Gestaltung der HSC-Bearbeitung

27.05.1999 - (idw) Universität Kassel

Wie die Gefahren der HSC-Technologie (High Speed Cutting) unter dem Aspekt einer sicherheitsgeserechten Arbeitsgestaltung vermieden werden können, war die Fragestellung, mit dem sich das jetzt abgeschlossene Forschungsvorhaben "ARGUS - Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung" von 1995 bis 1999 beschäftigt hat.
Das Ergebnis: Von der sicherheitstechnisch verbesserten Maschinenkonstruktion über Schutzwandkonzepte zum Abfangen von Splittern bis hin zur Arbeitsorganisation und besseren Qualifizierung liegt jetzt ein Bündel von Empfehlungen, Hinweisen und Schulungsmaterialien vor, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern.

Kassel. Präziser, preiswerter, schneller - das sind die Vorteile einer neuen Technologie, die in vielen Betrieben des Automobil- und Werkzeugmaschinenbaus und der Luftfahrttechnik u.a. zur schnelleren und präzisieren Herstellung von Motorblöcken und Zylinderköpfen Einzug gehalten hat: Vorteile, die Industrie und Verbraucher gerne nutzen. Aber die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung mit HSC-Technologie (High Speed Cutting) kann auch Schattenseiten haben. So können die fünf- bis zehnfach höheren Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe, verglichen mit den herkömmlichen CNC-Technologien (Computerized Numerical Controll), im Störungsfall zu einer erheblichen Gefährdung des Maschinenpersonals und für die Maschine selbst führen. So können selbst kleinere Bruchstücke, die sich von einem beschädigten Werkzeug lösen, geschoßartig wirken und die Beschäftigten in der Maschinennähe schwer verletzen und Maschinenschäden verursachen.

Fachübergreifend Lösungen erarbeitet
Wie die Gefahren dieser Technologie unter dem Aspekt einer sicherheitsgeserechten Arbeitsgestaltung vermieden werden können, war die Fragestellung, mit dem sich das jetzt abgeschlossene Forschungsvorhaben "ARGUS - Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung" von 1995 bis 1999 beschäftigt hat. Das Ergebnis: Von der sicherheitstechnisch verbesserten Maschinenkonstruktion über Schutzwandkonzepte zum Abfangen von Splittern bis hin zur Arbeitsorganisation und besseren Qualifizierung liegt jetzt ein Bündel von Empfehlungen, Hinweisen und Schulungsmaterialien vor, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern. Praxisnah und für Hersteller, Prozeßplaner und Maschinenarbeiter anwendbar, haben die beteiligten Wissenschaftler aus sechs namhaften ingenieurwissenschaftlichen und arbeitswissenschaftlichen Instituten ihre Forschungsergebnisse in einer Buchreihe zu Papier gebracht. Die beteiligten Wissenschaftler haben in dem fachübergreifenden Verbund-Forschungsprojekt aus unterschiedlichen Blickwinkeln ihre Kenntnisse zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes unter arbeitswissenschaftlicher und technischer Perspektive bearbeitet und in Lösungsansätze integriert.

Kasseler Institut koordinierte Projekt mit sechs Hochschulen
Der Forschungverbund ARGUS wurde durch den Projektträger Arbeit, Umwelt, Gesundheit mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, durch die Arbeitsgemeinschaft der Metallberufsgenossenschaften und verschiedene Industrieunternehmen gefördert. Die Fördersumme für den Gesamtverbund betrug 3,2 Millionen Mark. Dieser Forschungsverbund bestand aus sechs Teilprojekten, die von Maschinenbau-Wissenschaftlern der Technischen Universitäten Berlin, Darmstadt, Aachen und der Fachhochschule Zwickau sowie den Arbeitswissenschaftlern der TU Chemnitz und der Uni Kassel bearbeitet wurden. Das Projekt wurde von dem GhK -Institut für Arbeitswissenschaft (Dr. Thomas Vollmer und Prof. Dr. Hans Martin) koordiniert und die Fördermittel federführend eingeworben.

Gestaltungsempfehlungen für Maschineneinsatz und Qualifizierungskonzept von GhK-Wissenschaftler
Vom Institut für Arbeitswissenschaft der Universität Gesamthochschule Kassel wurde zudem "Empfehlungen für die Gestaltung des HSC-Einsatzes" erarbeitet, die sich sowohl an Planer als auch an alle an und mit der Maschine arbeitenden Menschen wenden. Diese basieren auf vorhergehenden intensiven Fallstudien in Betrieben, die bereits mit HSC-Werkzeugmaschinen arbeiten und haben diese für die Verbesserung des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes aufgearbeitet. Ein eigens entwickeltes Qualifizierungskonzept hilft nun dabei, die Veränderungen beim Umgang mit HSC-Maschinen gegenüber herkömmlichen CNC-Methoden zu vermitteln und das Gefahren- und Sicherheitsbewußtsein insbesondere der Maschinenarbeiter zu fördern. Zusätzlich zu den didaktischen Hinweisen und den Informations- und Arbeitsblättern, die auch schon in den Berufsschulen eingesetzt werden können, wurde ein Videofilm produziert, der wichtige Zusammenhänge veranschaulicht.

Forschungsergebnisse in zehnbändiger Buchreihe zusammengefaßt
Die Ergebnisse aller Teilprojekte aus sechs Hochschulen werden derzeit in einer zehnbändigen Buchreihe des ARGUS-Verbundes veröffentlicht; davon dokumetieren allein fünf Bände die Forschungsergebnisse der Kasseler Arbeitswissenschaftler Vollmer, Martin u. a.:
· Durchführung betrieblicher Fallstudien zu den Veränderungen der neuen HSC-Technologie in Anwenderbetrieben (Band 2 der ARGUS-Buchreihe);
· Erarbeitung von Gestaltungsempfehlungen für den menschengerechten Einsatz der HSC-Technologie in der betrieblichen Praxis einschließlich Checklisten (erscheint in Kürze als ARGUS-Band 8);
· Zusammenstellung eines Überblicks über CNC-Steuerungen und CAD/CAM-Systeme für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung und Checklisten für die Auswahl (erscheint in Kürze als ARGUS-Band 9);
· Erarbeitung eines Qualifizierungkonzeptes, einschließlich Schulungsunterlagen (erscheint in Kürze als ARGUS-Band 10) sowie die
· Produktion eines 20-minütigen Videofilms "Sicherer Einsatz der HSC-Technologie" (1998 fertiggestellt) einschließlich eines gleichnamigen Begleitheftes und zusätzlichen
· Dozenten- und Teilnehmerunterlagen in Form von Arbeitsmappen.

Der ARGUS-Verbund präsentierte erste Ergebnisse am 19. September 1997 im Rahmen des 1. Kasseler Kolloquiums. Eine öffentliche Abschlußpräsentation fand am 23. Februar 1999 am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU Berlin vor zahlreichen Vertretern aus Wissenschaft und Industrie statt.

Sicherer Einsatz der HSC-Technologie - Videofilm für die Qualifizierung
Im Rahmen des ARGUS-Verbundes wurde vom Institut für Arbeitswissenschaft der Universität Gesamthochschule Kassel der Videofilm Sicherer Einsatz der HSC-Technologie produziert, der speziell für Schulungsmaßnahmen konzipiert wurde. In diesem Film werden am Beispiel der HSC-Anwendung im Werkzeug- und Formenbau wichtige Aspekte eines sicheren und beeinträchtigungsfreien Einsatzes der Technologie dargestellt. Anhand der Tätigkeiten "Programmierung", "Werkzeugmontage", "Fertigungsüberwachung" und "Instandhaltung" werden HSC-spezifische Gefahren gezeigt und Hinweise für ein sicherheitsgerechtes Arbeitshandeln gegeben.
Der Film wendet sich an alle, die mit der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung in Berührung kommen, vor allem aber an diejenigen, die unmittelbar mit der Technologie befaßt sind. Das betrifft die für die Maschinenbeschaffung und Fertigungsplanung Verantwortlichen ebenso wie die Beschäftigten in der HSC-Fertigung - von der Programmierung über die Werkzeugmontage und Fertigungsüberwachung bis hin zur Wartung und Instandhaltung. Sie müssen sich bei ihren Tätigkeiten der Gefahren bewußt und zu sicherheitsgerechtem Verhalten motiviert sein. Die filmische Veranschaulichung soll dazu beitragen, die Beschäftigten zu befähigen, den Arbeits- und Gesundheitsschutz bei allen Arbeitshandlungen zu berücksichtigen - sowohl bei der Fertigungsplanung als auch während der laufenden Produktionsprozesse.
Der Videofilm hat eine Länge von 21 min und wird ergänzt durch ein 32-seitiges Begleitheft, das ergänzende Informationen zum Thema und weiterführende Literaturhinweise enthält.

Sowohl der Videofilm mit Begleitheft (Preis: 39,20 Mark) als auch die Buchreihe sind über den Buchhandel oder direkt beim Verlag "Institut für Arbeitswissenschaft", Universität Gesamthochschule Kassel, Heinrich-Plett-Str. 40, 34109 Kassel, Tel. (0561) 804-4121, Fax: -4162
Annette Ulbricht-Hopf/p

Kontakt und weitere Information:
Dr. Thomas Vollmer
Universität Gesamthochschule Kassel
Fachbereich Elektrotechnik - Fachgebiet Berufs- und Fachdidaktik
Wilhelmshöher Allee 73
34121 Kassel
Tel.: (0561) 804-6530 Fax: (0561) 804-6030
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