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Einblick in die religiösen Konzepte von Jugendlichen gesucht

15.06.1999 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Immer mehr schwinden bei Jugendlichen die religiösen Überzeugungen im kirchlich-christlichen Sinne. Für Religionspädagogen ist dies eine Herausforderung: Wo kann das Gespräch mit den jungen Menschen aufgenommen werden, in welchen Bereichen dagegen erscheint das schwieriger? Um solche Fragen angehen zu können, wird an der Universität Würzburg ein großes Forschungsprojekt vorbereitet.

Dazu treffen sich vom 16. bis 20. Juni am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts zehn Wissenschaftler aus Europa und den USA. Sie wollen die Weichen für eine größere, vergleichende Studie mit dem Thema "Religionsstile Jugendlicher - religiöse Individualisierung und christliche Semantik" stellen. Unter demselben Titel findet am Donnerstag, 17. Juni, von 14.30 bis 22.00 Uhr im Hörsaal 317 der Universität am Sanderring auch ein öffentliches Symposion in englischer Sprache statt. Unter anderem fördern die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Universitätsbund diese Tagung.

Um die Religionsstile Jugendlicher zu erklären, finden sich derzeit zwei Ansätze, wie der Religionspädagoge Prof. Dr. Hans-Georg Ziebertz von der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät bei einem Pressegespräch erläuterte. Zum einen werde versucht zu zeigen, dass mit der Entfaltung der modernen Gesellschaften ein allgemeines Schwinden von religiösen Überzeugungen verbunden ist. Den Vertretern dieser Position steht als Zukunftsperspektive eine "Verdunstung des christlichen Glaubens" vor Augen.

Auch der zweite Ansatz leugnet nicht, dass es zur Abwendung von den christlichen Kirchen kommt. Doch er ist dem gegenüber nicht zwangsläufig negativ eingestellt, sondern sieht darin zugleich Momente der Vitalisierung der Religion: Die Vertreter dieser Richtung gehen von einer religiösen Praxis bei Jugendlichen aus, die sich nicht unbedingt mit dem kirchlich vertretenen Christentum deckt, sondern sich vielmehr als eine jeweils individuelle Aneignung verschiedener Inhalte offenbart, in die aber durchaus auch christliche Aspekte einfließen.

"Sollten sich die Annahmen der zweiten Position erhärten", so Prof. Ziebertz, "dann stehen wir Religionspädagogen jungen Leuten gegenüber, die sich durchaus mit religiösen Fragen beschäftigen, aber in der ihnen gebotenen christlich-religiösen Antwort keine hinreichende Plausibilität entdecken." So könne aus der Perspektive der Jugendlichen die Gesprächsfähigkeit der traditionellen religiösen Institutionen ermittelt werden. Das theologische Ziel und der Wert der angestrebten Studie liege unter anderem darin, im europäischen Vergleich Einsichten in die religiösen Konzepte Jugendlicher zu gewinnen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Hans-Georg Ziebertz, T (0931) 888-4838, Fax (0931) 888-4840, E-Mail:
hg.ziebertz@mail.uni-wuerzburg.de
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