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Gemeinsam an einem Tisch: Produktionssystemplanung im Team

21.07.1999 - (idw) Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Die besten Lösungen für komplexe und unscharfe Problemstellungen sind oft das Ergebnis einer erfolgreichen interdisziplinären Zusammenarbeit. Für die Produktionssystemplanung haben Torsten Aschekowski, Kilian Grefen und Ralf von Briel vom Fraunhofer IPA eine teambasierte, interaktive Kommunikationsplattform entwickelt, die die verschiedensten Experten an einen Tisch bringt.

Durch Teamarbeit in Unternehmen kann die Effizienz gesteigert werden. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die durch das Team zu lösenden Aufgaben zu komplexen, unscharfen Entscheidungssituationen führen. Ein typischer Fall ist die Planung von Produktionssystemen: Hier werden mittel- bis langfristige Strukturen in Unternehmen festgelegt. Die Lösung dieser Aufgabe bedarf eines vielschichtigen Know-how und der Berücksichtigung von schwer zu fassenden, interdependenten Rand- und Rahmenbedingungen.

Trotzdem überwiegt in der heutigen Planung von Produktionssystemen die Einzelarbeit, die nur durch gelegentliche Zusammenkünfte und Planungsmeetings unterbrochen wird. Eine durchgängige, gemeinsame Arbeit an einem Modell und die sofortige Übernahme und Bewertung der Ergebnisse in den Planungsmeetings ist bis heute eher selten.

Aus diesem Grund hat das Fraunhofer IPA in Zusammenarbeit mit dem Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart (IFF) und der ETH Zürich einen Planungsansatz erarbeitet, das eine durchgängig teambasierte Planung ermöglicht und gleichzeitig die Vorteile bestehender, auf Einzelarbeit ausgerichteter Systeme nutzt.

Dieser geänderte Planungsansatz basiert auf einer von der ETH-Zürich entwickelten neuartigen Benutzerschnittstelle, die mit Hilfe einer modernen Bilderkennungs- und Präsentationstechnik die Beschränkung der Einzelarbeitsplätze aufhebt. Alle betroffenen Mitarbeiter können mit den Planungs- und Fachexperten im Team an einem herkömmlichen Tisch, in einem gemeinsamen Planungsbereich die Anzahl und Anordnung von Maschinen, Anlagen und Bereichen interaktiv festlegen und sich mittels einer fiktiven Kamera im geplanten dreidimensionalen Raum bewegen.

Parallel dazu wird im Hintergrund ein DV-Modell des geplanten Bereichs berechnet, das unmittelbar an gängige CAD- und Materialfluß-Programme übergeben wird und sofort die Auswirkungen der gemeinsamen Änderungen darstellt. Darüber hinaus ermöglicht das Modell die fachspezifische Detaillierung und stellt gleichzeitig sicher, daß kein Informationsverlust zwischen der gemeinsamen Arbeit im Team und der Einzelarbeit durch die Fachspezialisten entsteht. Vorbereitete Teilmodelle aus der Kapazitäts-, Flächenbedarfs- und Lagerplanung können direkt an das System übergeben werden, was die verlustfreie Informationsweitergabe von Vorarbeiten in die Teamarbeit ermöglicht.

Durch diesen teambasierten, interaktiven Planungsansatz werden die Zeitverluste in der Planung von Produktionssystemen deutlich reduziert und die Akzeptanz des Planungsergebnisses durch die Fachspezialisten erhöht. Dies führt nicht zuletzt aufgrund einer verbesserten Abstimmung der Teilpläne auch zu einer Reduktion der Kosten für die gewählte Planungsvariante.

Für dieses Konzept und ihren Planungstisch wurden Torsten Aschekowski, Ralf von Briel und Kilian Grefen mit dem Fraunhofer IPA "Innovationspreis 1999" ausgezeichnet. Sie belegten bei diesem jährlichen, institutsinternen Innovationswettbewerb den Ersten Platz. Die Preisverleihung fand am 30. Juni im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40jährigen Institutsjubiläum statt.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung
Dipl.-Ing. Torsten Aschekowski, Telefon 0711/970-1159, Telefax 0711/970-1009, e-mail tka@ipa.fhg.de
Dipl.-Kfm. Ralf von Briel, Telefon 0711/970-1171, Telefax 0711/970-1009, e-mail rvb@ipa.fhg.de
Dipl.-Ing. Kilian Grefen, Telefon 0711/970-1234, Telefax 0711/970-1005, e-mail kig@ipa.fhg.de


Fraunhofer IPA Innovationspreis 1999

"Innovationen sind erst dann erfolgreich, wenn sie schon in der konzeptionellen Phase Praxisbezug und eine gewisse Marktnähe aufweisen. Nur dann ist gewährleistet, daß Innovationsaktivitäten nicht in die falsche Richtung oder in eine Sackgasse laufen", betonen die Institutsleiter des Fraunhofer IPA, Prof. Engelbert Westkämper und Prof. Rolf Dieter Schraft. Um dem Kriterium Praxisnähe noch stärkeres Gewicht zu verleihen, als sie es für ein industrienahes Institut für angewandte Forschung ohnehin schon hat, beurteilten dieses Jahr erstmals drei externe Juroren die vorgestellten Entwicklungen für den Fraunhofer IPA "Innovationspreis 1999". Neben Prof. Peter Scharf von der Universität Siegen, der bereits in den letzten Jahren der Jury angehörte, stellten sich Dr. Albrecht Köhler von DaimlerChrysler Aerospace und Dr. Berend Oberdorfer von der Deutschen Bank zur Verfügung

Folgende drei Innovationen wurden ausgezeichnet:

1. Preis: Teambasierte interaktive Planungsumgebung
("Planungstisch")
von Torsten Aschekowski, Ralf von Briel und Kilian Grefen

2. Preis: Planung und Steuerung dezentraler Produktionsstrukturen mit dem 3Liter-PPS®-Konzept
von Pit Löllmann und Ulrich Färber

3. Preis: Ein modulares Baukastensystem für autonome Kletterroboter ("Animated Ads")

von Gernot Schmierer

Der Preis wird seit 1993 jährlich vergeben. Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter des Fraunhofer IPA und seines Schwesterinstituts an der Universität Stuttgart, des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF), können sich mit aktuellen Forschungsarbeiten um den Preis bewerben. Drei externe Gutachter, die drei Fraunhofer IPA Bereichsleiter sowie je ein unabhängiger Abteilungsleiter aus jedem Bereich beurteilen die eingereichten Arbeiten unter anderem nach den Kriterien "Kundennutzen", "Kreativität des Lösungsansatzes" und methodisch-wissenschaftliche Vorgehensweise bei der Problemlösung.
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