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Hepatitis-Infektionen durch Plasma-Spenden

06.07.1999 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

Stellungnahme des Universitäts-Klinikums Göttingen

(pug) Als Hintergrundinformation zu Presse-Berichten über Fälle von HCV-infizierten Plasmapräparaten eines hessischen Herstellers, die im Universitäts-Klinikum zu Patienteninfektionen geführt haben, gibt das Klinikum folgende Stellungnahme ab:

Am 7.12.1998 wurde der Abteilung Transfusionsmedizin von der Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie der Fall eines im September 1998 operierten Patienten gemeldet, der bei einer Nachuntersuchung durch eine HVC-Infektion aufgefallen war. Die sich anschließende Untersuchung des Falles stand im Zusammenhang eines vom Bundesgesundheitsministerium 1997/98 geförderten beispielhaften Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Virologie des Göttinger Klinikums. Daraufhin wurde vorschriftsmäßig ein vom Empfänger der Spende ausgehendes Look-back-Stufenplanverfahren eingeleitet und festgestellt, daß der Patient u.a. auch von der betreffenden Firma bezogenes Blutplasma erhalten hatte. Die Bezirksregierung Braunschweig und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Überwachungsbehörden wurden informiert. Vom Hersteller der Konserve wurde eine Bestätigung angefordert, daß es sich bei dem gelieferten und dem HCV-positiven Patienten transfundierten Plasma um den Vorschriften entsprechendes Quarantäne-Plasma gehandelt hat. Diese Bestätigung wurde gegeben.
Mit einem am 18.1.1999 eingegangenen Schreiben hat der Hersteller der Abteilung Transfusionsmedizin mitgeteilt, daß bei dem Spender, von dem das fragliche Plasma gewonnen worden war, bereits am 8.7.1998 eine Serokonversion, d.h. eine HCV-Infektion, festgestellt worden und dem PEI sowie dem Regierungspräsidium Kassel gemeldet worden sei. Der Meldung lag eine Liste der dem Klinikum Göttingen gelieferten Plasmen, bei denen durch erweiterte Testung sich nachträglich der Verdacht der Infektiösität ergeben hatte, bei.
Es wurde unverzüglich festgestellt, daß sich keine der fraglichen Chargen mehr im Hause befanden. Ein von den Spenderdaten ausgehendes Look-back-Verfahren wurde von der Abteilung Transfusionsmedizin vorsorglich der Bezirksregierung Braunschweig und dem PEI gemeldet und beim Hersteller angefragt, ob von dem gleichen Spender ausgehende Präparate im offiziellen Quarantänezeitraum von 6 Monaten vor der frühesten vom Hersteller positiv getesteten Spende geliefert worden seien. (Zur Hintergrundinformation: Auch weiter zurückliegende Spenden können klinisch infektiös wirken, wie sich hier auch zeigt.) Es wurde also eine wesentlich weiter zurückreichende Rückverfolgung angefordert.

Eine solche Liste von möglicherweise infektiösen Spenden lag dem Antwortschreiben des Herstellers vom 25.1.1999 bei. Zum Zeitpunkt auch der zweiten Mitteilung waren alle der insgesamt 23 von diesem Spender stammenden und identifizierten Quarantäneplasmen bereits transfundiert. Alle Lieferungen waren im Kalenderjahr 1998 erfolgt, die fraglichen Chargen waren zwischen dem 15.6. und dem 15.10.1998 im Klinikum verwendet worden.

Zu keinem Zeitpunkt hat die Abteilung Transfusionsmedizin vom Hersteller, vom PEI oder von einer Bezirksregierung eine Mitteilung im Rahmen eines formellen Look-back-Verfahrens nach dem Transfusionsgesetz erhalten.

Nach dem eigenverantwortlich durchgeführten Patienten-Look-back des Klinikums haben insgesamt 11 Patienten des eigenen Hauses im Alter zwischen 6 und 77 Jahren infizierte Plasmen erhalten. Zwei davon waren zum Zeitpunkt der Nachforschungen verstorben, ein Patient war bereits vorher als HCV-positiv bekannt gewesen. Bei einem HCV-infizierten Kind war kein HC-Virus nachweisbar, nur Antikörper. Die übrigen 7 Patienten leben nur zum Teil in Göttingen, zum Teil sogar im Ausland. Sie und ihre behandelnden Ärzte haben bis auf einen erst durch das Look-back-Verfahren des Klinikums von ihrer Infektion erfahren. Die Patienten sind zum Teil in hausärztlicher sowie in Behandlung den Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie bzw. für Kinderheilkunde des Klinikums. Aufgrund der vergleichsweise raschen Entdeckung ihrer Infektion haben sie wesentlich erhöhte Chancen auf Ausheilung, so daß es bei ihnen möglicherweise nicht zu den gefährlichen Spätfolgen der Hepatitis C kommt.

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