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Die gerade noch funktionierende Bibliothek der Universität Potsdam wird kaputtgespart. ...

18.04.2002 - (idw) Universität Potsdam

Der Fakultätsrat der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam verabschiedete eine Resolution zur Situation der Bibliothek der Hochschule. Wir geben Sie Ihnen hiermit zur Kenntnis:


Die gerade noch funktionierende Bibliothek der Universität Potsdam wird kaputtgespart. Wissenschaftslandschaft Potsdam vor dem Aus?
Der Fakultätsrat der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam wendet sich in großer Sorge an die Verantwortlichen des Landes Brandenburg und an die Öffentlichkeit:
Seit Gründung der Universität Potsdam im Jahr 1991 wurde eine Bibliothek aufgebaut, die gerade noch den Mindestanforderungen eines modernen Lehr- und Forschungsbetriebs genügt. Wie sich jetzt herausstellt, wurden in den vergangenen Jahren für den laufenden Betrieb im Wesentlichen Mittel eingesetzt, die eigentlich für den Aufbau der Bibliothek, das heißt für den Nachkauf fehlender Zeitschriftenjahrgänge und für die Beschaffung eines ausreichenden Buchbestands, bestimmt waren. Wie dem Land schon seit langem bekannt sein musste, fallen diese Mittel (50 Prozent vom Bund und 50 Prozent vom Land Brandenburg) ab dem kommenden Jahr ersatzlos weg.
Statt sich über die jahrelange Bundesunterstützung des laufenden Betriebs zu freuen und jetzt endlich eine ausreichende Finanzierung bereitzustellen, versucht das Land anscheinend ein weiteres Sparmanöver, mit dem die Universitätsbibliothek als wesentliches Arbeitsmittel von Studierenden und Forschern abgeschafft werden soll. Nach den bisherigen Finanzierungsdaten müssten praktisch alle Zeitschriften abbestellt werden, so dass auch der
bisher mögliche elektronische Zugang ersatzlos wegfiele. Stattdessen werden wir auf die Beschaffung einzelner Artikel zu hohen Kosten, mit erheblichem Zeitaufwand und mit großen Verzögerungen verwiesen. Damit verliert die Universität Potsdam in allen Fächern ihre Konkurrenzfähigkeit. Eine gut ausgestattete und funktionierende Bibliothek bildet den Kern
einer Universität. Wenn dieses wichtige Element in der akademischen Lehre und Forschung wegfällt, begibt sich die Universität auf das Niveau eines Entwicklungslandes, mit katastrophalen und langfristig spürbaren Auswirkungen für alle an der Universität arbeitenden Wissenschaftler sowie für ihre Absolventen. Schon jetzt ist ein gutes Arbeiten mit der erforderlichen Fachliteratur, wie man es von anderen Hochschulen im In- und Ausland gewohnt ist, gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich. Der mühsam erworbene gute Ruf der Universität Potsdam als einer kleinen, aber sehr leistungsfähigen und einigermaßen vernünftig ausgestatteten Universität wird somit leichtfertig zerstört.
Wie kann von der Universität verlangt werden, eine leistungsabhängige Mittelverteilung durchzuführen, die die Publikationstätigkeit wesentlich mit berücksichtigen muss, wenn die entsprechenden Zeitschriften an der Universität Potsdam gar nicht mehr vorhanden sein werden? Wie sollen die Forscher der Universität im kooperativen Wettbewerb mit den Berliner Hochschulen und mit den zahlreichen hochkarätigen Forschungsinstituten der Region mithalten, wenn ihnen ein notwendiges Arbeitsmittel weggenommen wird? Wie soll die Universität Potsdam ohne die bisherige Minimalausstattung ihrer Fachbibliotheken überhaupt noch gute Studenten und Professoren gewinnen?
Daher fordern wir die verantwortlichen Politiker des Landes Brandenburg mit Nachdruck auf, ihren Sonntagsreden vom Vorrang der Wissenschaft und Forschung endlich Taten folgen zu lassen und die mit großem Einsatz aufgebaute Minimalbibliothek unserer Universität weiterhin im erforderlichen Maß, das heißt einschließlich der nicht von uns zu vertretenden Preissteigerungen, zu finanzieren. Es ist sofortiges Handeln erforderlich, da im Vorgriff auf die Einsparungen des kommenden Jahres bereits jetzt Zeitschriften abbestellt und jegliche Buchbestellungen verweigert werden. Die Situation hat sich somit dramatisch zugespitzt. Alle bisherigen erfolgreichen Anstrengungen bei der Mitwirkung in Sonderforschungsbereichen, in Forschergruppen sowie in internationalen und nationalen Forschungs- und Ausbildungsnetzen werden durch die Einsparungen zunichte gemacht. Unsere Drittmitteleinwerbung und damit auch die wirtschaftliche Grundlage der Forschung an der Universität Potsdam wird sich durch diese unerwarteten Sparmaßnahmen in Zukunft drastisch verringern, da es bereits unter den derzeitigen Umständen sehr schwierig wird, den Förderinstitutionen die geforderte Versicherung zu geben, dass die infrastrukturellen Grundvoraussetzungen für ein solides wissenschaftliches Arbeiten gewährleistet sind.

Hinweis an die Redaktionen:

Für weitere Informationen steht Ihnen der Vorsitzender des Fakultätsrates der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Prof. Dr. Reimund Gerhard-Multhaupt, telefonisch unter 0331/977-1615, E-Mail: rgm@rz.uni-potsdam.de zur Verfügung.
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