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Sonnenspektrum leuchtet in Goethes Museum

18.08.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jenaer Physiker erinnern mit einer Lichtinstallation an Goethes Farbenlehre

Jena (18.08.99) Nicht jeder in Thüringen konnte die Sonnenfinsternis gut betrachten. Die Weimarer hatten jedoch Glück mit dem Wetter. Dort besteht sogar - wenn keine Wolken stören - jederzeit die Chance, das Sonnenlicht in seinen Facetten zu betrachten. Seit der Wiedereröffnung des Goethe-Nationalmuseums in diesem Jahr können die Besucher die Projektion eines Sonnenspektrums im Foyer des Museums betrachten, das dort von Jenaer Physikern installiert wurde.

Die Apparatur wurde am Institut für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität sowie bei Carl Zeiss Jena entwickelt und gefertigt. Die Kosten trugen die Stiftungsunternehmen Carl Zeiss, Oberkochen und Schott Glas, Mainz. Die Installation soll an Isaac Newtons sowie Johann Wolfgang Goethes Experimente mit Licht und seine Farbenlehre erinnern.

Der Dichter hat einen breiten weißen Papierstreifen auf schwarzem Grund durch ein Prisma betrachtet, erläutert der Jenaer Physiker Prof. Dr. Lutz Wenke. Goethe beobachtet die sogenannten Kantenspektren, die farbigen Säume an den Grenzen zwischen Weiß und Schwarz. Dieser Grundversuch spielt bei Goethe eine so große Rolle, dass man sagen kann: Bei Goethe sind die Kantenfarben, bei Newton die Spektralfarben die elementaren Bausteine der Farbentheorie. Newton deutet das Prismenexperiment so: Das 'weiße Licht' der Sonne setzt sich aus Strahlen unterschiedlicher Brechbarkeit zusammen, die durch Richtungsauffächerung spezifische Farbempfindungen im Auge hervorrufen. Diese Auffassung kritisiert Goethe in seiner 1810 erschienen Farbenlehre, mit der er den "einseitigen Newtonschen Poltergeist auf immer verscheuchen" wollte. "Physikalischen Überprüfungen kann die Kritik an Newton nicht standhalten und sie rief bereits Widersacher unter Goethes Zeitgenossen hervor", bestätigt Optik-Experte Lutz Wenke. "Goethes Farbenlehre ist eigentlich keine physikalische Theorie, sondern eine ästhetische".

Im Weimarer Museum wird daher auch ein Newtonsches Spektrum projiziert. Zentraler Teil der Installation ist ein Heliostat, also ein der Sonne rechnergesteuert exakt nachgeführter Spiegel auf dem Dach des Museums. Das so eingefangene Sonnenlicht wird mit einem Umlenkspiegel durch das ovale Fenster der Glaskuppel in das Treppenhaus reflektiert. Dort ist ein speziell gefertigtes achromatisches Objektiv, ein sog. Fraunhofer II-Linser, von etwa 2 m Brennweite und 40 cm Durchmesser aufgehängt, das die Sonnenscheibe auf den Spalt eines Spektralapparates abbildet. Durch diesen rund 14 x 14 mm kleinen Spalt fällt das Licht auf zwei Prismen aus Schwerflint-Glas, die das 'weiße' Sonnenlicht in seine Spektralfarben zerlegen. Das Spektrum von Violett bis Tiefrot wird auf einer besonders beschichteten Projektionsfläche von 2 m mal 40 cm über der Fahrstuhltür im Museums-Foyer dargeboten.

Probleme bereiteten den Jenaer Physikern vor allem die elliptische Form des Treppenhauses und die Tatsache, dass aus Kostengründen Spiegel verwendet werden mussten, die nicht für die Sonnenbeobachtung hergestellt waren. Am Ende sollte dennoch in einem nicht-verdunkelten Raum das Spektrum gut sichtbar erscheinen. Doch Prof. Wenke, Dr. Friedrich Zöllner und Manfred Tettweiler von der Jenaer Uni gelang die Berechnung und Installation der Einzelteile dank guter Vorbereitung in bemerkenswerter Qualität.

Um sich nun am Farbenspektrum erfreuen zu können, bedarf es allerdings der Sonne. Denn wie schrieb bereits Goethe: "Die objektiven Versuche verlangen ... notwendig den Sonnenschein".


Friedrich-Schiller-Universität
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