Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 26. November 2014 

Junge Verbraucher in Europa

31.05.1999 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Empirische Studie über Konsum- und Umweltverhalten von Kindern und Jugendlichen erschienen

Ökonomie setzt voraus, daß knappe natürliche Ressourcen in Konsumgüter umgewandelt werden, die mehr oder weniger heftig von den Menschen begehrt werden. Laut zweitem Satz der Thermodynamik, dem Entropiegesetz, ist dieser Wirtschaftsprozeß nicht mehr rückgängig zu machen. Die Natur bleibt was sie ist; verbraucht! Konsum- und Umweltverhalten können sich deshalb eigentlich nur ausschließen und "umweltbewußtes Konsumverhalten" gehört ins Reich der Utopie.

Julia Fauth hat in ihrer am Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie an der Landwirtschaftlichen Fakultät eingereichten Dissertation dieses Paradoxon im Verhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Angesichts der wirtschaftlichen Nachfragekraft von 30 Milliarden Mark im Jahr allein in Deutschland fragt die Autorin nach den Faktoren der Konsumsozialisation dieser Gruppe und inwieweit sie sich bei ihren Kaufentscheidungen durch umweltrelevante Gesichtspunkte beeinflussen lassen.

Julia Fauth führte eine empirische Untersuchung in allen fünfzehn Ländern der Europäischen Union (EU) durch, um die zum Teil sehr umstrittenen Thesen in der einschlägigen Literatur zu überprüfen. Ausgangsbasis für die schriftliche Befragung waren Teilnehmer am EU-Wettbewerb "Junge Verbraucher in Europa", der 1996 von der EU-Kommission initiiert wurde und an dem Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren (meist ganze Schulklassen) teilnahmen. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ökologische Vor- und Nachteile eines selbst gewählten Produktes Gleichaltrigen vorzustellen, mit dem Ziel, diese für die Umweltthematik zu sensibilisieren. (Kartoffelchips wurden bei diesem Wettbewerb übrigens als umweltschädigendes Produkt Nummer eins geoutet!) Diesen Wettbewerbsteilnehmern, zusätzlich dazu noch fünf Kontrollgruppen, wurden 3307 Fragebögen zugeschickt. 54% davon kamen zurück.

Die Ergebnisse der Studie sind zum Teil verblüffend. Wurde im Themenkomplex "Umwelt" stark emotional mit Angst und pessimistischen Zukunftsperspektiven reagiert, mit dem unterschwelligen Vorwurf, die Erwachsenen verschärften die Probleme nur, stellte sich andererseits beim Punkt "Konsum" heraus, daß da die üblichen Kosten-Nutzen-Kriterien wie bei der Elterngeneration fest verwurzelt sind. Taschengeld samt Nebeneinkünften wie Geldgeschenke und Jobs wird richtiggehend verwaltet, gespart und gezielt als Mittel des Prestiges eingesetzt. Zwar gibt es kultur- und geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Taschengeldes in den 15 untersuchten EU-Ländern: woher es stammt, wie es ausgezahlt und wofür es ausgegeben wird. Einen Punkt haben alle gemeinsam: Umweltbewußtsein hat mit Konsum so gut wie nichts zu tun. Faktoren der Kaufentscheidung sind Markenname, Preis oder Qualität, nicht schonende Herstellung oder geschlossener Stoffkreislauf. Umweltbewußsein ist etwas für die anderen, für die Industrie zum Beispiel. Die Untersuchten gaben zu, selbst bei der Hausmülltrennung nicht gerade mit Begeisterung dabei zu sein!

Julia Fauth zieht aus ihrer Untersuchung angesichts des Auseinanderklaffens von theoretischer Einsicht und praktischem Konsumverhalten die Schlußfolgerung, daß eine verstärkte Umwelterziehung in Familie und Schule nötig wäre, da das Umweltverhalten der nachfolgenden Generationen primär von diesen Faktoren abhängig ist.


Fauth, Julia: Junge Verbraucher in Europa: Konsum- und Umweltverhalten von Kindern und Jugendlichen im 15-Länder-Vergleich. Eine empirische Studie Witterschlick/Bonn; Wehle, 1999 (= Bonner Studien zur Wirtschaftssoziologie; Bd. 12) Zugl. Bonner Univ. Diss., 1999 ISBN 3-89573-087-4

Weitere Informationen:
Julia Fauth, Diplom-Oecotrophologin, Tel. 0611-9545878 oder 0228-73 3546


World Wide Web: http://aix3.verwaltung.uni-bonn.de/presse/presse.htm
uniprotokolle > Nachrichten > Junge Verbraucher in Europa

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/49804/">Junge Verbraucher in Europa </a>