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Wie assoziatives Lernen im Gehirn funktioniert

06.07.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jena. (06.07.99) Eine Forscher-Nachwuchsgruppe an der Klinik für Neurologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena finanziert die Volkswagen-Stiftung für die nächsten fünf Jahre mit 2,1 Millionen Mark. Dr. Christian Büchel soll mit seinem vierköpfigen, interdisziplinär besetzten Team zur "Charakterisierung des Informationsflusses zwischen Gehirnregionen" beitragen. Der 33jährige Büchel, der seit zweieinhalb Jahren am Londoner Wellcome Department of Cognitive Neurology arbeitet, wird sich in Jena insbesondere der näheren Erforschung des assoziativen Lernens widmen.

"Wir freuen uns auf diese wertvolle Verstärkung unseres Teams", kommentierte Kliniksdirektor Prof. Dr. Cornelius Weiller die Entscheidung der VW-Stiftung, die aus 61 Anträgen insgesamt acht Arbeitsgruppen bewilligte. "Zugleich sehen wir darin eine Anerkennung für die binnen kurzer Zeit erarbeitete wissenschaftliche Leistungsfähigkeit unserer neurologischen Klinik in Jena."

Nur sehr wenige Vorgänge im Gehirn werden von einem einzigen, hochspezialisierten Areal aus bewältigt, erklärt Prof. Weiller den Forschungsansatz des Büchelschen Teams, "in den allermeisten Fällen handelt es sich um vernetzte, räumlich und zeitlich kohärent koordinierte Aktivitäten mehrerer überlappender Gehirnareale." Dieses komplexe Zusammenspiel wollen die Forscher mit Hilfe moderner bildgebender Großgeräte ein Stück weit genauer aufklären. Dazu werden in der Jenaer Uni-Klinik für Neurologie Untersuchungen mit Elektro- und Magnet-Enzephalographie (EEG und MEG), mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) sowie transcranieller Magnetstimulation vorgenommen, deren Ergebnisse in komplexen Strukturgleichungsmodellen darstellbar sind.

"Wir erhoffen uns aus diesem Ansatz nicht nur Grundlagenerkenntnisse über die immer noch weitgehend unverstandene Funktionsweise des Gehirns", erläutert Prof. Weiller, "sondern auch konkrete Ansätze für die Rehabilitation von Patienten." Unter anderem wird Büchels Team das auditiv-visuell-assoziative Lernen bei Blinden, bei Schlaganfall-Patienten und bei psychisch Kranken untersuchen.

Büchel studierte Humanmedizin in Heidelberg, promovierte 1992 nach Forschungsaufenthalten in Philadelphia (USA) und Roskilde (Dänemark) "summa cum laude" und absolvierte sein praktisches Jahr u. a. in Pennsylvania, Leiden (NL), Heidelberg und Mannheim. Am Wellcome Department of Cgnitive Neurology London entwickelte er ein neues Analyseverfahren, um Aussagen über die funktionelle Kopplung von Hirnrindenarealen zu gewinnen. Als Erstautor zahlreicher Publikationen, u. a. in den Fachzeitschriften "Science", "Nature" und Brain", erlangte der junge Wissenschaftler bereits internationale Bekanntheit.


Friedrich-Schiller-Universität
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