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Workshop "Performance Contracting" im Technischen Weiterbildungszentrum Wolfenbüttel e.V.

16.07.1999 - (idw) Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

Wie können Städte und Kommunen in ihren Liegenschaften Energie einsparen ohne ihren Haushalt zusätzlich zu belasten? Die einfache Antwort: Performance Contracting (Energie-Einspar-Verträge) als Partnerschaft zwischen Städten bzw. Kommunen - evtl. unter Einbeziehung von Versorgungsunternehmen, Planern sowie dem örtlichen Handwerk - und einem zuverlässigen externen Contracting-Unternehmen.

Mit diesem Thema beschäftigten sich 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (vornehmlich aus Verwaltungen nord- und ostdeutscher Bundesländer und Gemeinden) im Rahmen eines Workshops im Technischen Weiterbildungszentrum Wolfenbüttel e. V. (An-Institut der Fachhochschule Braun-schweig/Wolfenbüttel) am 6. Juli 1999.

Als eines der ersten Modellprojekte des Bundes wird diese neue Form von Energieeinsparprojekten an der Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig seit 1998 erfolgreich praktiziert. Das Land Niedersachsen sowie niedersächsische Kommunen hinken dieser in anderen Ländern der Bundesrepublik bereits etablierten Entwicklung noch hinterher.

Performance Contracting bedeutet tatsächlich garantierte Energieeinsparung. Es geht nicht nur um Strom, Wärme- und Warmwasserversorgung, sondern um reale Verbrauchsreduzierungen beim Endverbraucher bis hin zum letzten Heizkörper und Thermostatventil. Wesentliches Element entsprechender Partnerschaften ist deshalb die mögliche Beteiligung des Auftraggebers an den erwirtschafteten Einsparungen.

Damit unterscheidet sich Performance Contracting wesentlich von sogenannten Wärmelieferungs- bzw. Betreiberlösungen, bei denen die beauftragten Firmen, häufig Anlagenbauer, Hersteller haustechnischer Komponenten aber auch Energieversorgungsunternehmen weiterhin an entsprechenden Umsätzen im Energie- und Medienverbrauch (Gas, Wasser, Fernwärme, Strom etc. ) interessiert sind: Strom- und Gasversorgungsunternehmen freuen sich im Grunde über jeden harten Winter. Zukünftig sollte man sich jedoch an den Dienstleistungen: "Behagliche Beheizung und Frischluftversorgung von x·m² Nutzfläche" und weniger an den verkauften Kilowattstunden Wärme bzw. Liter Heizöl oder Kubikmeter Erdgas orientieren.

Im Rahmen des Workshops berichtete Herr Dipl.-Ing. Dieter Liermann (Oberfinanzdiraktion Hannover) über die Erfahrungen mit dem Pilotprojekten zu Energieeinsparungen an der Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Das Verfahren bis zum Abschluß des Erfolgsgarantie-Vertrages zwischen einer Bundeseinrichtung und einem Contractor wurde unterteilt in drei Phasen (Grob-, Feinanalyse und Vertragsschluß) detailliert aufgezeigt.

Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff (Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel) stellte "Werkzeuge" zur Definition bzw. Bestimmung von Basisdaten (Base-line) für ein Projekt und Nutzungsänderungen während der Vertragslaufzeiten vor. Diese Instrumente sind um so wichtiger, je länger die Zeiträume des Contractings gewählt werden. Von der sicheren Datengrundlage für einen Vertrag profitieren beide Verhandlungspartner und der Umweltschutz.

Die Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Energieeinspar-Contracting erläuterte Dipl.-Ing. Willibald Lang (Siemens/Landis & Staefa) aus Sicht eines Anbieters. Auslöser seien meistens die fehlenden Finanzmittel der öffentlichen Haushalte. Performance-Contracting ist dabei ein Mittel zur Erschließung von bestehenden Potentialen, wenn der Vermögenshaushalt nicht belastet werden soll, da sämtliche Kosten aus dem Verwaltungshaushalt beglichen werden können.

Als Vertreter des Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen stellte Baudirektor Peter Rathert den Leitfaden des Bundes für Energiesparprojekte vor, der haushalts- und vertragsrechtliche Grundsätze behandelt sowie Vertragsmuster beinhaltet. Im Rahmen der CO2-Minderungspolitik der Bundesregierung soll dieser Leitfaden helfen, die Emission von jährlich 16 bis 24 Mio.t des Treibhausgases zu verhindern. Wie erfolgreich solche Projekte auch über die Vertragslaufzeit hinaus sein können, belegt das Beispiel der Stuttgarter Staatsgalerie. Die Einsparerfolge konnten auch nach dem Ende des Vertrages erzielt werden.

Das Hagener "Budget-Modell" geht noch einen Schritt weiter und verbindet Energieeinsparung mit Anlageninstandhaltung bei Kostenneutralität auf Basis der bisherigen Energiekosten. Auf die Initiative des Rates hat die Stadt Hagen eine strategische Zusammen-arbeit mit den Stadtwerken und einem privaten Unternehmen aufgenommen.

Die Sicht des Kreditgebers trug Claudia Scholle (Deutsche Bank AG) vor. Es wird, einer Studie zufolge, auf dem Contracting-Sektor bis 2008 ein kumuliertes Investitionsvolumen von über 150 Mrd. DM erwartet. Die Art der Finanzierung ist nicht entscheidend für die grundsätzliche Sinnhaftigkeit eines Projektes und spielt für die betriebswirtschaftliche Darstellung lediglich eine untergeordnete Rolle. Ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe von Mitteln ist die Solvenz des Kreditnehmers. Da öffentlich-rechtlichen Institutionen die höchste Bonität unterstellt werden kann, seien Finanzierungsvarianten (Forderungsankauf) beim Contracting zu empfehlen.

Der gemeinsame Tenor aller Referenten, Performance Contracting lohne sich und sei umsetzbar, wurde in den beiden Diskussionsrunden hauptsächlich in den Bereichen Vertragsgestaltung und Kreditaufnahme bzw. Neuverschuldung vertieft. Die anwesenden Teilnehmer trugen durch kritische Anmerkungen, Fragen und Ergänzungen zum informativen Gehalt und dem Praxisbezug des Wokshops bei. Ergänzend zur Belastbarkeit öffentlicher Haushalte wurde auf den Runderlaß des Niedersächsische Innenministeriums vom 8.11.1993 verwiesen, der Kreditaufnahmen für rentierliche Maßnahmen zur Energieeinsparung ohne Anrechnung auf das bestehende Kreditvolumen einer Körperschaft zuläßt bzw. regelt.

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