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Habilitation für Mediziner - ist sie wirklich veraltet?

15.06.1999 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Habilitation - unverzichtbarer Bestandteil oder Hemmschuh für die Karriere des Wissenschaftlers? Die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg wollte sich ein Bild davon verschaffen, wie ihre eigenen Hochschullehrer zur Habilitation stehen, und startete eine Fragebogenaktion. Das Ergebnis mag manchen verblüffen.

Kürzlich nahm der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, kritisch zur deutschen Habilitation Stellung: Er hält sie durchwegs für ein Karrierehemmnis. Im Februar 1999 äußerten sich auch der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm, Prof. Dr. Guido Adler, und der dortige Prorektor, Prof. Dr. Jürgen Aschoff, in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu diesem Thema. Sie bezeichneten die Habilitation als "obsolet" und plädierten für ihre Abschaffung. Diese Einstellung hat schon zu politischen Konsequenzen und entsprechenden Strukturvorschlägen geführt. Auch der Medizinische Fakultätentag wird sich mit dem Thema befassen.

Die Würzburger Medizinische Fakultät wollte die Meinung ihrer Hochschullehrer zur Habilitation selbst ergründen. Ziel der Befragung waren diejenigen, die als bereits Habilitierte nach Würzburg gekommen sind, ebenso wie diejenigen, die sich in den vergangenen zehn Jahren in Würzburg in der Medizin habilitiert haben und noch vollamtlich hier tätig sind. Dekan Prof. Dr. Volker ter Meulen und Prodekan Prof. Dr. Klaus Toyka haben die Ergebnisse zusammengefasst.

Demnach wurde die Umfrage von 154 Hochschullehrern beantwortet. Das in Würzburg geübte Habilitationsverfahren fand bei 114 der Befragten Zustimmung, bei 18 vorsichtige und bei 6 klare Ablehnung. Die Mehrheit sprach sich für eine kumulative Habilitation - dabei fließen auch bereits veröffentlichte, eigene wissenschaftliche Arbeiten zum Thema ein - anstelle der traditionellen Habilitationsschrift aus. Beides ist in der Würzburger Habilitationsordnung möglich.

Die von den Professoren Winnacker, Adler und Aschoff vorgeschlagenen habilitationsäquivalenten Leistungen wurden nur von einem Viertel der Befragten als sinnvolle Alternative angesehen. Auch auf den mündlichen Teil des Habilitationsverfahrens, das Kolloquium vor der Fakultät, wollte nur eine kleine Minderheit verzichten. Einige Befragte wiesen zu Recht darauf hin, dass die deutsche Habilitationsschrift ja nicht grundsätzlich anders sei als ein Doctor of Philosophy (Ph.D.) in den anglo-amerikanischen Universitäten.

Gab es bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Vorleistungen offenbar klare Mehrheitsverhältnisse, war bezüglich der Lehrleistungen etwa die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die pädagogischen Fähigkeiten noch stärker berücksichtigt werden sollten. Auch sollten Pädagogikkurse angeboten werden - ein Ansatz, der bei der jüngst begründeten Veranstaltungsserie "Lehren und Lernen" an der Universität Würzburg bereits zu erkennen ist.

Interessant auch die Antworten der jüngeren Hochschullehrer, die sich in den vergangenen zehn Jahren in Würzburg habilitiert haben: Hier waren ebenfalls drei Viertel für die Beibehaltung des ihnen vertrauten Verfahrens. Besonders viele sprachen sich für die kumulative Habilitation als bevorzugte Form der schriftlichen Habilitationsleistung aus. Die einzige Gruppe, bei der sich immerhin ein Drittel für habilitationsäquivalente Leistungen im Sinne der Winnacker-Empfehlung aussprach, waren die Hochschullehrer in den medizinisch-theoretischen Fächern, bei denen der Anteil naturwissenschaftlich ausgebildeter und promovierter Wissenschaftler besonders hoch ist.

Die Medizinische Fakultät sieht deshalb keine Veranlassung, auf die Habilitation zu verzichten, erkennt aber durchaus eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten. Die Leistungsfähigkeit der medizinischen und naturwissenschaftlichen Hochschullehrer der Fakultät beweise vielmehr, dass ein wichtiger Bewährungsschritt wie die Habilitation durchaus seinen Platz in der Qualitätssicherung hat. Erfolgreich könne in der Medizin allerdings nur derjenige Wissenschaftler sein, der genügend Freiraum für seine wissenschaftlichen Aktivitäten erhält. Hier sieht die Fakultät in einer umfangreichen Drittmittelförderung, sei es in Forschungsverbünden, Forschergruppen oder Einzelvorhaben, den besten Weg, die wissenschaftliche Laufbahn junger Mediziner in ihrer Dreifachbelastung als Arzt, akademischer Lehrer und Forscher nicht zum Hemmnis für die wissenschaftliche Entwicklung werden zu lassen.

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