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Große Aussichten für einen kleinen Baum

10.08.1999 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Große Aussichten für einen kleinen Baum
Mammutbaum auf dem Uni-Campus: Chemnitzer Physiker will ein Zeichen setzen

Chemnitz im Jahr 4500 - wir alle werden es nicht erleben. Aber einer könnte es schon: der jetzt noch kleine Mammutbaum auf dem Campus der Technischen Universität. Am 12. August 1999 pflanzt Prof. Dr. Günther Hecht einen Setzling des ältesten und mächtigsten Nadelbaums der Erde gleich hinter das Versuchsfeld des Institutes für Printmedientechnik an der Reichenhainer Straße 70. Der Chemnitzer Physikprofessor hatte ihn vor zwei Jahren geschenkt bekommen. Mittlerweile ist der kleine Baum bereits 60 Zentimeter hoch. Da im Minigarten des Hobbygärtners neben sibirischer Zirbelkiefer, tadschikischen Wacholder und portugiesischer Korkeiche kein Platz mehr ist, entschied sich Prof. Hecht für einen sonnigen Standort an seiner Uni.

Der Professor möchte nicht nur, dass sein Baum mindestens 2500 Jahre alt wird, so wie die großen Brüder des kleinen Mammutbaums im sonnigen Kalifornien. Prof. Hecht will damit auch ein Zeichen setzen: "Völlig unverständlich ist für mich die mutwillige Beschädigung von Bäumen und Sträuchern, wie wir sie heute vielerorts fast täglich erleben. Dies ist der Beweis für ein gestörtes Verhältnis des Menschen zur Natur und zu sich selbst - und das gilt es wieder gerade zu biegen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen." Prof. Hecht, der auf einem Bauernhof in Mecklenburg aufwuchs, weiß, wovon er spricht, denn dort bestimmte der Umgang mit der Natur sein tägliches Leben. Wurden Bäume zum Haus- und Stallbau gefällt, so pflanzte man in Hinblick auf künftige Generationen sofort neue Bäume an.

"Große Bäume hatten zudem eine soziale Funkion", erinnert sich der 62jährige Professor. Unter ihrer Krone trafen sich die Alten oder die Jugend des Dorfes zu einem Schwatz. Deshalb wünscht sich Prof. Hecht, dass sich eines Tages im Schatten seinen Mammutbaumes Studenten und Wissenschaftler zum Gedankenaustausch treffen oder Grillpartys feiern. "Und sie sollten sich an Albert Schweitzer erinnern, dem bewusst war, dass Leben von Leben lebt. Schweitzer forderte gerade deshalb die Lebenserhaltung als Grundprinzip menschlichen Handelns."

Ob im Jahr 4500 der Mammutbaum an der TU Chemnitz immer noch existiert, steht in den Sternen. Bis dahin muss er in jedem Winter gegen den Frost ankämpfen und sich so gegen manchem Schadstoff in der Luft abhärten. Und hoffentlich ergeht es ihm eines Tages nicht so wie dem 110 Jahre älteren Mammutbaum auf dem Gelände der Freiburger Uni: Der 26 Meter hohe Baum mußte in diesem Jahr einem neuen Institutsgebäude weichen.

Prof. Hecht will auch weiterhin Bäume aus Samen und Setzlingen groß ziehen, auch wenn er sie meistens gegen das Versprechen einer guten Pflege verschenkt. Und an der Uni ist er längst nicht mehr als "oppositioneller Grüner" verschrien. Vor der Wende hatte nämlich die damalige Hochschulleitung seine Sonntagsvorlesung zum Thema "Energie - Umwelt - Lebensstandard" ohne Grund abgesetzt. "Man hatte wohl Angst vor dem Rauschen des Waldes", schmunzelt der Physiker zurückblickend.

Wichtiger Hinweis für Journalisten, insbesondere Fotografen und Kamerateams: Am 12. August 1999 können Sie Prof. Dr. Günther Hecht ab 12.00 Uhr beim Pflanzen des Mammutbaums fotografieren und filmen. Auch für Interviews steht er Ihnen gern zur Verfügung. Sie erreichen das Gelände hinter dem Versuchsfeld des Institutes für Printmedientechnik über die Zufahrt zur Zentralen Warenannahme unterhalb des Böttcher-Baus, Reichenhainer Straße 70. Sie können im Bereich der Warenannahme parken.

Stichwort: Mammutbäume

Die Geburtsstunde der Mammutbäume liegt etwa 70 Millionen Jahre zurück. Die Giganten unter den Nadelbäumen besiedelten zahlreiche Plätze auf der Erde. Heutzutage ist ihr natürlicher Lebensraum jedoch begrenzt auf die westliche Sierra Nevada (USA), einen Streifen an der Küste Mittel- und Nordkaliforniens sowie ein kleines Gebiet in Zentral-China. Botaniker nannten die riesigen Bäume "Seqouien" und erinnern damit an den Irokesenhäuptling "Se-Quo-Yah" (1770-1843), der das erste indianische Alphabet - bestehend aus 86 Zeichen - entwickelte.

Die Mammutbäume beeindrucken durch ihr Alter und ihre Massigkeit. Beispielsweise haben die in Sequoia-/Kings-Canyon-Nationalpark (Kalifornien) vorkommenden Riesenmammutbäume gigantische Ausmaße. Der größte hier lebende Baum ist der 84 Meter hohe General Sherman Tree mit einem Stammdurchmesser von zehn Metern. Er hat damit genug Raummeter an Holz, um daraus etwa 40 Häuser mit je fünf Zimmern bauen zu können. Diese Riesen sind jedoch noch lange nicht am Ende ihres Wachstums angelangt. Der General Sherman Tree wird auf mehr als 2300 Jahre geschätzt. Noch immer wird sein Stamm pro Jahr einen Millimeter dicker. Der älteste momentan lebende Baum dürfte der "Grizzly Giant" im Mariposa Grove (USA) mit etwa 2700 Jahren sein.

Jüngere Exemplare der Mammutbäume sind mittlerweile weltweit verbreitet. Die ersten Samen und Setzlinge wurden in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt - die Bäume stecken also noch in den Kinderschuhen. Sie haben sich aber bereits zu stattlichen Baumriesen von bis zu 45 Metern Höhe und einem Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern entwickelt. Sehenswerte Exemplare gibt es in Oberursel/Taunus, im Schloßhotel-Park in Kronberg/Taunus, in der Fasanerie Wiesbaden, im Schloßpark Fürstenlager in Benzheim und im Exotenwald in Weinheim an der Bergstraße. Aber auch im Chemnitzer Botanischen Garten wachsen fünf Exemplare: eine Küstensequoia (Sequoia sempervirens), ein Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) aus Kalifornien und drei chinesische Mammutbäume (Measequoia glybtostroboides).

Weitere nützliche Infomationen über Mammutbäume findet man im Internet unter http://www.salamand.de .

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