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Reproduktionsmedizin im Mittelpunkt

10.08.1999 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Tagung aller relevanten Disziplinen in Bonn

Vom 19. bis 21. August 1999 findet an der Universität Bonn die 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Fertilität und Sterilität (zukünftig: Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin) statt. Diese vereinigt alle relevanten Fachrichtungen, einschließlich der beteiligten Grundlagenwissenschaften - Genetik, Reproduktionsbiologie und Veterinärmedizin - unter ihrem Dach. Bei der diesjährigen Tagung, die in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn, insbesondere der Dermatologischen und Gynäkologischen Klinik durchgeführt wird, werden 200 Teilnehmer aus allen reproduktionsmedizinisch relevanten Disziplinen erwartet. Organisation und Tagungsleitung liegen bei Prof. Dr. med. Gerhard Haidl, Klinik und Poliklinik für Dermatologie.

Mit Hilfe der vor einigen Jahren eingeführten neuen Methoden der künstlichen Befruchtung kann heute vielen ungewollt kinderlosen Paaren bei der Verwirklichung ihres Kinderwunsches geholfen werden, für die davor noch keine Therapie zur Verfügung stand; von ungewollter Kinderlosigkeit sind immerhin 10 bis 15 % aller Partnerschaften im fortpflanzungsfähigen Alter betroffen.
Die neue Technik der Retortenbefruchtung, die intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion (ICSI), bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird, hat freilich auch Befürchtungen hervorgerufen, inwieweit bei einem derartigen künstlichen Eingriff in die Fortpflanzung mit Schäden bei den entstehenden Kindern und ggf. nachfolgenden Generationen gerechnet werden müsse. Bei bislang 10.000 in Deutschland und 80.000 weltweit geborenen Kindern nach Anwendung der ICSI konnten jedoch keine erhöhten Mißbildungsraten beobachtet werden. Da schwere männliche Fertilitätsstörungen, bei denen diese Technik zur Anwendung kommt, häufiger auf genetische Ursachen zurückgeführt werden können, ist eine entsprechende humangenetische Abklärung vor dieser Behandlung unumgänglich.

Mit Einführung der ICSI tritt zunehmend auch die Bedeutung der Präimplantationsdiagnostik in den Vordergrund. Hierbei wird einem durch Retortenbefruchtung entstandenen Embryo vor der Übertragung in die Gebärmutter eine Zelle entnommen und auf das Vorliegen einer bestimmten genetischen Störung untersucht. Dies ist in Deutschland verboten, in den meisten unserer Nachbarländer nicht. Dieser Problematik bis hin zu den Fragen über das Klonen von Lebewesen wird in den Vorträgen sowie in einer öffentlichen Diskussionsrunde Rechnung getragen.
Die ICSI-Technik ist hauptsächlich zur Behandlung der schweren männlichen Fertilitätsstörung vorgesehen. Die Forschung auf dem Gebiet der männlichen Fertilität hinkt dem Stand auf weiblicher Seite noch immer hinterher. Deshalb ist der Andrologie - der Lehre der Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane - bei der Tagung breiter Raum gewidmet, wobei insbesondere endokrinologische Fragestellungen, also mögliche Ursachen auf hormoneller Ebene, und entzündlich immunologische Krankheiten der männlichen Genitalorgane besprochen werden.
Hierzu werden namhafte Andrologen aus dem Gebiet der Dermatologie - diese Fachdisziplin hat auf diesem Sektor in Deutschland Pionierarbeit geleistet - , der Urologie und Endokrinologie Stellung nehmen.


Die Öffentlichkeit ist zur Teilnahme an einer Veranstaltung am Freitag, dem 20. August um 17.30 Uhr im Festsaal eingeladen. Eingeleitet wird sie von Priv.-Doz. Dr. Winter von der Bundesärztekammer, der über die europäischen Rahmenbedingungen der Biomedizin spricht. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Teilnehmern aus Wissenschaft, Gesundheitsethik, Politik und ärztlicher Standesorganisation, moderiert von dem Journalisten Martin Lohmann, werden neue Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin diskutiert.

Das vollständige Programm der Tagung kann in der Presse- und Informationsstelle der Universität angefordert werden. Rückfragen an: Prof. Dr. Gerhard Haidl, Klinik und Poliklinik für Dermatologie,Tel. (0228) 287 5822, e-mail: haidl@mailer.meb.uni-bonn.de

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