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Arterioskleroseforschung soll in "Blaue Liste"

15.07.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Das Institut für Arterioskleroseforschung an der Universität Münster soll ein Institut der "Blauen Liste" werden und damit künftig von Bund und Land gemeinsam finanziert werden. Diese Empfehlung hat jetzt die Vollversammlung des Wissenschaftsrates auf ihrer turnusmäßigen Sitzung ausgesprochen. Das 1970 vom Land Nordrhein-Westfalen gegründete und bislang bundesweit einzige Zentrum zur Erforschung der Ursachen, der Prävention und der Therapie von Gefäßverkalkungen und ihrer lebensbedrohlichen Auswirkungen Herzinfarkt und Schlaganfall verspricht sich von der Aufnahme in die prestigeträchtige "Blaue Liste" nicht nur einen großen Gewinn für den Forschungsstandort Münster, sondern in Erwartung einer Erhöhung der Mittel auch eine entscheidende Förderung der Herzinfarktforschung in Münster.

Die "Blaue Liste" umfaßt selbständige Einrichtungen und Institute in Deutschland, die Forschungen von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftlichen Interesse betreiben. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte dem Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen berät, um eine entsprechende Prüfung des Instituts für Arterioskleroseforschung gebeten. In seiner jetzt ausgesprochenen Förderempfehlung weist der Wissenschaftsrat auf die "in Deutschland führende Position" und die "hohe internationale Reputation" des münsterschen Instituts hin. Auf der Basis der begonnenen Neustrukturierung sei eine weitere Leistungssteigerung zu erwarten. "Die Aufgaben des Instituts", so der Bericht des Wissenschaftsrats weiter, "sind von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischen Interesse".

Einer der herausragenden und weltweit besonders beachteten Schwerpunkte des auf Initiative des damaligen NRW-Wissenschaftsministers und heutigen Bundespräsidenten Johannnes Rau und des ehemaligen Direktors der Medizinischen Klinik der Universität Münster Prof. Dr. Werner H. Hauss gegründeten Instituts ist die sogenannte PROCAM-Studie. Diese unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Assmann, dem jetztigen geschäftsführenden Direktor des Instituts für Arterioskleroseforschung, seit rund 20 Jahren durchgeführte "Prospektive Cardiovaskuläre Münster-Studie" ist die europaweit größte bevölkerungsorientierte Untersuchung zur Erforschung der Ursachen des Herzinfarkts. Dabei wird bei zirka 40.000 Personen in Westfalen, die an einer vom Institut konzipierten Vorsorgeuntersuchung teilgenommen haben, das Herzinfarkt-und Schlaganfallrisiko langfristig beobachtet.

Träger des Instituts ist die "Gesellschaft für Arterioskleroseforschung e.V. Münster". Mitglieder dieses Trägervereins sind neben dem Land NRW die Westfälische Wilhelms-Universität, die Stadt Münster, die Industrie- und Handelskammer zu Münster, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Landesversicherungsanstalten Westfalen und Rheinprovinz und der Landesverband der Betriebskrankenkassen Nordrhein-Westfalen. Vorstandsmitglieder sind Dr. Wilfried Berg als Vorsitzender , ferner der erste Direktor der LVA Westfalen Wilfried Gleitze, der münstersche Regierungspräsident Dr. Jörg Twenhöven sowie der Rektor und der Kanzler der Universität Münster Prof. Dr. Jürgen Schmidt und Dr. Klaus Anderbrügge.

Seit seiner Gründung ist das Institut für Arterioskleroseforschung von anfänglich 24 auf mittlerweile an die 100 Mitarbeiter gewachsen. Das jährliche Finanzierungsvolumen durch das Land NRW liegt derzeit bei rund sieben Millionen Mark. Darüber hinaus gelang es den Wissenschaftlern, jährlich hohe Summe an Drittmitteln einzuwerben, in den Jahren 1996 bis 1998 fast zwölf Millionen Mark. Auf Initiative des Forschungsinstituts wurde vor fünf Jahren die "Deutsche Infarktforschungshilfe e.V." gegründet, die speziell die Absicht verfolgt, Spitzenforschung auf dem Sektor der Herzkrankheiten zu fördern. Durch Teilnahme an Sonderforschungsbereichen der Universität Münster und an zahlreichen kooperativen Projekten mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland nimmt das Institut eine führende Position in der deutschen Forschungslandschaft ein.

Diese Position soll jetzt durch die Aufnahme in die "Blaue Liste" weiter gestärkt werden soll. Gegenüber der Presse dankte Prof.Assmann insbesondere dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Wolf-Michael Catenhusen für dessen langjährige aktive Unterstützung der Herzinfarktforschung in Münster. Derzeit gibt es in Deutschland 80 eigenständige Institute der "Blauen Liste", die in der "Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (GWL) zusammengeschlossen sind. In den Instituten dieser Wissenschaftsgemeinschaft sind rund 11.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 5000 Wissenschaftler. Die Forschungsarbeiten der GWL-Institute und -Einrichtungen werden jährlich, jeweils zur Hälfte von Bund und Land, mit rund 1,2 Milliareden Mark gefördert. Manche Institute sind 100 Jahre und älter, andere, wie die nach der Wende gegründeten 31 Institute in den neuen Bundesländern, noch sehr jung. Etwa 20 Einrichtungen befassen sich mit den Lebenswissenschaften, das heißt mit medizin-orientierten Fragestellungen.

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