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Millionenförderung: Forschung an Kaninchen, Ratten, Termiten

27.07.1999 - (idw) Universität Bayreuth

Überaus erfolgreich haben Bayreuther Tierphysiologen in letzter Zeit Mittel in Millionenhöhe für Forschung an Kaninchen, Ratten und Terminen eingeworben.

Tierphysiologen warben überaus erfolgreich Drittmittel ein
MILLIONENFÖRDERUNG FÜR FORSCHUNG
KANINCHEN, RATTEN, TERMITEN
Zwei Projekte die einzigen zoologischen in biomedizinischen Schwerpunkt

Bayreuth (UBT). Überaus erfolgreich haben Bayreuther Tierphysiologen in letzter Zeit Mittel in
Millionenhöhe für Forschung an Kaninchen, Ratten und Terminen eingeworben. Sowohl die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) als auch die Volkswagenstiftung (Hannover) bewilligten die Finanzierung
mehrerer Forschungsprojekte mit einer Förderungssumme von insgesamt über 1.1 Millionen DM. DFG und
Volkswagenstiftung sind die zwei bedeutendsten deutschen Organisationen zur Förderung der
Grundlagenforschung..

Das evolutionsbiologische Projekt von Prof. Dietrich von Holst im DFG-Schwerpunktprogramm
"Genetische Analyse von Sozialsystemen" untersucht die Beziehung zwischen sozialem Rang und
Fortpflanzung an einer auf dem Campus der Universität gehaltenen Population von Wildkaninchen. Die
Tiere leben jeweils in Gruppen von mehreren Männchen und Weibchen. Innerhalb dieser Gruppen bilden
Männchen und Weibchen durch zum Teil heftige Kämpfe Rangordnungen aus. Daraus ergibt sich die Frage:
Warum kämpfen die Tiere um hohe Ränge, obwohl dies große Verletzungsgefahr und andere Risiken mit
sich bringt?

In der Evolution kann sich ein derartiges im Tierreich weit verbreitetes Verhalten nur entwickeln, wenn die
mit dem hohen Rang verbundenen Risiken durch einen entsprechenden Nutzen aufgewogen werden. Nutzen
bedeutet in der Biologie letztendlich, daß die Anzahl der Nachkommen überlegener Tiere höher ist als die
nicht erfolgreicher unterlegener.

Zur Beantwortung dieser Frage werden die sozialen Ränge aller Tiere durch tägliche Beobachtungen erfaßt
und die Zahl ihrer Nachkommen u.a. mit molekulargenetischen Methoden (genetische Fingerabdrücke)
bestimmt. Die Untersuchungen umfassen das gesamte Leben der Tiere, so daß erstmals überhaupt bei
Säugetieren Aussagen über die Beziehungen zwischen dem Verhalten von Individuen, ihren sozialen
Positionen im Laufe des Lebens und ihrem Lebenszeit-Fortpflanzungserfolg möglich sein werden.
Ergänzend bewilligte die DFG Prof. von Holst Mittel zur Durchführung umfangreicher hormoneller,
klinisch-chemischer und sonstigen Untersuchungen, durch die die energetischen Kosten der
unterschiedlichen Rangposition der Wildkaninchen bestimmt werden sollen. Wieviel Energie benötigt z.B.
ein Tier, um eine dominante Rangposition zu erringen und zu erhalten und wie wirkt sich dies auf seine
Gesundheit und Lebenserwartung aus?

In einem anderen, von Dr. Manfred Kaib geleiteten Projekt, das ebenfalls im DFG-Schwerpunktprogramm
"Genetische Analyse von Sozialsystemen" angesiedelt ist, stehen soziobiologische und
populationsbiologische Untersuchungen an Termiten im Vordergrund. Termiten sind ähnlich den
Honigbienen staatenbildende Insekten mit z.T. mehreren Millionen Individuen in einer Kolonie. Sie besitzen
in tropischen und subtropischen Gebieten einerseits eine große ökologische Bedeutung, da sie Holz und
trockenes Gras fressen und so u.a. zur Humusbildung beitragen. Zum anderen haben sie eine erhebliche
ökonomische Bedeutung durch den Schaden, den sie an verbautem Holz ausüben. Zudem sind sie wichtige
Nahrungskonkurrenten zum Wild und zu landwirtschaftlichen Nutztieren: In den wildreichen Savannen
Ostafrikas vertilgen z.B. Termiten mehr Gras als alle großen Säugetiere zusammen.

Mit den Forschungen soll geklärt werden, warum bestimmte Termitenarten in manchen Gebieten fast
unvorstellbare Populationsdichten erreichen, während sie in anderen Bereichen nahezu vollständig fehlen.
Man erhofft sich durch entsprechende Erkenntnisse Möglichkeiten zu ihrer Kontrolle zu erarbeiten. Hierzu
sind neben molekulargenetischen Untersuchungen im Bayreuther Labor intensive Freilandarbeiten nötig, die
in enger Zusammenarbeit mit der Kenianischen Nationalparkbehörde und dem Kenianischen
Nationalmuseum geschehen.

Im Rahmen eines ihrer wichtigsten Ziele, zukunftsträchtige Forschungsgebiete zu etablieren, hat die
Volkswagenstiftung den biomedizinischen Schwerpunkt "Neuroimmunologie, Verhalten und Befinden"
gegründet. Als einzige zoologische Projekte werden hier zwei Bayreuther Forschungsvorhaben unterstützt.
In dem Projekt von Prof. von Holst wird die Beeinflussung des Immunsystems durch Artgenossen sowie
seine Bedeutung für die Populationsregulation von Wildkaninchen untersucht.

Unter natürlichen Bedingungen sterben Wildkaninchen überwiegend an Erkrankungen, die sich meist auf
einen schlechten Immunzustand der Individuen zurückführen lassen. Im Rahmen dieses Projektes wird
daher der immunologische Zustand der Tiere regelmäßig durch Erfassung der unterschiedlichsten
immunologischen Meßgrößen von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod erfaßt und mit der Lebensgeschichte der
Tiere verglichen. Diese Untersuchungen geben so Informationen, wie sich der jeweilige soziale Rang eines
Tieres auf seinen Immunzustand und somit auch auf seine Krankheitsanfälligkeit auswirkt, wie der
mütterliche Immunzustand den Schutz der Jungtiere vor Erkrankungen beeinflußt sowie letztlich, wie eine
soziale Instabilität z.B. durch hohe Populationsdichte oder der Verlust einer hohen Rangposition innerhalb
weniger Tage zum Tod der Tiere führen kann.

In dem biomedizinischen Projekt von Dr. Volker Stefanski sollen die Beziehungen zwischen
psychosozialem Streß, immunologischen Veränderungen sowie der Entstehung und dem Verlauf von

Krankheiten aufgezeigt werden. Durch detaillierte Verhaltensbeobachtungen an Rattengruppen und die
Ermittlung hormoneller Reaktionen werden Rückschlüsse auf die soziale Belastung einzelner Individuen im
Sozialverband gezogen. Dabei wird u.a. untersucht, inwieweit sich soziale Belastungen auf die Apoptose
(programmierter Zelltod) von Immunzellen sowie die Ausbreitung von Tumorzellen (Metastasierung)
auswirken. Daneben werden immunologische Regulationsprozesse erforscht, deren Kenntnis nicht zuletzt
auch für die Entwicklung von Therapien bei psychogenen Erkrankungen beim Menschen von Bedeutung
sind.
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