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Finanzkrise der Fußballbundesliga

12.08.2002 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Sportökonom Prof. Bernd Frick von der Universität Witten/Herdecke über die aktuelle Finanzkrise der Fußballbundesliga zum Saisonauftakt

Derr Wittener Sportökonom Prof. Bernd Frick hält die befürchteten Bankrotte von Profi-Fußballvereinen der Deutschen Bundesliga trotz der aktuellen Finanzmisere nach der Kirch-Pleite für unwahrscheinlich. Allerdings prognostiziert er vor dem Hintergrund von etwa 35 Millionen Euro Defizit der Fußballbundesliga in diesem und sogar über 80 Millionen im Jahr 2003 starke Einschnitte bei den Spielgehältern von durchschnittlich etwa 30 Prozent: "Die augenblickliche Krise ist erst der Anfang. Im nächsten Jahr kommt es noch dicker", meint Frick. Auch eine steigende Arbeitslosigkeit unter Profispielern hält der Wissenschaftler für möglich: "Das ist doch ein ganz normaler ökonomischer Vorgang. Bei maximal elf Spielern auf dem Feld ist die Nachfrage nach Fußballprofis naturgemäß eng begrenzt." Die Krise stärke die Position der Vereine bei Gehaltsverhandlungen mit Spielern: "Die können heute keine Phantasiesummen mehr verlangen, sondern müssen nehmen, was ihnen angeboten wird", meint Frick. Der Sportökonom vermutet, dass es bereits früher unter Profispielern Arbeitslosigkeit gab: "In den zurückliegenden Boom-Zeiten hätte ihnen aber dieses Argument keiner abgenommen", mutmaßt Frick.

Frick sieht strukturelle Parallelen zwischen dem Niedergang der New-Economy und der Finanzkrise der deutschen Fußballbundesliga: "Mit dem plötzlichen Erwachen im Tal der Tränen verhält es sich ähnlich wie mit dem Zusammenbruch des Aktienmarktes bei der New Economy. In beiden Fällen sind die Preise erst auf ein absolut marktfernes Niveau hochgejubelt worden, bevor sie dann in den Keller rauschten."
Bei der Fußballbundesliga kommt nach Ansicht Fricks noch erschwerend hinzu, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) gleichsam sehenden Auges in die Krise gelaufen sei: "Es ist für mich nach wie vor ein Rätsel, wie der DFB noch vor zwei Jahren glauben konnte, sich an Kirch-Media bedenkenlos mit Exklusivverträgen binden zu können, obwohl damals bereits dessen finanzielle Schieflage in Teilen bekannt war." Für dieses Verhalten gebe es keine "rationale Begründung".
Kontakt: Prof. Dr. Bernd Frick, Tel.: 02302/926-575
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