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Zwei Jahre "Grammatisches Telefon" an der Universität Potsdam

09.06.1999 - (idw) Universität Potsdam

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09.06.1999

Viel Zuspruch in der Öffentlichkeit
Zwei Jahre "Grammatisches Telefon" an der Universität Potsdam

Die Sprachberatungsstelle "Grammatisches Telefon Potsdam" ist nun bereits seit zwei Jahren montags bis freitags von 10.00 - 12.00 Uhr unter 0331/977-2424 erreichbar. Sie bietet außerhalb der Bildung in Schule und Hochschule Sprachbenutzern in den Fällen kompetente Hilfe an, wo Regelwerke schwer verständliche, widersprüchliche oder keine Auskünfte geben. Regelmäßig stellen Mitarbeiter von Unternehmen, öffentlichen Institutionen und viele Privatpersonen - teilweise schon als fester "Kundenstamm" - Fragen zu Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Stil oder zur Herkunft von Wörtern.
Die Beratungsstelle ist dem Bereich für deutsche Gegenwartssprache unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Eisenberg an der Potsdamer Universität als Forschungsprojekt zu Sprachgebrauch und Sprachentwicklung des Deutschen zugeordnet. Dabei wird das Ziel verfolgt, Grammatikforschung zur deutschen Gegenwartssprache mit praktischer Sprachberatung zu verbinden. Die Anfragen an das Grammatische Telefon werden in einer Datensammlung dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet. So ist es möglich, Sprachunsicherheiten und Entwicklungsprozesse systematisch zu erfassen. Des weiteren dient die Datensammlung der Grammatikforschung als empirische Fundierung.
Im Mittelpunkt der Beratung steht die Auseinandersetzung mit der Sprachnorm und die Identifizierung oder Empfehlung alternativer Konstruktionen. Die größten Unsicherheiten bestehen auf den Gebieten Zeichensetzung, Getrennt- und Zusammen- sowie Groß- und Kleinschreibung. Seit der Einführung der neuen Rechtschreibung am 1. August 1998 in Schulen und in staatlichen Einrichtungen begleitet das Grammatische Telefon verstärkt den Prozeß der Einführung, da bei der Umsetzung der neuen Rechtschreibung vielerlei Fragen auftreten, die für den Sprachbenutzer auch mit Blick in die neuen Wörterbücher in solchen Fällen nicht beantwortet werden können, wo das Regelwerk schwer verständliche, widersprüchliche oder keine Auskünfte zur konkreten Frage gibt. Insbesondere bereitet die Umsetzung der veränderten Getrennt- und Zusammenschreibung Probleme, beispielsweise bei Wörtern des Musters Substantiv und Partizip, wie ölverarbeitend (alt) - Öl verarbeitend (neu), oder die Groß- und Kleinschreibung, so bei leid tun (alt) - Leid tun (neu). Daß die neue Rechtschreibung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit steigender Tendenz eingeführt wird, macht sich an der deutlichen Zunahme der Anfragen im Vergleich zum ersten Jahr des Bestehens der Potsdamer Beratungsstelle bemerkbar, wobei nicht nur Akzeptanz, sondern auch neutrale Stellung eingenommen sowie Kritik gegenüber dem vorliegenden Regelwerk bzw. der Umsetzung in den Rechtschreibwörterbüchern geäußert wird.
Das Grammatische Telefon der Universität Potsdam kooperiert mit der gleichnamigen Einrichtung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. So ist es möglich, die Aachener Daten und die gegenwärtig in Potsdam entstehende Datensammlung für den Raum Berlin/ Brandenburg unter sprachlichen und sprachsoziologischen Aspekten im Vergleich wissenschaftlich zu untersuchen.
Das Projekt wird vom Land und Bund im Rahmen von Forschungsförderung zu großen Teilen befristet finanziert. Seine Existenz über den vierjährigen Zeitraum ist jedoch letztlich auch davon abhängig, wie es gelingt, in jedem Jahr einen Teil Drittmittel einzuwerben. Diese Mittel können über Fortbildungen zur neuen Rechtschreibung, zur Zeichensetzung, zu wirkungsvoller Textgestaltung und Textkorrekturen erwirtschaftet werden. Auch Spenden wären für das weitere Bestehen der Beratungsstelle sehr willkommen.


Hinweis an die Redaktionen:
Weitere Informationen erteilen Dr. Barbara Seelig und Dr. Birgit Wolf vom Grammatischen Telefon unter 0331/977-2424.

Aktuelle Pressemitteilungen können auch abgerufen werden unter http://www.uni-potsdam.de/u/pressmitt/index.htm
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