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Die neuesten Gärtnergehilfen sind Roboter

20.07.1999 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

BBA-Projekt erfolgreiches Beispiel für Technologietransfer

Ein Gartenbaubetrieb mit mehreren großen Gewächshäusern: Gurkenpflanzen ranken sich im warmen Klima übermannshoch nach oben. Während in einem der Häuser ein Gärtner - schwitzend und in Schutzkleidung gehüllt - Pflanzenschutzmittel ausbringt, ist das benachbarte Gewächshaus menschenleer. Plötzlich setzt sich dort eine Maschine in Gang, fährt langsam die Gänge auf und ab und versprüht selbsttätig feinste Tropfen in die Bestände.


Der Sprühroboter 'Applimate': Links die Basisstation mit dem Spritzmitteltank, rechts das Satellitenfahrzeug mit senkrechtem Spritzgestänge. "Unser Sprühroboter orientiert sich an den Heizungsrohren im Gewächshaus", erklärt Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Wygoda von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) das Treiben. "Er fährt darauf wie auf einer Schiene." Das Gerät ist entwickelt worden, um den Gartenbaubetreibern eine anstrengende und unangenehme Arbeit abzunehmen. "Pflanzenschutzmittel werden im Gemüse und Zierpflanzenbau im Gewächshaus überwiegend noch von Hand ausgebracht", beschreibt Dipl.-Ing. Siegfried Rietz von der BBA-Fachgruppe für Anwendungstechnik in Braunschweig den Hintergrund. "Das ist nicht nur sehr arbeitsintensiv, auch die genaue Dosierung und Verteilung ist nur schwer möglich. Im Wein- und Obstbau werden schon seit Jahrzehnten Geräte mit Luftunterstützung verwendet; mit dieser Entwicklung hat der Anbau im Gewächshaus nicht schrittgehalten."

Über mehrere Jahre tüftelten Wygoda, Rietz und Mitarbeiter an dem Problem. Gerade Gurken mit ihrem dichten, überlappenden Blattwerk machen eine Applikation von Spritzmitteln schwierig. Schaderreger sitzen häufig auf der Blattunterseite und sind damit gut geschützt. Doch den Ingenieuren war klar: Luft öffnet den Pflanzenbestand. Sie experimentierten mit verschiedenen Spritzdüsen, Ventilatoren und Modellflugzeugmotoren und tasteten sich so schrittweise an die Anforderungen heran, die ein Gerät erfüllen mußte. In Kooperation mit einem mittelständischen Braunschweiger Maschinenbauunternehmen und mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entstand auf diese Weise der Sprühroboter 'Applimate'. Pflanzenschutzmittel werden hiermit nicht einfach von oben auf die Pflanzen ausgebracht - ein Luftstrom wirbelt die Blätter hoch und bläst feinste Tröpfchen gleichmäßig in den Bestand. "Während beim Spritzen ohne Luftunterstützung nur ein Achtzigstel der Wirkstoffmenge auf die Blattunterseite kommt," so Hans-Jürgen Wygoda, "erreichen wir beim Spritzen mit Luftunterstützung eine fast gleichmäßige Benetzung der Blätter."

Der Sprühroboter besteht aus einer Basisstation, die ein sogenanntes Satellitenfahrzeug mit Energie und Spritzflüssigkeit versorgt. Dieser Satellit fährt durch die Reihen und behandelt die Pflanzen mit einem schwenkbaren, senkrecht stehenden Spritzgestänge, dessen Arbeitshöhe zwischen 2m und 4m eingestellt werden kann. Eine bis zu 100m lange Schlauchleitung schafft die Spritzmittel aus der Basisstation heran. Der dort befindliche Tank ist für die Behandlung von 0,5 bis 1 ha Anbaufläche ausgelegt.

Auf der Gartenbau-Fachmesse NTV in Amsterdam ist der 'Applimate' zum ersten Mal einem größeren Fachpublikum präsentiert worden. Weitere Untersuchungen sind geplant, um das Gerät noch praxistauglicher zu machen und um genauere Angaben zum Einsparungspotential von Wirkstoffen durch die verbesserte Ausbringung zu bekommen. Hans-Jürgen Wygoda ist davon überzeugt, daß sich der Roboter für größere Betriebe langfristig rechnet. Vor allem aber ist er von der Umsetzung der technischen Idee in die Praxis begeistert: "Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Technologietransfer. Entwickelt von angewandt arbeitenden Forschern, realisiert durch ein Unternehmen der freien Wirtschaft und hoffentlich bald nachgefragt von zahlreichen Betrieben aus der gartenbaulichen Praxis."

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