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Kooperation für Entwicklung der Rehabilitation in Ostfriesland

09.08.2002 - (idw) Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven

Am 9. September 2002 unterzeichneten die Fachhochschule und das Hans-Susemihl-Krankenhaus einen Kooperationsvertrag. Diese Vereinbarung sieht vor, dass beide Partner in den nächsten Jahren in der Ausbildung von Physiotherapeuten und in der klinischen Forschung eng zusammenarbeiten.

Mit Beginn des kommenden Wintersemesters 2002/3003 wird der Studiengang "Physiotherapie" mit 20 Studienplätzen pro Jahr angeboten. Dieses Studium schließt mit dem international anerkannten Bachelor-Examen (B.Sc.) ab.
Studieren können examinierte Physiotherapeuten, die eine Hochschulzugangsberechtigung besitzen. Das Studium wird an der Fachhochschule am Standort Emden sowie im Hans-Susemihl-Krankenhaus stattfinden.

Neben diesem neuen Studienangebot wird ab dem kommenden Semester am Standort Emden ein Schwerpunkt angewandter Forschung und Entwicklung eingerichtet. Das Thema des Schwerpunktes lautet: ´Entwicklung von Modellen und Standards in der Rehabilitation von Patienten mit motorischen Störungen´. Wegen dieser Thematik werden insbesondere die Neurologische und die Unfallchirurgische Abteilung auf Seiten des Krankenhauses mitarbeiten.
Es ist vorgesehen, dass Patienten mit Bewegungsstörungen z. B. nach Schlaganfällen, Operationen und anderen neurologischen Erkrankungen eine noch bessere physiotherapeutische Rehabilitation angeboten werden kann als dies bisher der Fall ist. Dazu werden neben noch einzustellendem Personal auch die bereits praxiserfahrenen Physiotherapie-Studenten beitragen.

Von acht Anträgen aus ganz Niedersachsen zur Einrichtung von Forschungsschwerpunkten in diesem Bereich bewilligte das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur nur zwei. Neben Braunschweig bekam die FH am Standort Emden den Zuschlag. Die Laufzeit des Forschungsschwerpunktes beträgt 5 Jahre. Das Vorhaben wird aus Fördermitteln des Niedersächsischen Vorab der VW-Stiftung mit 785.000 Euro finanziert. Etwa 30.000 Euro steuert das Hans-Susemihl-Krankenhaus in Form von Sachmitteln bei.

Für das Studium der Physiotherapie als Teil des Studienbereichs "Gesundheit" sind dem Fachbereich Sozialwesen zusätzliche Professorenstellen zuerkannt worden. Davon wird eine mit der Diplom-Motologin und Sportwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Ruth Haas von der Universität Marburg zum 01.09.2002 besetzt. Die Berufungsliste für eine weitere Stelle "Recht im Gesundheitswesen" liegt dem Ministerium bereits vor. Im kommenden Jahr sollen noch zwei weitere Professorenstellen besetzt werden.

Mit dem Studium der Physiotherapie ist ein neues und neuartiges Ausbildungsangebot für nichtärztliche Heil- und Pflegeberufe geschaffen worden. Es hat Pilotfunktion für weitere Ausbildungs-Angebote (z. B. Ergotherapie, Gesundheitspädagogik), die noch in der Planung sind.
Mit der Kooperation mit dem Hans-Susemihl-Krankenhaus erhalten die Studierenden exzellente Rahmenbedingungen für den studienpraktischen Teil. Mit dem Forschungsschwerpunkt wird darüber hinaus die Gelegenheit angeboten, forschungsbezogen, gemeinwesen- und wirkungsorientiert die Anwendungspraxis zu erproben und zu beurteilen.
Die Gesamtstruktur des Forschungsschwerpunktes ist in Emden in einer kreisfreien Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern in einem weitläufigen ländlichen Raum angesiedelt. Emden ist ein Mittelpunkt in Ostfriesland, der in der medizinischen Akutversorgung der Weser-Ems-Region durch das Hans-Susemihl-Krankenhaus tragende Funktionen für die Region übernommen hat. Im Hinblick auf die über die akute Behandlung hinausweisende Rehabilitation gibt es jedoch derzeit eine Unterversorgung. Eine Vielzahl von Patientinnen und Patienten wird zur Rehabilitation in die Zentren Oldenburg und Wilhelmshaven oder noch weiter entfernt liegende Einrichtungen geleitet.

Die Zahlen zeigen, dass in schwach besiedelten ländlichen Räumen die Rehabilitation bisher völlig unzureichend wahrgenommen wird. So liegt beispielsweise in Emden die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten lediglich bei ca.10 % im Vergleich zu einem Bundesdurchschnitt von ca. 25 %. Diese Unterversorgung hat unmittelbare Folgen für die Lebensqualität der Patienten.
Ferner ist unter dem Gesichtspunkt der Versorgung einer Region mit einem zunehmenden Anteil alter und sehr alter Menschen, die bekanntlich besonders häufig an Bewegungsstörungen und deren Folgen leiden, ein dringender Bedarf an Reha-Konzeptentwicklung auf der Basis praxisbezogener Forschung notwendig. Die Arbeit des Forschungsschwerpunktes will hier zur Verbesserung der Versorgung beitragen.

Auf der Seite des Hans-Susemihl-Krankenhauses sind die beiden Chefärzte Prof. Dr. med. Büttner und Dr. med. Hirthe federführend. Seitens der Fachhochschule sind Prof. Dr. med. Schaub als Sprecher des Forschungsschwerpunktes sowie Frau Prof. Dr. phil. Haas als Co-Sprecherin und Prof. Dr. rer. pol. Ohlenburg als Verantwortlicher für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Vorhabens zuständig.

Folgende Teilprojekte sind vorgesehen:
Teilprojekt A (Prof. Dr. Schaub)
· versucht interdisziplinäre arbeitsteilige Teamarbeit mit Ärzten, Sozialarbeitern und Physiotherapeuten ggf. Medizintechniker sowie Ergotherapeuten und anderen Gesundheitsberufen zu erproben. Dabei werden die modellhaft typische Rehabilitationsprozesse entwickelt und durchführt.

Teilprojekt B (Prof. Dr. Haas)
· entwickelt an Hand der physiotherapeutischen und motologischen Praxis im Schwerpunkt sowie bereits vorhandener Modelle eine 'Integrierte Theorie und Anwendungspraxis der Physiotherapie´.
Teilprojekt C (NN)
· unterstützt und begleitet aus rechtlicher Sicht die innovativen Rehabilitationsprojekte.
Teilprojekt D (Prof. Dr. Ohlenburg) ist ein Querschnittsprojekt und hat die Aufgabe
· eine Begleitforschung und Evaluation des Forschungsverbundes vorzunehmen.

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Alex Schaub
Tel.: (01 80) 56 78 07 - 12 45
E-Mail: schaub@perseus.fho-emden.de
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