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HOCHMODERNER OPERATIONSROBOTER IM GÖTTINGER UNIVERSITÄTSKLINIKUM

06.07.1999 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

(pug)In der Medizin gehört das Operieren mit dem Roboter zu den zukunftsweisenden Innovationen. Als bundesweit eine der ersten Universitätskliniken verfügt die Abteilung für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie des Göttinger Universitätsklinikums ab Ende Juni über das hochmoderne Operationssystem CASPAR. Mit Hilfe von CASPAR, der Name steht für computer assisted Surgery Planning and Robotics, ist die computergestützte und damit hochpräzise Implantation von Gelenkprothesen und Kreuzbändern am Kniegelenk nun Realität. Zunächst nur für den Gelenkersatz an der Hüfte, prinzipiell aber auch bei ähnlichen Operationen an Knochen und Gelenken einsetzbar, erlaubt das von der Firma Orto-Maquet entwickelte Operationssystem die computergestützte Planung, Dokumentation und letztendlich auch die aktive Durchführung von Teilen des Eingriffs.

Und der Bedarf an diesem Operationsverfahren ist groß: Oberschenkelhalsbruch und Verschleißerscheinungen der Gelenke bis hin zum Totalausfall gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten. Den betroffenen Patienten gibt das künstliche Gelenk ein Stück Lebensqualität zurück, das nicht nur im wörtlichen Sinne wieder mehr Bewegung in ihr Leben bringt. Alleine in Deutschland werden jährlich über 60.000 Kniegelenksimplantationen durchgeführt. Bei den Hüftprothesen sind es sogar fast 200.000 Operationen pro Jahr. Trotz der unbestreitbaren Erfolge dieser Therapieverfahren war es bisher aufgrund der Operationstechnik nicht möglich, die Prothese vollkommen exakt einzupassen.
Prof. Dr. Klaus Michael Stürmer, Leiter der Abteilung Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Göttingen, erläutert dies in erster Linie damit, "daß der Operateur an der für das Implantat vorgesehenen Knochenpartie stufenweise Knochenmaterial mit Hammer und Formraspel entfernt, was auch bei genauem Vorgehen Genauigkeitstoleranzen zur Folge hat." "Die Raspel", so Stürmer weiter, " folgt dem Weg des geringsten Widerstandes, der nicht immer mit der biomechanisch besten Position übereinstimmt." Bereits in der Planungsphase einer Operation kommen die Vorteile von CASPAR zum Tragen. Zunächst wird die Prothesenlage auf der Basis von Computertomographien des Patienten virtuell am Computer geplant. Das so berechnete Prothesenlager fräst der Roboter in den Oberschenkelschaft, wodurch sich der Prothesen-Knochenkontakt gegenüber der herkömmlichen manuellen Methode von 30% auf 90% erhöht. Prof. Stürmer und sein Team gehen davon aus, "daß die größere Kontaktfläche und insbesondere die exakt vorberechnete Plazierung der Prothese in allen drei räumlichen Ebenen zu einer wesentlich verbesserten Dauerhaltbarkeit der künstlichen Hüftgelenke führen wird." Ebenso wie die Patienten von den verbesserten Heilungschancen profitieren, ist CASPAR auch betriebswirtschaftlich eine sehr sinnvolle Investition, da kürzere Liegezeiten und geringere Komplikationsrisiken die Behandlungskosten reduzieren. In Zusammenarbeit mit anderen operativen Abteilungen, aber auch nichtmedizinischen Einrichtungen, ergeben sich zusätzlich zu einer modernen Patientenversorgung ganz neue Perspektiven in Forschung und Lehre. So soll beispielsweise untersucht werden, ob der Roboter die Nagelung und Verplattung von Knochenbrüchen unterstützen kann. Die Forschungsabteilung der Volkswagen AG ist im Rahmen einer bereits erprobten Kooperation mit der Göttinger Unfallchirurgie außerordentlich daran interessiert die Thematik "Virtueller Mensch für die Unfallforschung" fortzuführen. Darüber hinaus plant die Abteilung Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie ein Forschungsprojekt mit Partnern aus dem Bereich Werkstoffkunde, um das Einwachsen von Prothesen zu optimieren.

Prof. Stürmer ist es gelungen, hochkarätige Wissenschaftler als Referenten für das 13. Unfallchirurgische Kolloquium zu gewinnen, das am 30. Juni 1999 ab 17 Uhr c.t. im Hörsaal 81 des Universitätsklinikums Göttingen (Robert-Koch-Straße 40) unter dem Titel "Operationsroboter: Von der virtuellen Realität zur realen Anwendung beim Gelenk- und Kreuzbandersatz" stattfindet. Prof. Dr. Leo Gotzen, Ordinarius für Unfallchirurgie an der Universität Marburg, präsentierte vor wenigen Wochen die weltweit erste Operation zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit dem Roboter. In seinem Vortrag "Virtuelle Realität für die Medizin" wird Prof. Dr. Dietrich Peter Pretschner, der als Direktor des Institutes für Medizinische Informatik an der TU Braunschweig klinische Praxis mit EDV verbindet, einen kompakten Einstieg über dieses Thema bieten. Dr. Christian Grüneis von der Klinik für Unfallchirurgie der Universität Erlangen hat an der Entwicklung des ersten deutschen Roboters für den Hüftgelenkersatz mitgearbeitet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus Michael Stürmer
Abt. Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39-2462
Fax: 0551/39-8981 e-mail: cunfstu@med.uni-goettingen.de
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