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Mit dem Tiefseefahrzeug in die Arktis

21.06.1999 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Wenn das Forschungsschiff Polarstern am 23. Juni von Bremerhaven aus zu seiner 15. Arktisexpedition aufbricht, ist erstmals ein ferngesteuertes Tiefseefahrzeug mit an Bord. Das unbemannte Tauchboot VICTOR 6000, ein sogenanntes Remotely Operated Vehicle (ROV), kann bis in Tiefen von 6000 Meter tauchen und dort mehrere Tage lang arbeiten. Das Alfred-Wegener-Institut fuer Polar- und Meeresforschung (AWI) hat die Polarstern in den vergangenen Wochen mit umfangreichen Anpassungs- und Umbaumass-nahmen optimal fuer den Einsatz des Tauchfahrzeugs vorbereitet. Das AWI arbeitet dabei eng mit dem franzoesischen Meeres-forschungsinstitut IFREMER (Institut Francais de Recherche pour l'Exploitation de la Mer) zusammen, wo das Geraet entwickelt wurde. Die AWI-Wissenschaftler hoffen nicht nur, einen Blick auf den Meeresboden der Arktis werfen zu koennen, sondern wollen auch gezielt Proben nehmen und Experimente in der Tiefsee durchfuehren. Zwischen Groenland und Spitzbergen wird deshalb in 2000 und 5000 Meter Tiefe nach geeigneten Standorten gesucht, an denen sich Messgeraete und Langzeitversuche installieren lassen. Den Kollegen des IFREMER ermoeglicht die Expedition einen ersten Einsatz des VICTOR 6000 in den Polargebieten. Es ist geplant, das Geraet auch im Molloy Deep, der tiefsten Stelle der Groenlandsee (5500 Meter) einzusetzen.

Das vier Tonnen schwere Tauchfahrzeug arbeitet an einer Art Nabelschnur und ist mit der Polarstern ueber ein bis zu 8000 Meter langes Tiefseekabel verbunden. Eigene Antriebssysteme sorgen dafuer, dass VICTOR 6000 sich am Meeresboden aktiv und zielgerich-tet bewegt. Von mehreren ferngesteuerten Kameras dirigiert, koennen die Wissenschaftler mit verschiedenen Greifarmen und Messgeraeten operieren und gezielt Organismen, Sediment oder Wasser-proben entnehmen.
Langfristig wollen die AWI-Wissenschaftler die biologischen, geologischen und geochemischen Prozesse in der Tiefsee entschluesseln. Dies erfordert detaillierte Untersuchungen, besonders in Regionen, in denen die Meereisbedeckung jahreszeitlich deutlich wechselt. Mit der Untersuchung von Tiefseeorganismen und der Etablierung von Messstationen im Arktischen Ozean moechte das Alfred-Wegener-Institut ein Forschungsgebiet von hohem wissenschaftlich-technischen Anspruch besetzen.

Die Erprobung von VICTOR 6000 waehrend des ersten Fahrtabschnittes der Polarstern-Reise laeuft parallel zu ozeanographischen Untersuchungen in der Groenlandsee. Die Tiefenwasserbildung in diesem Gebiet hat elementare Bedeutung fuer das europaeische Klima. Das Institut fuehrt hier bereits seit 1987 langfristige Arbeiten durch. Ein sogenannter hydrographischer Schnitt bei 75° Nord mit ueber 60 Messpunkten soll jetzt neue umfangreiche Daten fuer das Projekt liefern.

Zwei biologische Projekte runden das Forschungsprogramm ab: Mit Hilfe von DNA-Analysen soll arktisches Plankton auf genetische Verwandtschaft untersucht und bestimmten Naehrstoffangeboten oder Wasserqualitaeten zugeordnet werden. Dies koennte ein neuer Ansatz fuer Untersuchungen zur Geschichte des Ozeans sein. Zur Aktivitaet arktischer Mikroorganismen und dem Einfluss des hydrostatischen Drucks in der Tiefsee werden Experimente vor Ort und im Labor durchgefuehrt. Bisher ist ueber die mikrobielle Besiedlung des Nordpolarmeeres und den Stoffumsatz im Meereis, an der Wasser-oberflaeche, am Meeresboden und speziell in der Tiefsee nur sehr wenig bekannt.

Am 19. Juli endet der erste Fahrtabschnitt der Expedition in Tromsø. VICTOR 6000 und insgesamt 105 Tonnen Zubehoer werden entladen und das Schiff fuer den zweiten Fahrtabschnitt mit geophysikalischen Arbeiten vor Groenland umgeruestet. Der dritte und letzte Teil der Reise mit ozeanographischem Schwerpunkt endet am 15. Oktober 1999 mit der Rueckkehr der Polarstern nach Bremer-haven.

Bremerhaven, den 21. Juni 1999
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