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Inspecting Germany - Ethnologen auf Kriegspfad im Innersten Deutschlands

21.07.1999 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Inspecting Germany - Ethnologen auf Kriegspfad im Innersten Deutschlands


Internationale Tagung zur kultur- und sozialanthropologischen Deutschlandforschung vom 14. bis 18. September 1999

Eine Meinung über Deutschland bilden sich viele Menschen im Ausland tagtäglich, wenn sie Zeitung lesen, fernsehen oder miteinander sprechen. Darüber hinaus wird Wissen über unser Land von Germanisten, Politologen, Historikern, Soziologen und anderen akademischen Disziplinen gesammelt. Nur die ethnologische Methode der langandauernden Feldforschung zur Alltagskultur wurde in Deutschland bis vor wenigen Jahren sehr selten angewendet, obwohl sie - vor allem, was die Länder der Dritten Welt angeht - zum Verständnis menschlicher Kultur und der Kultur einzelner Nationen immer wieder bedeutende Beiträge geliefert hat. Es wirkte manchmal so, als wollte man sich diese sehr distanzierte und zugleich in peinliche Detail gehende Betrachtung in Deutschland nicht gerne zumuten lassen.

Inzwischen hat sich einiges geändert: Eine neue Generation von Forscherinnen und Forschern hat seit Mitte der achtziger Jahre und verstärkt seit der deutschen Vereinigung 1990 in dem Land geforscht, das mit Interesse und Mißtrauen als ein zentraler Faktor der Europäischen Union und der europäischen Ost-West-Integration betrachtet wird. Gleichzeitig brachte die Entwicklung Deutschlands zur multikulturellen Gesellschaft eine Fülle von Studien über die Situation von ethnischen Minderheiten und Flüchtlingen in Deutschland mit sich, die oftmals von Angehörigen dieser Minderheiten oder von Vertretern der Ethnologie oder Kulturanthropologie der Entsenderländer durchgeführt wurden.

Die Tagung "Inspecting Germany", an der Forscherinnen und Forscher aus etwa 20 Nationen teilnehmen werden, wird die erste Regionalkonferenz dieser neuen internationalen kultur- und sozial-anthropologischen Deutschlandforschung sein. Sie soll zum einen eine breitere deutsche Wissenschaftsöffentlichkeit mit Forschungsinteressen und -ergebnissen der seit der deutschen Vereinigung zunehmenden ausländischen Deutschlandethnographie bekanntmachen, zum anderen einen Dialog mit Vertretern der deutschen Völker- und Volkskunde soll in Gang setzen - eine Rückkoppelung von Fremderkenntnissen über Deutschland, die für beide Seiten lehrreich bis brisant werden dürfte.

Bei der Sichtung der Forschungslage im Vorfeld der Tagung wurde schnell deutlich, daß zwei große Richtungen der Deutschlandbetrachtung bestehen: Die eine nimmt Deutschlands als zwar fremde, aber doch ganz "normale" Nation, deren spezifische ökonomische Probleme, politische Rituale, Gewohnheiten und Ticks, Generations- und Integrationsproblemen es kennenzulernen gilt. Die andere Forschungsrichtung inspiziert Deutschland vor allem im Hinblick auf die nationalsozialistische Vergangenheit, ihr Fortwirken und ihre Überwindung. Nachdem die Goldhagen-Debatte das Thema noch einmal massiv und in sehr provozierender Weise vorgestellt hatte, werden nun Ethnologen, die tief in die deutsche Alltagskultur eingetaucht sind, zu diesem Problemkreis Stellung beziehen. Sie werden über Fragen sprechen, die sich nicht nur die Deutschen, sondern auch viele Menschen in Europa, Asien und Übersee immer wieder stellen: Wie stabil ist die deutsche Kultur, wie stark ist sie noch dem Rassismus und anderen Mustern der Ausschließung von Minderheiten verhaftet? Gibt es eine deutsche Mentalität, und in welcher Richtung entwickelt sie sich? In acht Sektionen werden Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte ausführlich mit Feldforschern und Feldforscherinnen diskutieren können. In Nachmittagssitzungen werden die Ergebnisse gemeinsam bearbeitet und in vier Abendsitzungen durch Einzelvorträge prominenter Deutschlandforscher sowie Podiumsdiskussionen ergänzt.

Für den 10.9.1999 um 11 Uhr laden die Organisatoren der Tagung zu einer einführenden Pressekonferenz auf Schloß Hohentübingen ein. Am 17.9. um 18 Uhr stehen einige profilierte Redner und Rednerinnen der Tagung und die Organisatoren im Tübinger Schloß zu einem resumierenden Pressegespräch zur Verfügung.

Veranstalter: Institut für Ethnologie und Ludwig-Uhland.-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen.

Plenumssitzungen: Großer Hörsaal Alte Anatomie, Österbergstraße 3

Sektionssitzungen: Schloß Hohentübingen

Anmeldungen und Nachfragen über das Tagungsbüro:
Inspecting Germany, Institut für Ethnologie, Schloss, 72070 Tübingen
Fax ++49-7071-294995
Email: inspectinGermany@uni-tuebingen.de

Das Programm der Tagung findet sich im WWW unter:
http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pm/pm260.html
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