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Existenzgründungen wissenschaftlich betrachtet

11.06.1999 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sähe es noch viel schlechter aus, gäbe es nicht die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die, ganz im Gegensatz zu den großen, auch in Krisenzeiten noch Arbeitsplätze schaffen. Und auch bei den Innovationen können die kleineren Unternehmen durchaus mithalten. Beides, zukunftsorientierte Arbeitsplätze ebenso wie Impulse für den technischen Fortschritt erwartet man vor allem von den neugegründeten Unternehmen, um deren Förderung sich auch der Staat auf vielfältige Weise bemüht. Wenn es darum geht, in unserem Lande eine neue Kultur der Selbständigkeit, die Basis für Existenzgründungen zu schaffen, ist auch die Wissenschaft aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. Über den neuesten Stand wissenschaftlicher Forschung informiert am Freitag, 18. Juni 1999, von 9 bis 16.15 Uhr ein interdisziplinäres Symposium an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg (Ludwig-Erhard-Gebäude, Audimax, Findelgasse 7/9, 90403 Nürnberg).

In einer eintägigen Veranstaltung referieren sechs hochkarätige Fachleute über rechtliche, wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Probleme bei Existenzgründungen. Der Münchner Soziologe Prof. Rolf Ziegler berichtet über empirische Untersuchungen, die Antwort geben auf die Fragen nach der betrieblichen Entwicklung in den Anfangsjahren, den Überlebenschancen, den Aussichten von Frauen oder Arbeitslosen als Existenzgründer und den Effekt staatlicher Förderprogramme.

Der Leipziger Rechtswissenschaftler Prof. Reinhard Welter wird als Kenner der Materie auf die Rechtsfragen eingehen, die sich im Zusammenhang mit der Finanzierung von Existenzgründungen stellen. Dabei wird auch die neue Rolle der Banken angesprochen sowie die Eignung der rechtlichen Rahmenbedingungen für eine effiziente Finanzierung in der Startphase.

Prof. Schefczyk, Technische Universität Dresden, beleuchtet die Bedeutung der Venture Capital-Gesellschaften für den Gründungsprozess. Sie sollten ihr Geschäft nicht nur in der Bereitstellung von Kapital sehen, erfolgsentscheidend sind vor allem die Qualifikation der Manager der jungen Unternehmen, besonders im kaufmännischen Bereich, die Integrität der Beratung sowie die Stellung der Kapitalgeber als Minderheitsgesellschafter.

Jürgen Egeln, Volkswirt im Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim, referiert über die Rolle junger Unternehmen für Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Leuchtende Vorbilder sind hier zum Beispiel SAP oder Mobilcom in Deutschland, Microsoft oder AOL in den USA. Und in der Tat sind es besonders die High-Tech-Firmen, die die größeren Ðberlebenschancen haben und aus deren Kreis sich auch die wenigen rasch wachsenden Unternehmen rekrutieren, die die erwünschten Wachstums- und Beschäftigungseffekte erzielen.
Zwar wird es auch in Zukunft nicht den diplomierten Existenzgründer geben, doch können auch Hochschulen, wie das amerikanische Beispiel zeigt, junge, nach Selbständigkeit strebende Leute besser auf die Praxis vorbereiten. Entrepreneurship heißt das Stichwort, dessen Umsetzung in der akademischen Lehre sich Prof. Pinkwart von der Universität Siegen vorgenommen hat. Ein solches Lehrprogramm ist durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität und Entscheidungsorientierung gekennzeichnet mit ergänzenden multimedialen Angeboten.

Schließlich hat auch die gastgebende Fakultät Wesentliches zum Thema beizutragen. Der Nürnberger Jurist Prof. Herrmann befasst sich abschließend mit den für potentielle Gründer lebenswichtigen Fragen der Haftungsbeschränkung in der Startphase. Hier geht es besonders um Zweifelsfragen, die in der jüngsten Rechtsprechung aufgetreten sind und durch die das Gründungsrisiko unnötig erhöht wird. Es zeichnen sich Entwicklungstrends ab, die den im deutschen Gesellschaftsrecht herkömmlichen überzogenen Gläubigerschutz relativieren und mit den übrigen Unternehmensinteressen zum Ausgleich bringen.

Die Vorträge berichten zwar über wissenschaftliche Erkenntnisse, sie wenden sich aber gleichermaßen an Praktiker, Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, Berater, Politiker, kurz an alle, die sich mit dem Thema Existenzgründungen auseinandersetzen. Der Bezug zur Praxis wird auch dadurch unterstrichen, daß der Vizepräsident der IHK Nürnberg, der Unternehmer Albert Geyer, die Veranstaltung eröffnet.


* Kontakt:
Prof. Dr. Günter Buttler, Lehrstuhl für Statistik und empirische Wirtschaftforschung
Lange Gasse 20, D-90403 Nürnberg
Tel.: 0911/5302-268, Fax: 0911/5302-178
e-mail: sachse@wiso.uni-erlangen.de
www: http://www.wiso.uni-erlangen.de/wiso/vwi/s1/
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