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Chronischer Schmerz verändert den Homunculus im Hirn

16.08.1999 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Bei Patienten mit chronischen Schmerzen ist die Repräsentation von Körperteilen in der Großhirnrinde verändert. Nun berichten Forscher auf einem Satelliten-Symposium des Wiener 9. Welt-Schmerzkongresses in Heidelberg über Hinweise, daß solche Veränderungen - und damit Phantom-Schmerzen - nach Amputationen durch das Tragen von bioelektrischen Prothesen verhindert werden könnte.

Im sogenannten sensorischen Cortex, jenem Teil der Großhirnrinde, in dem einlaufende Sinnesreize verarbeitet werden, ebenso im motorischen Cortex, der Bewegungsmeldungen verarbeitet, ist der ganze Körper in Form eines "Homunculus" gespiegelt
In diesem Homunculus verändern chronische Schmerzen die Spiegelung ("Repräsentation") des schmerzenden Körperteils: Sie wird größer, verzerrt oder verschiebt sich. Derartige Veränderungen machte das Team von Professor Herta Flor vom Psychologischen Institut der Berliner Humboldt Universität mit verschiedenen bildgebenden Verfahren sichtbar. "Dies belegt", so Herta Flor, "daß diese Repräsentationen nicht fest "verdrahtet" sind, sondern durch Störungen und Stimulation selbst im erwachsenen Organismus noch veränderbar sind."
Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen verschiebt sich beispielsweise die Spiegelung des Rückens im Homunculus in benachbarte Areale. Die Psychologen glauben auch Hinweise zu haben, daß sich das Gebiet etwas vergrößert. Das Ausmaß der Veränderungen ist eng mit dem Chronifizierungsstadium der Beschwerden verknüpft. "Diese vergrößerte Repräsentation bei chronischen Schmerzen", so Flor, "könnte die gesteigerte Schmerzempfindlichkeit solcher Patienten erklären, ebenso das Vorhandensein von Beschwerden ohne entsprechende Reize."
Bei Patienten, denen ein Arm amputiert wurde, stellten die Wissenschaftler fest, daß die Repräsentation des Mundes innerhalb des Homunculus zu jener Stelle rutschte, wo vor der Amputation die Hand repräsentiert war. Allerdings trat diese Verschiebung nur bei Patienten auf, die an Phantom-Schmerzen litten. Auch in diesem Fall war das Ausmaß der Verschiebung mit der Schmerzintensität verknüpft.
Kann das Tragen einer Prothese Phantom-Schmerzen verhindern?
Derartige "Umbauten" konnte das Team von Flor in Zusammenarbeit mit Tübinger Wissenschaftlern mit Hilfe der sogenannten funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) auch im motorischen Cortex der amputierten Patienten nachweisen. Wenn die Patienten eine sogenannte myoelektrische Prothese trugen, die durch Nervenimpulse des Patienten gesteuert wird, waren die Veränderungen hingegen weniger stark ausgeprägt. Ebensowaren Phantomschmerzen bei diesen Patienten seltener. Dies könnte, vermuten die Psychologen, mit der Stimulation des Stumpfes durch die Prothese zusammenhängen.
Rückfragen an:
Prof. Dr. Herta Flor
Psychologisches Institut
Humboldt Universität
Hausvogteiplatz 5-7
10117 Berlin
Tel.: 030-20246-809
Fax: 030-20246-808

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