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DFG legt Denkschrift "Qualitätskriterien der Umfrageforschung" vor

16.07.1999 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) legt eine zweisprachige Denkschrift (deutsch und englisch) Qualitätskriterien der Umfrageforschung vor, die deren aktuellen Stand beschreibt und Qualitätsmaßstäbe formuliert. In einer vom Präsidium der DFG vor zwei Jahren berufenen Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Professor Max Kaase vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung haben sich Sozialwissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, Nutzer und Anwender von Umfrageergebnissen und führende Vertreter von privatwirtschaftlich verfaßten Markt- und Meinungsforschungsinstituten darüber verständigt, was die Wissenschaftlichkeit von Umfragen ausmacht. Die Denkschrift behandelt Qualität in unterschiedlichen Dimensionen von der "handwerklichen" Korrektheit der methodischen Vorgehensweise über forschungsethische Grundsätze des Umgangs mit Befragten und ihren Aussagen bis hin zu Fragen der Dokumentation und Offenlegung der aus Umfragen hervorgegangenen Datensätze.

Die empirische Sozialforschung beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Familien, Institutionen, Gemeinschaften und Staaten sowie ihren Lebensverhältnissen, Anschauungen und Werten. Als Umfrageforschung hat sie sich durch die Ausweitung und durch grundlegende Änderungen in den Kommunikationstechnologien rapide verbreitet. Darüber hinaus wird die zunehmende Zahl der Haushalte, die über einen Anschluß an elektronische Netze verfügen, in der Umfrageforschung zu einem weiteren methodischen Entwicklungssschub und damit zu neuen Fragen führen. Vor allem die wachsende Zahl telefonischer Befragungen und die Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung haben aber auch Fragen nach der Qualität, Reichweite und Belastbarkeit der gesammelten Informationen aufgeworfen.

In der Denkschrift werden mögliche Konsequenzen dieser Entwicklungen dargestellt und bewertet, wobei es nicht nur um die Folgen der technisch bedingten Umwälzungen geht. Umfragen spielen eine Rolle bei der Einführung neuer Produkte, und sie tragen ganz wesentlich zu Entscheidungen in der Gesetzgebung und zur Formulierung politischer Ziele durch Regierungen und Parteien und damit zum Prozeß der öffentlichen Meinungsbildung bei. Die Frage nach der Qualität von Umfrageergebnissen und ihrer öffentlichen Darstellung kann also nicht mehr allein eine Angelegenheit des Wissenschaftssystems sein.
Die Denkschrift richtet sich daher sowohl an Wissenschaftler in Hochschulen und vergleichbaren Einrichtungen - wobei eine Verbesserung der universitären Ausbildung in der empirischen Sozialforschung gefordert wird - als auch an Institute der Markt- und Meinungsforschung sowie an Unternehmen, Journalisten und eine Vielzahl von Interessengruppen. Neben praktischen Fragen zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Befragungsarten, zur Gestaltung von Fragebögen, zu den Interviewern und der Stichprobenauswahl widmet sich die Denkschrift dem internationalen Vergleich, den Harmonisierungsbestrebungen in der europäischen Statistik, dem Thema Forschungsfreiheit und Datenschutz und den Problemen der Archivierung von Umfragedaten. Weil Datenarchive inzwischen differenzierte Informationen über Einstellungen und Verhaltensweisen der Bevölkerung im zeitlichen Verlauf bereithalten, muß man sich der Gefahr methodisch bedingter Fehler bewußt sein und sie unter Kontrolle bringen.

Die Autoren weisen auch darauf hin, daß es angesichts der Attraktivität und damit der zunehmenden Verbreitung der durch Umfragen gewonnenen Informationen durch die Massenmedien - insbesondere durch das Fernsehen - und der Öffentlichkeitswirkung dieser Ergebnisse unverzichtbar ist, Qualitätsstandards ebenfalls für die Berichterstattung über Ergebnisse der Umfrageforschung zu etablieren und durchzusetzen.

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Qualitätskriterien der Umfrageforschung
Quality Criteria for Survey Research
Denkschrift
Hrsg. Max Kaase
Akademie Verlag, Berlin
Preis: 64,-- DM

Weitere Auskünfte erteilt:
Prof. Dr. Max Kaase, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung,
Tel.: 030/25491-293/589, Fax: 030/25491-318
Mitglieder der Arbeitsgruppe

Hans Bertram, Professor für Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
Jürgen Chlumsky, Leiter des Instituts für Forschung und Entwicklung in der Bundesstatistik des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden (ständiger Gast der Arbeitsgruppe)
Michael Darkow, Geschäftsführer der GfK Fernsehforschung, Nürnberg
Lutz Erbring, Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin
Wolfgang G. Gibowski, stellvertretender Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Bonn (ständiger Gast der Arbeitsgruppe)
Klaus Haupt, geschäftsführender Gesellschafter der psyma GmbH in Rückersdorf sowie Vorsitzender des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM), Frankfurt am Main
Max Kaase (Vorsitz), Forschungsprofessor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Hans Mathias Kepplinger, Geschäftsführender Leiter des Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Allensbach am Bodensee
Ekkehard Mochmann, Geschäftsführer des Zentralarchivs für Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln
Peter Ph. Mohler, Direktor des Zentrums für Umfragen. Methoden und Analysen (ZUMA), Mannheim
Franz Urban Pappi, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Mannheim
Rolf Porst, Leiter der Feldabteilung am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), Mannheim (ständiger Gast der Arbeitsgruppe)
Bernhard von Rosenbladt, Geschäftsführer der Infratest Burke Sozialforschung, München
Heinz Sahner, Professor für Soziologie an der Universität Halle-Wittenberg
Hans-Willi Schroiff, Henkel Internationale Marktforschung, Düsseldorf
Erich Wiegand, Geschäftsführer des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM), Frankfurt am Main

An der Denkschrift haben weiter mitgewirkt, waren aber nicht Mitglieder der Arbeitsgruppe:

Siegfried Gabler, Leiter der Abteilung Statistik am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), Mannheim

Sabine Häder, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Statistik am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), Mannheim


Hinweis für Redaktionen
Redaktionen können ein kostenloses Rezensionsexemplar beim Pressereferat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Fax: 0228/885-2180 oder
Tel.: 0228/885-2210, anfordern.
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