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Drei neue Sonderforschungsbereiche an der RWTH Aachen

22.06.1999 - (idw) Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Spitzenstellung der Aachener Hochschule im Bereich interdisziplinärer Forschung nachhaltig unterstrichen und weiter ausgebaut

Zum 1. Juli 1999 wird die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 15 neue Sonderfor-schungsbereiche an bundesdeutschen Hochschulen einrichten. Allein drei der neu bewilligten Sonderforschungsbereiche werden an der RWTH Aachen angesiedelt sein, wodurch die Spitzenstellung der RWTH unter den deutschen Hochschulen von derzeit 13 auf 16 Sonderforschungsbereiche erhöht wird. Damit folgte die DFG der Empfehlung der jeweiligen Fachgutachter-Gruppe, die - ebenso wie der Wissenschaftsrat auf seiner Frühjahrstagung in Aachen - die Einrichtung der neuen Sonderforschungsbereiche befürwortet hat.

Komplexe Themen der Grundlagenforschung werden in Sonderforschungsbereichen (SFB) von Wissenschaftlern mit zum Teil völlig unterschiedlichen Fachrichtungen besonders effektiv und ganzheitlich bearbeitet. Ein ständiger Austausch von Daten, Erfahrungen, Materialproben und auch wissenschaftlichem Personal sorgt dabei für eine überaus enge Kooperation zwischen den beteiligten Wissenschaftlern in diesen bis zu 15 Jahren geförderten Projekten.
In den letzten Jahren gelang es der RWTH Aachen, in nahezu allen Fachbereichen einen oder - wie im Maschinenbau- und Werkstoffbereich - mehrere SFB zu gründen, die mit jährlich über 30 Millionen DM gefördert werden. Derzeit sind 200 wissenschaftliche Mitarbeiter, 70 Nichtwissenschaftler und 280 studentische Hilfskräfte in den SFB der RWTH beschäftigt.

Die Notwendigkeit, Forschungsvorhaben jenseits der klassischen Fakultätsgrenzen zu konzipieren und durchzuführen, hat die RWTH Aachen frühzeitig erkannt. Die Grün-dung neuer interdisziplinärer Forschungsinstitutionen und -Organisationsformen trägt dem Ziel Rechnung, Mensch, Technik und Umwelt unter einem ganzheitlichen Blickwinkel zu betrachten. Gerade aus dem effektiven Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen erwuchsen in den letzten Jahren innovative Produkt- und Prozeßlösungen. Als Beispiel können ökologieverträgliche Produktionsverfahren und sozialvertretbare Auto-matisierungstechniken, der Einsatz sanfter Technologien bei der Stadterneuerung oder der Informatik in der Medizin angeführt werden. Bundesweit einmalig ist dabei in Aachen die effektive Antrags- bearbeitung und Koordinierung durch eine gemeinsame
SFB-Geschäftsführung, die dabei die Synergie-Effekte bisheriger interdisziplinärer Forschungsprojekte weiterreicht.

Bei den drei neuen Sonderforschungsbereichen an der RWTH handelt es sich um den
SFB 532 "Textilbewehrter Beton - Grundlagen für die Entwicklung einer neuartigen Technologie", den SFB 540 "Modellgestützte experimentelle Analyse kinetischer Phä-nomene in mehrphasigen fluiden Reaktionssystemen" sowie den SFB 542 "Molekulare Mechanismen zytokingesteuerter Entzündungsprozesse: Signaltransduktion und patho-physiologische Konsequenzen".

Zementgebundener Beton, mengenmäßig der bedeutendste Werkstoff des Bauwesens, bietet hinsichtlich konstruktiver Gestaltung und Herstellungstechnik ein breites Feld von Möglichkeiten und ist zur Übertragung von Druckkräften der bei weitem preiswerteste Baustoff. Wegen der geringen Zugfestigkeit wird für die bei der Rißbildung freigesetzten Zugkräfte in der Regel eine Betonstahlbewehrung angeordnet. Im Sonderforschungsbereich 532 werden in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus acht Lehrstühlen der Fachbereiche Naturwissenschaften, Bauingenieurwesen und Maschinenwe-sen die Grundlagen des Verbundwerkstoffes Textilbewehrter Beton erforscht. Im textilbewehrten Beton wird die Betonstahlbewehrung durch eine Bewehrung aus Glas-, Carbon- oder Kunstfasertextilien ersetzt. Da diese Bewehrung im Gegensatz zum Beton-stahl nicht korrosionsanfällig ist, kann sie oberflächennah angeordnet werden, wodurch die Herstellung sehr dünnwandiger Bauteile möglich wird. Dieser neue Werkstoff soll die Herstellung und den Einsatz dünnwandiger und hochbelastbarer Betonbauteile mit guten mechanischen Eigenschaften in Serienproduktion ermöglichen. Neben der gezielten Weiterentwicklung der Ausgangsstoffe und Herstellungstechniken für die Textilien und Feinbetone sind die mechanische Modellierung des Trag- und Verformungsverhaltens sowie die Entwicklung automatisierter Herstellungsverfahren dreidimensionaler Strukturen Gegenstand der Untersuchungen.

Mehrphasige fluide Reaktionssysteme zeichnen sich durch chemische Reaktionen in zwei oder mehreren miteinander in Kontakt stehenden Flüssigkeitsphasen aus und bestimmen das Verhalten einer großen Klasse von industriellen Prozessen. Mit dem SFB 540 soll ein neuer methodischer Ansatz zur systematischen Modellierung kinetischer Phänomene entwickelt werden. Die Grundidee besteht darin, die bisher weitgehend isoliert betrachteten Arbeitsschritte - wie hochauflösende Meßtechnik, numerische Simulation und Formulierung sowie Lösung von Schätzaufgaben - aufeinander abzustimmen und zu einer möglichst allgemein anwendbaren Methodik zusammenzuführen.

Auf Infektionen oder Gewebeverletzungen reagiert der menschliche Organismus mit akuten entzündlichen Reaktionen, die auch chronische Erkrankungen hervorrufen kön-nen. Eine ganze Reihe von Zellen sind in das Entzündungsgeschehen eingebunden, wobei die Signalübertragung zwischen den Zellen im wesentlichen durch sogenannte Zytokine erfolgt. Der Sonderforschungsbereich "Molekulare Mechanismen zytokingesteuerter Entzündungsprozesse: Signaltransduktion und pathophysiologische Konsequenzen" will zur Klärung der Pathobiochemie entzündlicher Erkrankungen auf molekularer Ebene beitragen und dabei vor allem die Prozesse untersuchen, an denen Zytokine beteiligt sind.

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