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Wertvolle mittelalterliche Handschriften erworben

16.07.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Universitäts- und Landesbibliothek Münster erhielt Psalter und Missale

Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat erneut zwei bedeutende mittelalterliche Handschriften aus Westfalen erworben. Es handelt sich dabei um liturgische Handschriften, ein Missale (Meßbuch) aus dem Jahr 1483 und einen Psalter (Gebetbuch) aus dem Jahr 1505. Die im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstörte Handschriftensammlung der ULB konnte damit auf inzwischen 93 Exemplare erweitert werden.

Von besonderem Interesse für die Forschung ist der Psalter. Denn aufgrund eines Vergleichsstückes, dem sogenannten Lamberti- Missale, vermutet Dr. Bertram Haller, Leiter der Handschriftensammlung der ULB, daß es sich hierbei um ein Exemplar handelt, das vor der Zerstörungswut der 1534 und 1535 in Münster herrschenden Wiedertäufer gerettet werden konnte. Der Psalter, der bisher der Forschung nicht bekannt war und dessen Herkunft sich nicht eindeutig nachweisen läßt, wäre damit die zweite Handschrift der ULB, die dem Bücher- und Bildersturm der Sekte entgangen ist. "Die Herkunft Münster ist zwar nicht gesichert, aber sehr wahrscheinlich", so Dr. Haller. Dafür spricht auch eine Gebetsanweisung, die auf eine vorübergehende Vertreibung des Konvents aus seiner Stadt schließen läßt.

Ein monumentales Beispiel der Buchmalerei des späten 15. Jahrhunderts ist das Meßbuch. Im Gegensatz zum Psalter ist es keine Neuentdeckung, es kann eindeutig der St. Godehard-Kapelle des Schlosses Niesen im Kreis Höxter zugeordnet werden. Der kalligraphische Schmuck und die aufwendigen Malereien machen es zu einem kunsthistorischen und liturgiegeschichtlichen Zeugnis von zentraler Bedeutung für die westfälische Kulturgeschichte. Es ist, soweit heute bekannt, das einzige Buch dieser Art, das im Bistum Paderborn erhalten geblieben ist.

Der Buchschmuck des Missale zählt zu den Erzeugnissen, die typisch sind für die Devotio moderna, eine Frömmigkeitsbewegung, die sich seit 1401 vom Haus der sogenannten Fraterherren in Münster nach Westfalen ausbreitete. Eine der Haupttätigkeiten der Brüder bestand im Abschreiben und in der Herstellung von Büchern. Sie beeinflußten auch das Augustiner-Chorherrenstift Böddeken, das als Herstellungsort für das Missale in Frage kommt.

Der Psalter stammt wahrscheinlich direkt aus dem Skriptorium der münsterschen Fraterherren. Dafür spricht die Ähnlichkeit mit dem Lamberti-Missale - so gibt es beispielsweise nur ornamentale, keine bildlichen Verzierungen, die Fraterherren verzichteten fast vollständig auf Goldschmuck -, das ganz offensichtlich aus dieser Werkstatt stammt. Bisher konnte allerdings der im Psalter genannte Schreiber Hermann von Unna nicht identifiziert werden, sein Name ist nicht im Totenverzeichnis der Fraterherren zu finden.

Der Erwerb der beiden Handschriften, die zusammen 340.000 Mark gekostet haben, wurde durch die Unterstützung mehrerer Ministerien und Stiftungen möglich. Der Löwenanteil von 120.000 Mark wurde bei der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung eingeworben, darüber hinaus beteiligten sich die beiden Ministerien für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Kunst und Kultur des Landes, das Bundesinnenministerium und die Kulturstiftung der Länder an dem Ankauf, der somit den Haushalt der ULB nicht belastet.

Hinweis an die Redaktionen: Fotos können im Sekretariat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Krummer Timpen 3-5, 48149 Münster, Tel: 0251/832-40 21, angefordert werden.
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