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Nebeneinander statt Miteinander

30.07.1999 - (idw) Universität zu Köln

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Probleme bei der Versorgung verhaltensauffälliger junger Menschen

Die Versorgung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher leidet, neben den allgemein bekannten Finanzierungs- und Ressourcenproblemen, vor allem an einer mangelnden Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft der an einer therapeutischen Behandlung beteiligten Einrichtungen. Das bestehende Nebeneinander statt Miteinander basiert zum einen auf den unterschiedlichen berufsbedingten Handlungsansätzen, zum anderen aber auch auf einer als unterschiedlich angesehenen Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit. Zu diesen Kernaussagen gelangt eine Arbeitsgruppe um Dr. Liselotte von Ferber in einer Studie der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes -und Jugendalters an der Universität zu Köln.

An der Versorgung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher sind zahlreiche Einrichtungen beteiligt, wie Kindergärten, Schulen und auf eine therapeutische Behandlung spezialisierte Institutionen. Das bestehende Mißverhältnis zwischen Versorgungszielen und den Angeboten der Einrichtungen stellt ein Problem dar, welches es in der Zukunft zu verringern gilt. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe um Dr. von Ferber setzt eine bedarfsgerechte Versorgung voraus, daß die bis dato undurchsichtigen Wege zu und zwischen den einzelnen Einrichtungen für die Patienten / Klienten klarer gemacht werden und gerade für die Zielgruppen, die auf die Hilfen mehrerer Einrichtungen angewiesen sind, eine Untereinander abgestimmte Betreuung gewährleistet ist. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich für die Arbeitsgruppe schon aus dem Bedarf, der alleine für die Stadt Köln besteht. So sind in der Stadt Köln etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren als psychiatrisch behandlungsbedürftig anzusehen. Weitere 10 bis 13 Prozent weisen Verhaltensstörungen oder psychische und soziale Auffälligkeiten auf, die eine qualifizierte Beratung als erforderlich erscheinen lassen. Die als unangemessen zu bezeichnende Kommunikations- und Informationsstruktur spielt eine entscheidende Rolle bei den bestehenden Versorgungsproblemen. Ursachen für die Defizite liegen zum einen in der unterschiedlichen Ausbildung und Professionalisierung der Berufe und zum anderen in der unterschiedlichen Nutzeneinschätzung des Informationsaustausches durch die an einer Versorgung verhaltensauffälliger Patienten beteiligten Personengruppen.

Ärztlich betreute oder in Kooperation mit Ärzten stehende Einrichtungen messen der Kommunikation und der Weitergabe von Information zur Patientengeschichte einen hohen Stellenwert bei. Einrichtungen unter sozialpädagogischer und überwiegend auch diejenigen unter psychologischer Leitung hingegen weisen einer verbesserten Kommunikation eine nachrangige Bedeutung zu. Auch die berufliche Sozialisation übt einen entscheidenden Einfluß auf die Zusammenarbeit unter den Einrichtungen aus. Die Qualität der Versorgung kann jedoch durch einen verbesserten Informationsfluß optimiert werden. Das bedeutet konkret, daß sich das Versorgungsziel schneller und damit im Interesse der Hilfesuchenden besser erreichen läßt.

Ein möglicher Lösungsweg wird in der Arbeitsgruppe um Dr. von Ferber in einem multiprofessionellen Qualitätszirkel auf Stadtteilebene gesehen, an dem Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und -arbeiter beteiligt sind, die in den verschiedenen Einrichtungen des Stadtteils für die Versorgung dieser Patienten tätig sind. Durch eine gemeinsame kritische Beleuchtung des Status quo der Versorgung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher im Stadtteil können handlungsbezogene Vorschläge zur Verbesserung der Versorgungssituation von den Zirkelteilnehmern erarbeitet und umgesetzt werden. Die Arbeitsgruppe sieht in einem stadtteilbezogenen Qualitätszirkel die Chance, Kommunikations- und Informationsdefizite zu verringern und eine Grundlage für politisch strategische Entscheidungen zur Verbesserung der bestehenden Versorgungsstrukturen vor Ort zu schaffen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Liselotte von Ferber unter den Telefonnummern 0221/478-6546 und 478-6547, der Fax-Nummer 0221/478-6766 und der Email-Adresse Liselotte.vonFerber@medizin-uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

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