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Deutsch-französische Expedition mit der "Polarstern" geht erfolgreich zu Ende

16.07.1999 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Tiefseefahrzeug tauchte 19 Stunden in 5552 Meter Wassertiefe

Am 19. Juli beendet das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" in Tromsø den ersten Teil seiner diesjährigen Arktisexpedition. Erstmals setzten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in enger Zusammenarbeit mit französischen Kollegen in der Arktis ein ferngesteuertes Tiefseefahrzeug ein. Das französische System "Victor 6000" tauchte, von Bord "Polarstern" aus gesteuert, 19 Stunden in 5552 Meter Wassertiefe im Molloy Deep zwischen Grönland und Spitzbergen, der tiefsten Stelle des Arktischen Ozeans. Noch nie hat ein solches Tiefseefahrzeug so lange ununterbrochen in dieser Wassertiefe gearbeitet.
Das AWI und das französische Meeresforschungsinstitut IFREMER (Institut Francais de Recherche pour l'Exploitation de la Mer) werten die Expedition als vollen Erfolg. Der französische Projektleiter, Marc Nokin, freut sich: "Die exzellente Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und dem französischen Team machte diese Expedition zu einem Erfolg, der den Weg für zukünftige Untersuchungen öffnet." Der Biologe Dr. Michael Klages vom Alfred-Wegener-Institut ist nach den ersten aufregenden Experimenten begeistert: "Diese Art von Instrumentarium bringt uns, davon bin ich jetzt fester denn je überzeugt, einen riesigen Schritt nach vorn."

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Expedition war die biologische Tiefseeforschung. Man weiß heute, daß der Meeresboden auch in großen Tiefen keine öde Schlamm- oder Sandwüste ist. In völliger Dunkelheit, bei eisigen Temperaturen und hohem Druck findet sich eine erstaunliche Lebensvielfalt. Viele dieser Organismen sind noch unbekannt. In den letzten Wochen haben die AWI-Wissenschaftler den Anfang gemacht, mit gezielten Experimenten das arktische Tiefseeleben zu erforschen. Da ein Tiefseeökosystem nicht innerhalb kurzer Zeit entschlüsselt werden kann, wurde westlich von Spitzbergen ein Testfeld mit Langzeitversuchen ("Hausgarten") angelegt. Dieses Gebiet soll in den kommenden Jahren wiederholt aufgesucht werden. Voraussetzung dafür ist, daß die erfolgreiche und in bester Arbeitsatmosphäre gelungene Kooperation auch in Zukunft weitergeführt werden kann. Die AWI-Wissenschaftler haben zusammen mit den französischen Kollegen bereits an Bord neue Ideen entwickelt, die auch Einsatzmöglichkeiten des Tiefseefahrzeugs in anderen Disziplinen wie zum Beispiel der Geologie und Ozeanographie einschließen.

Während der 27tägigen Reise fanden fünf ausgedehnte Tauchgänge an vier Positionen statt: westlich von Spitzbergen, Wassertiefe 2500 Meter; im Molloy Deep, Wassertiefe 5552 Meter; im Hayes Deep (in der Nähe des Molloy Deep), Wassertiefe 3700 Meter; vor Ostgrönland, Wassertiefe 3150 Meter. Das ferngesteuerte Tiefseefahrzeug kann sich am Meeresboden aktiv und zielgerichtet bewegen. Von mehreren Kameras dirigiert, haben die Wissenschaftler mit verschiedenen Greifarmen und Meßgeräten operiert und gezielt Organismen, Sediment oder Wasserproben entnommen und Meßgeräte und Langzeitversuche installiert. Geradezu aufregend waren die ersten Experimente am Tiefseeboden: Von Fischen, die als Köder ausgelegt waren, fanden sich nach zwei Stunden nur noch die Gräten. Zahllose Aalmuttern und dunkelrote Krebse hatten sich sattgefressen. Da die Wissenschaftler diese Tiere sonst nur selten auf den Fernsehschirmen sahen, spekulieren die Biologen nun darüber, wie die unterschiedlichen Bodenbewohner diese Futterquelle bei völliger Finsternis gefunden haben.

In Tromsø werden "Victor 6000" und 105 Tonnen Zubehör entladen. "Polarstern" wird für den zweiten Fahrtabschnitt und die geophysikalischen Arbeiten vor Grönland umgerüstet und verläßt Tromsø am 21. Juli.

Bremerhaven, den 16. Juli 1999

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