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Uni Mannheim führt Bachelor-Studiengänge in den Geisteswissenschaften ein

21.07.1999 - (idw) Universität Mannheim

Zum Wintersemester 1999/2000 wird die Universität Mannheim in den Geisteswissenschaften den Bachelor of Arts / Bakkalaureus Artium (B.A.) einführen. Als Kernfächer werden in Mannheim zunächst Anglistik, Europäische Geschichte, Französisch, Geographie, Germanistik, Gesellschaftsgeschichte der Neuzeit, Italianistik und Slavistik angeboten.

Reformen machen auch vor Studiengängen nicht halt. Zum Wintersemester 1999/2000 wird die Universität Mannheim in den Geisteswissenschaften den Bachelor of Arts / Bakkalaureus Artium (B.A.) einführen. In vorerst acht Fächern sollen die Studierenden nach nur sechs Semestern einen ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss erreichen. Anders als der klassische Magister-Studiengang mit seinen drei Fächern konzentriert sich der Mann-heimer B.A. in der disziplinären wissenschaftlichen Ausbildung auf nur ein Kernfach, das durch neu konzipierte Module in einem Nebenfach sowie weitere Module ergänzt wird. Im Kernfach wird damit trotz der kürzeren Studienzeit ein vergleichbares wissenschaftliches Niveau wie im Hauptfach des Magisterstudienganges gewährleistet. Als Kernfächer werden in Mannheim zunächst Anglistik, Europäische Geschichte, Französisch, Geographie, Germanistik, Gesellschaftsgeschichte der Neuzeit, Italianistik und Slavistik angeboten. Der Mannheimer B.A. ist Teil eines von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung geförderten Modellversuches "Modularisierung in den Geisteswissenschaften", an dem neben Mannheim die Universitäten Bochum, Frankfurt am Main, Greifswald und Regensburg beteiligt sind.

"Im Vordergrund unserer Planungen stand, dass wir an dem bisherigen hohen Niveau in der fachwissenschaftlichen Ausbildung festhalten und trotzdem kürzere Studienzeiten erreichen wollen", erläutert der zuständige Prorektor Prof. Dr. Meinhard Winkgens das Mannheimer Modell. Das Studium ist in größere Studienbausteine, den sogenannten Modulen, organisiert, in denen Veranstaltungen eines methodischen oder inhaltlichen Bereichs zu-sammengefasst sind. "Damit wird im Kernfach bereits mit dem B.A.-Abschluss das Niveau des bisherigen Hauptfaches im traditionellen Magi-ster- oder Lehramtsstudiengang erreicht. Bei Weiterführung zum ebenfalls neuen Master of Arts wird es sogar noch übertroffen" ist sich Winkgens sicher. "Der Mannheimer B.A. ist kein 'Abbrecherzeugnis', sondern eine Neukonzeption ohne Abstriche bei der wissenschaftlichen Qualität."

Für die B.A.-Studiengänge haben die teilnehmenden Fächer ihr Studienangebot in einer modularisierten Form organisiert. Ziel dabei ist es, die Lehr-veranstaltungen stärker als bisher aufeinander abzustimmen. Das Kernfach des Mannheimer Modells umfasst sieben Module, von denen eines als Praktikum zu absolvieren ist und ein weiteres mit der B.A.-Arbeit erbracht wird, für die sechs Wochen zur Verfügung stehen. Als Kernfach können Anglistik / Amerikanistik, Europäische Geschichte, Französisch, Geographie, Germanistik, Gesellschaftsgeschichte der Neuzeit, Italianistik und Slavistik gewählt werden.

Neben dem Kernfach belegen die Studierenden im sogenannten Ergänzungsbereich ein neu strukturiertes Nebenfach aus dem gleichen Fächerka-non und wählen darüber hinaus aus einem interdisziplinären Angebot Module, die einen größeren Praxisbezug vermitteln sollen. Zu diesen sogenannten "social-skills-Modulen" gehören etwa Präsentationstechniken, EDV und Medienpraxis. Winkgens: "Wir wollen dadurch den Absolventen gei-steswissenschaftlicher Studiengänge Kompetenzen vermitteln, die heute neben dem Fachwissen am Arbeitsmarkt verlangt werden, aber bislang nicht verpflichtender Bestandteil der universitären Ausbildung waren."

Zusammen mit den neuen Studiengängen wird ein neues Prüfungssystem eingeführt. Entscheidend ist hier nicht mehr die eine große Prüfung am Ende des Studiums, bei deren Note die Leistungen aus der Studienzeit keine Rolle spielen. Zukünftig sollen studienbegleitende Prüfungen die Ab-schlussphase des Studiums entlasten und den Studierenden die Angst vor der letzten Prüfung nehmen. Im Mannheimer Modell gehen die Abschluss-arbeit und die mündliche Abschlussprüfung nur noch mit jeweils 20 Prozent in die Endnote ein. 60 Prozent der Note werden bereits während des Studi-ums durch Seminararbeiten, Klausuren oder mündliche Prüfungen erarbeitet.

Um den Wechsel ins Ausland zu erleichtern, werden schließlich in Anlehnung an das European Credit Transfer System den einzelnen Veranstaltungen Kreditpunkte zugewiesen, die den mit einer Veranstaltung verbundenen Arbeitsaufwand ausdrücken. Ein Seminar mit hoher Eigenleistung bekommt dabei mehr Punkte zugewiesen als eine Vorlesung, für die nur wenig eigener Aufwand betrieben werden muß. Bis zum B.A. müssen insgesamt 180 Credits erlangt werden. Das System bedeutet für die Studierenden ein erhöhtes Maß an Transparenz und erleichtert die Studienplanung. Bei einem Hochschulwechsel können die erbrachten Leistung sehr viel einfacher angerechnet werden. Die erbrachten Credits werden an zentraler Stelle registriert, Studierende können sich jederzeit durch einen "Kontoauszug" informieren, wie viele davon sie bereits erbracht haben und wie viele ihnen noch fehlen.

Der Bachelor of Arts hat in Deutschland, anders als in den meisten anderen und insbesondere in den angelsächsischen Ländern, keine akademische Tradition. Erst in den letzten Jahren entstanden zunehmend Kurzzeitstudiengänge, in erster Linie in den Naturwissenschaften. Im Wintersemester 1999/2000 wird es erstmals ein breites Angebot an B.A.-Studiengängen in den Geisteswissenschaften geben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mit dem Bachelor soll den langen Studienzeiten in den Geisteswissenschaften entgegengetreten werden, mit dem darauf aufbauenden Master of Arts können Studierende in Deutschland zudem international übliche Studienabschlüsse erwerben. Ein wesentlicher Grund ist auch, dass der traditionelle Magister-Studiengang, der neben dem Lehramt die zweite Säule der Geisteswissenschaften ist, in mancher Hinsicht den Erwartungen nicht gerecht geworden ist. Die Hochschulstrukturkommission des Landes Baden-Württemberg hatte sich in ihrem Abschlussbericht daher auch dafür ausgesprochen, den Magister mittelfristig durch die gestuften Studiengänge Bachelor und Master zu ersetzen. Dem Mannheimer Modell kommt vor diesem Hintergrund besondere Relevanz zu.

Kontakt:

Prof. Dr. Meinhard Winkgens, Prorektor
Tel. 0621/292- 3005 und -5657

Almut Steinbach (steinbach@rektorat.uni-mannheim.de)
Barbara E. Oehl (oehl@rektorat.uni-mannheim.de)
Universität Mannheim
BLK-Verbundprojekt Modularisierung
Rektorat
Schloß
68131 Mannheim
Tel. 0621/292-3535
Fax. 0621/292-2587
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