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Internet revolutioniert Sozialforschung

09.08.2002 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Der Nürnberger Wissenschafter Dr. Bernad Batinic, Assistent am Lehrstuhl für Psychologie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, hat gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Mannheim und Zürich eine neues Forschungsprojekt zu den "Online Social Sciences" durchgeführt. Der englischsprachige Sammelband mit Beiträgen von 33 Autoren gibt einen umfassenden Überblick über Einsatzmöglichkeiten des Internet in der Sozialforschung.

Per Telefon, Post und auf der Straße befragen Sozialwissenschaftler Menschen zu den unterschiedlichsten Themen. Der Wissensdurst der Forscher ist schier unerschöpflich. "Fahren Sie lieber mit dem Zug oder mit dem Auto in den Urlaub?", "Haben Sie eine glückliche Partnerschaft?", "Wie sicher ist Ihr Arbeitsplatz?". Zu jedem sozialwissenschaftlichen Forschungsfeld existieren scheinbar unzählige Fragen, die es zu beantworten gilt. Die Erhebung der Antworten erfolgt per Befragung, Beobachtung oder mit Hilfe von Experimenten. Dies ist aufwendig, zeitintensiv und mit hohen Kosten verbunden. "Häufig stehen Wissenschaftler vor dem Problem sich entscheiden zu müssen, welche Fragen sie sich, bei knappen Budgets, leisten können", betont Dr. Bernad Batinic, wissenschaftlicher Assistent an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Da werden bewusst Einbußen in der Qualität in Kauf genommen."

Das von Batinic gemeinsam mit Michael Bosnjak aus Mannheim und Ulf-Dieter Reips aus Zürich herausgegebene Buch "Online Social Sciences" verspricht hier Abhilfe. Detailliert werden Möglichkeiten erläutert, wie sozialwissenschaftliche Forschung künftig im Internet durchgeführt, sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethoden auf das Internet übertragen werden können - von Online-Fragebögen über WWW-Experimente bis zu Beobachtungen in virtuellen Welten. Aber das Internet dient nicht nur als Ersatz für die klassische sozialwissenschaftliche Methodik. Auch ganz neue Verfahren werden analysiert: Beispielsweise kleine Softwareprogramme,"Bots" genannt, die eigenständig Online-Interviews mit Menschen durchführen. "Setzt man bei Befragungen das Internet ein, entsteht in der Regel nur ein Bruchteil der sonst üblichen Kosten", so Batinic.

Brücke für die internationale Online-Forschung
Am Sammelband mitgewirkt haben 33 Wissenschaftler aus den USA und aus deutschsprachigen Ländern. "Das Buch soll Brücken zwischen den englisch und deutschsprachigen Online-Forschern bauen", so der Psychologe Michael Bosnjak. "Hinken sonst viele wissenschaftliche Disziplinen dem Forschungstempo in den USA hinterher, ist dies in diesem jungen Forschungsfeld nicht der Fall." Da aber ein Großteil der Forscher ihre Ergebnisse vorwiegend in Deutsch publiziert, sind die europäischen Aktivitäten vielen US-amerikanischen Forschern zu wenig bekannt. "Ich kenne zwar Online-Forscher in den USA, die Deutsch lernen, um unsere Arbeiten lesen zu können, doch ist das die Ausnahme. Daher war es äußerst wichtig, mit dem Online Social Sciences Buch mehr Transparenz zu schaffen", resümiert Batinic.
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