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Streßfreie Streßmessung bei Nutztieren

19.07.1999 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Nicht nur der moderne Großstadtmensch leidet unter Streß, auch landwirtschaftliche Nutztiere bleiben in vielen Lebenssituationen nicht davon verschont. Um im Sinne des Tierschutzes unnötigen Streß zu vermeiden, muß zunächst ermittelt werden, welche Situationen in welchem Maße für die Nutztiere stressig sind. Dafür ist an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) jetzt ein Gerät entwickelt worden, mit dem sich die Konzentration der Streßhormone im Blut messen läßt, ohne die Tiere durch die Probenahme selbst zu stressen.


Mit dem Rucksack auf die Weide: Die mobile Streßmessung im praktischen Einsatz. Jeder kennt das Phänomen aus eigener Erfahrung, wenn der Arzt mit der Spritze kommt oder der Zahnarzt mit dem Bohrer: Die Stirn wird feucht, der Puls geht schneller - kurz: die Situation wird ausgesprochen stressig. Der Grund dafür ist die rasche Ausschüttung von Streßhormonen ins Blut. Nutztiere reagieren hier nicht anders als Menschen. Will man also Streß anhand der biochemischen Parameter im Blut messen, so ist eine schmerzfreie Probenahme die wichtigste Voraussetzung. Ansonsten läuft man Gefahr, die Ergebnisse durch die Messung selbst zu verfälschen.

Dieses Problem vor Augen wurde am FAL-Institut für Tierzucht und Tierverhalten zunächst ein stationäres System zur automatischen Blutentnahme entwickelt, das die fortlaufende Probengewinnung über einen längeren Zeitraum in ausreichender Distanz zum Tier erlaubt. Trotz problemloser Funktion hat es als ortsgebundene Anlage den Nachteil, daß sich die Tiere nicht frei bewegen können und deshalb eine natürliche Gruppenhaltung nicht möglich ist. So wurde versucht, dieses System so anzupassen, daß es unmittelbar am Tier fixiert werden kann.

Das jetzt konstruierte Gerät hat die Ausmaße einer größeren Zigarrenkiste und wiegt unter 3 Kilo. Natürlich muß auch hier das Tier zur Probenahme noch "gepiekst" werden. Nachdem dies aber geschehen und das Gerät in Betrieb ist, arbeitet es über mehrere Stunden, ohne daß die Tiere durch weiteren menschlichen Zugriff beeinträchtigt werden. Durch eine spezielle Schlauchpumpe, die die Pulsation des Blutes ausgleicht, wird das Blut gleichmäßig angesaugt und in Sammelröhrchen deponiert. Acht dieser Gefäße befinden sich in einem Trommelmagazin und werden im Laufe eines Versuches nacheinander beschickt. Ein mit Trockeneis bestücktes Kühlfach übernimmt die Konservierung des Blutes bis zur manuellen Entnahme der Röhrchen. Gerinnungs-Hemmstoffe sorgen für einen kontinuierlichen Blutfluß und minimieren das Risiko einer Thrombose. Die Energieversorgung für Mechanik und Schaltung erfolgt über vier konventionelle Standardbatterien. Gerät und Steuerelektronik sind in speziell angefertigten Körperabdeckungen verstaut und gegen mechanische Beschädigungen weitgehend geschützt.

Mit dem neuen Verfahren kann das Problem der belastungsfreien Blutentnahme als generell gelöst angesehen werden. Wegen des hohen technischen Aufwands dürfte die Methode aber wohl nur Spezialprojekten vorbehalten bleiben.


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