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Altes Glas - Neuer Werkstoff

06.08.1999 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Im Bau sind für Brand- und Schallschutz sowie Wärmedämmung faserfreie Werkstoffe gefragt. Fraunhofer-Forscher entwickelten REAPOR, einen Baustoff aus Altglas. Er ist einfach zu verarbeiten und kann vollständig recycelt werden.


Der Werkstoff REAPOR besteht zu 90 Prozent aus Altglas. Er ist sehr leicht und eignet sich zum Beispiel für den Schallschutz oder zur Wärmedämmung. Dämmaterialien zum Schall-, Wärme- oder Brandschutz spielen eine wichtige Rolle im modernen Bauen. Seit nicht nur Asbest, sondern auch andere Baustoffe wegen möglicher Gesundheitsrisiken kritisch gesehen werden, steigt die Nachfrage nach faserfreien und gesundheitsverträglichen Baumaterialien. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP in Stuttgart entwickelten den faserfreien Werkstoff REAPOR. Weder Wasser noch Feuer oder auch Säure können ihm etwas anhaben. Darüber hinaus ist er hochstabil und dennoch leicht, er dämmt Wärme und Kälte und absorbiert Schall. Zudem ist REAPOR sehr umweltfreundlich. Es besteht zu über 90 Prozent aus Altglas und läßt sich vollständig wiederverwerten. Außerdem kann es leicht bearbeitet werden, Sägen oder Bohren ist kein Problem.

Der Grundstoff für REAPOR ist das Blähglasgranulat Liaver, ein kugelförmiger Leichtbaustoff, der aus Altglas hergestellt wird. Dieser wurde bisher schon im Bauwesen, vor allem als Zusatz zu Mörtel oder Putz eingesetzt, um die Materialdichte und damit das Gewicht herabzusetzen. Bei der Produktion von REAPOR wird das granulierte Blähglas gesintert. Die Kugeln werden dabei erhitzt und Hilfsmittel hinzugegeben. Dadurch entstehen an den Berührungspunkten der einzelnen Liaver-Kugeln sehr stabile Verbindungen, Sinterhälse genannt. Dies geschieht durch eine auf diese Kontaktstellen lokal begrenzte Glasschmelze und kann daher ohne Bindemittel ablaufen. Eine weitere Besonderheit von REAPOR: Sowohl die Form als auch die Porengröße und -verteilung kann der Kunde individuell bestimmen, je nach gewünschter Dämm- oder Schallschutzleistung und Gewicht.

Am IBP in Stuttgart besteht bereits eine Pilotanlage. Dort werden REAPOR-Platten für ein mobiles Trennwandsystem der Firma Preform Raumgliederungs-GmbH produziert. Diese Vorserie wird unter anderem in Großraumbüros eingesetzt. Schon nächstes Jahr läuft beim Umsetzungspartner Lias-Franken Leichtbaustoffe GmbH & Co. KG in Ilmenau die Großfertigung an. Dann kann die Herstellung von REAPOR-Teilen für weitere Einsatzmöglichkeiten des Baustoffs beginnen, beispielsweise von Bauteilen für Schallschutz, Wärme- und Kältedämmung oder Brandschutz.


Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Holger Gödeke
Telefon 07 11/9 70-33 76
Telefax 07 11/9 70-33 85
email: goedeke@ibp.fhg.de
Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Nobelstraße 12
D-70669 Stuttgart
Pressekontakt:
Rita Schwab
Telefon: 07 11/9 70-33 01
Telefax: 07 11/9 70-33 95
email: schw@ibp.fhg.de
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