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Kirchenhistoriker Prof. Angenendt wird 65

11.08.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Dr. h.c. Arnold Angenendt, langjähriger Direktor des Seminars für Mittlere und neuere Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität, vollendet am 12. August sein 65. Lebensjahr. Arnold Angenendt ist einer der international renommiertesten deutschen Kirchenhistoriker.

Er wurde 1934 in Goch am Niederrhein geboren und wuchs im benachbarten Asperden auf einem Bauernhof auf. Nach dem Abitur studierte er Theologie und Geschichte, wurde 1963 zum Priester geweiht und war anschließend als Kaplan in Vreden im Münsterland tätig. Weiteren Studien in Bonn, Rom und Paris folgte die Habilitation 1975 und die Berufung auf Lehrstühle in Toronto/Kanada und Bochum, bevor er 1981 zunächst den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft, 1983 den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster übernahm.

Seit 1992 ist er Mitglied des Sonderforschungsbereiches "Träger, Felder, Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter". 1997 wurde er in die Akademie der Wissenschaften von Nordrhein-Westfalen aufgenommen, 1999 verlieh ihm die Universität Lund in Schweden ein Ehrendoktorat. Zusätzlich nahm er in den letzten Jahren das Amt des Rektors der Dominikanerkirche wahr, wo seine Predigten ein breites Publikum fanden.

Arnold Angenendt hat durch seine Forschungstätigkeit die deutsche Kirchengeschichte in Richtung auf neue methodische Ansätze, speziell der Sozial- und Mentalitätsgeschichte, erweitert und im interdisziplinären Diskurs die Schlüsselfunktion der Kirchengeschichte zum Verständnis der Beziehungen zwischen Christentums- und allgemeiner Zivilisationsgeschichte betont. Zuletzt fand die innovative Dynamik dieser wissenschaftlichen Konzeption in der 1997 erschienenen monumentalen "Geschichte der Religiösität im Mittelalter" ihren Niederschlag und breite Resonanz. Entsprechend häuften sich in den letzten Jahren zahlreiche Einladungen aus dem In- und Ausland. Als erster Geistlicher überhaupt erhielt er eine Einladung an die Akademie der Wissenschaften in Moskau.

Zahlreichen Studierenden unterschiedlicher Fakultäten prägte sich Prof. Angenendt vor allem durch seine Vorlesungen ein, in denen die thematischen Schwerpunkte in einer außerordentlichen Vielfalt von Bezügen facettenreich präsentiert wurden. Sein lebhaftes Temperament läßt sogleich die rheinische Herkunft erkennen. Seinen Gedankengängen zu folgen, ist deshalb nach einem verbreitetem Urteil nicht eben bequem, aber ebenso unstrittig außerordentlich anregend und bereichernd. Gleiches galt für seine regelmäßigen (kunst)historischen Exkursionen ins In- und Ausland. Der Universität Münster bleibt Prof. Angenendt auch nach seiner Emeritierung als Mitglied eines neuen Sonderforschungsbereiches "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution" erhalten.

Aus Anlass des 65. Geburtstages von Prof. Angenendt veranstalten Freunde und Kollegen vom 16. bis 18. September 1999 in Münster eine internationale Tagung zum Thema "Normieren - Tradieren - Inszenieren. Das Christentum als Buchreligion", dessen historische Perspektiven in Beiträgen von der Antike bis in die Gegenwart beleuchtet werden.
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